Das sorgt für Irritationen: Auf Antrag der Solothurner Staatsanwaltschaft wurde der Prozess über die nachträgliche Verwahrung des «Kinderschänders von Starrkirch-Wil» um ein Jahr aufgeschoben. Somit bleibt der einschlägig Vorbestrafte, der 2006 eine Achtjährige missbraucht hatte, nach Verbüssung seiner Strafe weiterhin auf freiem Fuss. Der Entscheid wirft Fragen auf, zumal über 230 Therapiesitzungen während der vorangegangenen Haftzeit beim 43-Jährigen keinerlei Erfolg gebracht haben.

Auf Anfrage dieser Zeitung hält Jan Lindenpütz fest, dass die Verfahrenssistierung «unter den gegebenen höchst komplexen Umständen als die beste Lösung erscheint, um langfristig verhindern zu können, dass die betroffene Person rückfällig wird». Der Medienbeauftragte der Staatsanwaltschaft räumt ein, dass gemäss psychiatrischem Gutachten und dem Obergerichtsentscheid vom 16. September 2016 beim Betroffenen eine «mittelgradige bis hohe Rückfallgefahr anzunehmen» sei. Aber gleichzeitig sei gemäss Gutachten «nicht zu befürchten, dass er innert kurzer Zeit rückfällig wird, sondern vielmehr anzunehmen ist, dass es mittel- bis langfristig (nach Monaten oder Jahren) zu entsprechenden Straftaten kommen könnte.»

Um diese Rückfallgefahr erheblich zu reduzieren, sei vom Obergericht denn auch eine ambulante Therapie in Verbindung mit Bewährungshilfe angeordnet worden. Die Richter hätten verlangt, dass ein engmaschiges soziales Netz gespannt werde, in dem Therapie und Sozialarbeit mit verschiedenen Ansätzen – Wohnsituation, Drogen, Gesundheit, Arbeit – multiprofessionell zusammenwirken könnten.

Entscheidgrundlagen sammeln

«In einem solchen Setting befindet sich die betroffene Person zurzeit», so Jan Lindenpütz zur aktuellen Situation. Der Medienbeauftragte weist den Vorwurf von sich, dass die Staatsanwaltschaft mit dem Betroffenen nun quasi einen einjährigen «Feldversuch» durchführe: «Es geht nicht darum, zu schauen, ob er erneut delinquiert. Es geht darum, über eine genügend lange Zeitspanne beobachten zu können, wie die ambulante Therapie verläuft und diese Erkenntnisse dann im Verfahren auf nachträgliche Anordnung der Verwahrung verwerten zu können.»

Mehrfacher Kinderschänder bleibt auf freiem Fuss

Mehrfacher Kinderschänder bleibt auf freiem Fuss

Der Prozess um der Kinderschänder, welcher die damals 8-Jährige Selina missbraucht hat, wird um ein Jahr verschoben. Beim Opfer herrscht Fassungslosigkeit.