Amtsgericht Thal-Gäu
Kinderpornos machen den ehemaligen Sozialpädagogen heiss

Ein 45-jähriger Schweizer missbrauchte einen zweieinhalb Jahre alten Jungen und machte Aufnahmen von ihm. Am Dienstag musste sich der Mann vor dem Amtsgericht Thal-Gäu verantworten.

Erwin von Arb
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Im Computer von Martin H. fand die Polizei neben Kinderpornos rund 120 Aufnahmen vom missbrauchten Jungen. (Symbolbild)

Im Computer von Martin H. fand die Polizei neben Kinderpornos rund 120 Aufnahmen vom missbrauchten Jungen. (Symbolbild)

Keystone

«Pervers, schmutzig und schweinisch sind Worte, die nur ansatzweise zum Ausdruck bringen, was Martin H.* dem damals zweieinhalbjährigen Kind angetan hat», sagte Staatsanwalt Christoph Fricker in Richtung des Angeklagten. Dieser musste sich vor Amtsgericht Thal Gäu wegen mehrfacher Schändung, mehrfacher sexueller Handlung mit einem Kind sowie mehrfacher Pornografie verantworten.

Letzteres wurde dem 45-jährigen Schweizer zum Verhängnis, weil die nach seiner Festnahme auf dem Computer gefundenen Bilder ihn zusammen mit dem gepeinigten Kind zeigten. Auf den sichergestellten Aufnahmen ist zu sehen, wie sich Martin H. zwischen Februar 2011 und November 2013 in Wohnungen im Emmental und im Thal am Jungen vergeht. Das Einführen seines Penis in den After des Jungen stufte die Staatsanwaltschaft – neben weiteren beischlafähnlichen sexuellen Handlungen – als schwerste Tat ein.

Zwei Therapien abgebrochen

Der Angeklagte bestritt diesen Vorhalt auf Nachfrage von Amtsgerichtspräsident Guido Walser, gab aber zu, sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. So weit wie in der Anklage erwähnt wäre er aber nie gegangen, beteuerte der Oberaargauer mit leiser Stimme. Bezüglich seiner Zukunft bemerkte er, dass diese vom Urteil des Gerichts abhänge. Wichtig sei ihm, die kürzlich begonnene Therapie fortzusetzen. Bis zu seiner Verhaftung war der Sozialpädagoge in einem Kinderheim im Kanton Bern tätig.

Dass zwei Therapien abgebrochen wurden, habe damit zu tun, dass er bisher nicht zu seinen Neigungen stehen konnte. Diese habe er vor rund zehn Jahren in sich entdeckt, als er sich eine Sendung über Kinderpornografie angesehen habe.

Aus dieser Neugierde sei eine Sucht geworden. «In jener Zeit waren Kinderpornos ein Ersatz für die Beziehung, die ich mir wünschte», so der Angeklagte. Heute sei ihm klar, dass er nur weiterkomme, wenn er zu seinem Problem stehe. Er schäme sich dafür, auf Frauen zu stehen und gleichzeitig homosexuell und pädophil zu sein. Was er dem Jungen angetan habe, tue ihm leid und werde nie mehr geschehen.

Kind mit der Mutter des Opfers

Die vom Gericht aufgebotene Sachverständige kommt in ihrem Gutachten zum Schluss, dass Martin H. an einer Persönlichkeitsstörung leidet. Deshalb sei er gar nicht in der Lage, sich in einer allfälligen nächsten Situation zurückzuhalten. Abspielen würde sich dies wiederum in einem vom Angeklagten selbst ausgewählten oder geschaffenen Umfeld.

Das sei auch beim betroffenen Jungen nicht anders gewesen. Martin H. habe sich als Taufpate angeboten und so das Vertrauen des Kindes und der Mutter gewonnen. Dass der in Sicherheitshaft sitzende Angeklagte inzwischen mit der Mutter des missbrauchten Jungen ein gemeinsames Kind hat, erklärte die Sachverständige damit, dass der Mann gegen aussen eine normale Familie darstellen wolle.

Die im Auftrag der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) vor Gericht auftretende Anwältin stellte der im Thal wohnhaften Mutter kein gutes Zeugnis aus. Sie habe es nicht nur verpasst, ihren Sohn vor Martin H. zu beschützen, sondern mit dessen Peiniger sogar ein Kind gezeugt. Damit sei das Vertrauen des Jungen ein weiteres Mal aufs Gröbste missbraucht worden. Dem Angeklagten warf sie vor, nur immer gerade das zuzugeben, was ohnehin bewiesen werden könne.

Hohes Rückfallrisiko

Gemäss dem erwähnten Gutachten kommt für Martin H. nur eine stationäre Therapie infrage. Hauptgrund dafür: Der Angeklagte hat sich noch zu wenig konkret mit seiner pädophilen Veranlagung auseinandergesetzt und diese stattdessen verdrängt. Das Rückfallrisiko wird im Gutachten als hoch beurteilt.

Dieser Einschätzung schloss sich auch der Staatsanwalt an, der für Martin H. neben der stationären Massnahme eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und vier Monaten verlangte.

Der amtliche Verteidiger, Ronny Scruzzi, Olten, stellte hingegen einige von der Staatsanwaltschaft zur Beweisführung genutzten Bilder infrage. Diese stammten nicht von seinem Mandanten, sondern aus dem Internet. Dabei geht es vor allem um die Darstellung gröberer sexueller Übergriffe, weshalb sich Scruzzi für eine teilbedingte Strafe von 30 Monaten sowie eine ambulante Therapie aussprach.

Das Urteil wird am kommenden Freitag, 13. Mai, mündlich eröffnet.

Name von der Redaktion geändert.