Wie schon im ersten Prozess wollte keiner der drei Angeklagten führend bei der Planung der Tat gewesen sein. Die beiden Täter bezeichneten Ruth S. als Planerin, die Frau selber spielte ihre Rolle herunter.

Familie musste sterben, weil kein Geld da war

Im Falle des angeklagten ehemaligen Spitzensportlers interessierte sich das Gericht vor allem für seine sportliche und berufliche Karriere. Er habe nie Dopingmittel genommen, sagte der mehrmalige Schweizermeister im Hammerwerfen. Patric S. Er habe aber mit dem Sport aufgehört, weil er nach Nichtbeachtung der Dopingproben-Meldepflicht mit einer dreimonatigen Sperre bestraft wurde.

Auskunft musste der WM- und Olympiateilnehmer auch über seine offenbar gute gefüllten Bankkonten und die hohen Geldbeträge, die damals hin- und herflossen, geben, ohne dass er dabei klare Angaben machte. Er sei halt einfach ins Millieu hineingerutscht und habe dann einen teuren Lebensstil geführt.

Auch zur Tat musste der Spitzensportler noch einmal Auskunft geben. Man habe die drei Familienmitglieder getötet, weil kein Geld gefunden wurde. Es tue ihm heute leid.

Tat für seinen Kollegen vollendet

Als erster der drei Tatbeteiligten war Guido S., der 28-jährige ungelernte Koch, vernommen worden. Die Befragung drehte sich um die schwierige Jugend, die abgebrochenen Lehren und um die Tat. Der Mann konnte sich nicht mehr an alle Details und die Vorbereitungshandlungen erinnern, obwohl er nach der Tat die Abläufe zunächst klar geschildert hatte.

Auf Fragen des Gerichts, warum er dann zielgerichtet vorgegangen sei, bei der Ausführung der Morde mitgeholfen und danach wieder normal funktioniert habe, suchte der Mann jeweils lange nach Antworten. Er habe den Mord an Dania, der 35-jährigen Tochter des ermordeten Ehepaars, nur vollendet, weil sein Kumpane, der Spitzensportler, nicht mehr in der Lage dazu war.

"Gerichtspräsident befangen"

Vorerst noch nicht entscheiden wollte das Gericht über einen Antrag von Daniel Walder, der Verteidiger von Ruth S., das Verfahren der ersten Instanz wegen Befangenheit des damaligen Gerichtspräsidenten für ungültig zu erklären.

Keiner will bei den Schenkkreis-Morden die führende Rolle gespielt haben.

Keiner will bei den Schenkkreis-Morden die führende Rolle gespielt haben.

Präsident der ersten Instanz, des Amtsgerichts Solothurn-Lebern, war im Mai 2012 François Scheidegger. Im Jahr nach dem Prozess stieg Scheidegger für die FDP in den Kampf gegen Amtshinhaber Boris Banga (SP) um das Grenchner Stadtpräsidium. Scheidegger konnte nach zwei Wahlgängen Banga knapp aus dem Amt drängen.

Scheidegger sei es beim ersten Prozess in erster Linie nicht um ein faires Urteil gegangen, sondern er habe sich damit eine Plattform für seinen Wahlkampf aufbauen wollen, sagte Walder. Scheidegger wäre nicht Stadtpräsident von Grenchen geworden, wenn der Prozess einen anderen Ausgang genommen hätte.

Frau spielt ihre Rolle herunter

Sie sei nicht der "General im Hintergrund" gewesen, sagte Ruth S. gegenüber dem Gericht auf entsprechende Vorwürfe der Mitangeklagten. Sie habe zwar den beiden anderen Angeklagten Geld geliehen, aber die Rückforderung sei nicht mit Drohungen verbunden gewesen.

