Obergericht

Kinderschänder Andreas T.* erhält kein milderes Urteil

«Ein klarer Fall», urteilt das Obergericht. Der Schuldspruch ist korrekt, auch für den Vorwurf der Schändung.

«Ein klarer Fall», urteilt das Obergericht. Der Schuldspruch ist korrekt, auch für den Vorwurf der Schändung.

Der Sexualstraftäter, welcher drei Mädchen missbraucht und sich bei weiteren sexuellen Handlungen an Kindern gefilmt hatte, forderte ein milderes Urteil, da eines der Mädchen schlief. Das Obergericht aber blieb bei 6 Jahren Freiheitsstrafe.

Als die Mutter eines der Opfer misstrauisch wurde und den Angeklagten anzeigte, fand die Polizei auf dem Computer hieb- und stichfeste Beweise für die Schandtaten. Denn Andreas T.* hatte sich bei seinen sexuellen Handlungen an schlafenden Mädchen und wehrlosen Babys selber gefilmt und fotografiert.

Der 47-Jährige hatte von 2005 bis 2008 insgesamt drei Mädchen auf üble Art sexuell missbraucht und dabei gefilmt. Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verurteilte den Schweizer dafür am 1. Mai 2014 zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und verordnete eine Psychotherapie in einer geschlossenen Anstalt. Nun wurde das Urteil durch das Solothurner Obergericht in allen Punkten bestätigt.

«Ich habe genau erklärt und zugegeben, was ich gemacht habe», sagte Andreas T. am Ende der gestrigen Verhandlung, als ihm das Obergericht das letzte Wort gewährte. «Ich möchte, dass ich in allen Punkten ein gerechtes Urteil bekomme.» Berufung hatte der 47-jährige Schweizer nur gegen einen von drei Schuldsprüchen eingelegt, die beiden anderen sind bereits rechtskräftig geworden.

«Ein klarer Fall»

Den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs und der Schändung eines damals 10-jährigen, schlafenden Mädchens, bestritt der Angeklagte aber weiterhin. Er gab zwar zu, das Kind abgedeckt sowie Slip und das Shirt zur Seite geschoben zu haben, um Einblick in die Intimzonen zu bekommen. Andreas T. bestritt aber, das Mädchen sexuell berührt zu haben. Das Masturbieren in der Nähe eines schlafenden Kindes erfülle den angeklagten Tatbestand nicht, sagte die Pflichtverteidigerin in ihrem Plädoyer und forderte in diesem Fall einen Freispruch.

«Diese Handlungen wirken auf einen Aussenstehenden ganz eindeutig als sexuelle Handlungen», widersprach das Obergericht und bestätigte vollumfänglich das Urteil des Amtsgerichts. «Es ist ein klarer Fall, das Kind war das Sexualobjekt des Beschuldigten», sagte Obergerichtspräsident Hans-Peter Marti in der Urteilsverkündung. «Der Schuldspruch des Amtsgerichts ist korrekt und gut begründet.» Das gelte auch für den Schuldspruch wegen Schändung, weil das schlafende Mädchen wehrlos ausgeliefert war.

Einsicht scheint zu wachsen

Offenbar zeigt die vom Amtsgericht am 1. Mai verfügte Massnahme einer Psychotherapie in einer geschlossenen Anstalt bei Andreas T. bereits langsam Wirkung. Während er damals bei der erstinstanzlichen Verhandlung noch Ausflüchte und unglaubwürdige Geschichten auftischte, sagte Andreas T. nun vor dem Obergericht. «Ich schäme mich für das, was ich getan habe. Ich will in der in der Therapie lernen, warum ich das gemacht habe und ich will, dass es niemals mehr passiert.» In ihrem Bericht an das Obergericht schreibt denn auch die behandelnde Psychiaterin von grosser Motivation und ersten Fortschritten. Andreas T. sei zwischen den Phasen zwei und drei von sechs Stufen der Therapie angekommen.

«Ich möchte wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft werden», sagte Andreas T. auf die Frage des Gerichts nach seinen Zukunftsplänen. Bis es vielleicht einmal soweit kommen kann, wird es noch einige Jahre Psychotherapie in einer geschlossenen Anstalt brauchen, fand auch das Obergericht. Es verfügte die Fortsetzung der Massnahme und bestätigte auch die von der Vorinstanz auf sechs Jahre festgelegte Freiheitsstrafe. «Das Strafmass ist angemessen und gut begründet», erklärte der Obergerichtspräsident. Auch die Genugtuung von 5000 Franken muss Andreas T. an das Opfer zahlen.

*Name von der Redaktion geändert

Meistgesehen

Artboard 1