Es habe sich einfach so ergeben, sagte Ruth S. zur Planung der Tat, die in einen Dreifachmord ausartete. Direkt sei aber nie die Rede gewesen, die Familie umzubringen. (sda/ldu)

Der erste Tag im Berufungsprozess im Live-Ticker:

16.41 Uhr: Die Befragung von Ruth S. ist beendet. Man einigt sich darauf, am Dienstag die Vorfragen zu klären.

16.30 Uhr: Die Befragung dreht sich um das Wechseln der Euros (Teil der Beute), Codewörter aufgrund der Angst vor einer Verhaftung und weiteres Ausleihen von Geld durch Ruth S.

16.14 Uhr: Sie habe sich nie ausgemalt, was bei den Dubeys passieren würde, sagt Ruth S.. "Ich habe nie damit gerechnet, dass sie überhaupt in die Wohnung kommen."

Hans-Peter Marti fragt, weshalb sie nicht den Kontakt abgebrochen habe, nachdem sie erfahren habe, dass Patric S. drei Menschen umgebracht habe. Ihre Antwort: Sie habe damit gerechnet, dass Patric S. sowieso bald festgenommen werde, und dass damit der Kontakt automatisch abbreche.

16.04 Uhr: Ruth S. beschreibt ihren Alltag, seit sie am 16. Juli 2012 aus dem Gefängnis Hindelbank entlassen wurde. Ihre Freunde hätten ihr eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Am Morgen gehe sie jeweils zu den Tieren, die noch übrig seien, so die 53-jährige Hundezüchterin.

16.02 Uhr: Es sei "eindrücklich", was für Gespräche Ruth S. wenige Tage nach der Tat geführt habe, so Kamber. Es sei um Alltagssachen gegangen, Betroffenheit sei dabei nicht aufgetaucht. Ob sie denn damit gerechnet habe, dass sie abgehört werde? Diese Frage beantwortet Ruth S. mit Ja. Habe sie denn mit einer Festnahme gerechtet und weshalb, will der Oberrichter wissen. "Ja", sagt Ruth S. wieder. "Meine Autonummer war am BMW angebracht." Mit dem Auto waren Patric S. und Guido S. nach Grenchen gefahren.

15.56 Uhr: Nach der Tat habe sie ein Telefonat erhalten, man habe ihr aber nicht gesagt, worum es ging. Als Patric S. und Guido S. sie trafen, hätte sie Waffen und Kleider entgegen genommen - nicht jedoch das Geld. "Das Geld hat man mir ins Auto geworfen."

15.47 Uhr: Ruth S. kann sich nicht mehr daran erinnern, dass es um eine Tötung ging. "Es hat nie jemand darüber gesprochen, dass jemand umkommt." Von einem Treffen mit Guido S. und Patric S., bei dem die Tötung zur Sprache gekommen sein soll, will sie nichts wissen. "Es ist nicht wahr." Damit widerspricht sie den Aussagen der beiden Mitverurteilten.

15.28 Uhr: "Ich brauchte das Geld nicht dringend", erzählt sie im Hinblick auf die Darlehen, die sie Guido S. und Patric S. gewährt hatte. Ihr sei es einfach langsam zu bunt geworden. Die beiden hätten oft Party gemacht. Sie habe ihnen nichts angedroht, so die 53-Jährige.

Es habe sich "einfach so ergeben", dass die drei eine kriminelle Handlung in Betracht zogen.

Kamber beschreibt Ruth S. als Denkerin des Trios. Patric S. und Guido S. seien in ihren Überlegungen oft angestanden und hätten sie um Rat gefragt. Ruth S. korrigiert dieses Bild nicht. "Wenn mich jemand gefragt hat, habe ich eine Antwort gegeben", meint sie dazu. Durch ihre Antworten, Meinungen, Tipps und Ideen habe sie nie gedacht, "dass es zu einer Katastrophe kommt."

Am Tag des Überfalls hatte die 53-Jährige mit Guido S. telefoniert, als die beiden Männer in Grenchen vor einer verschlossenen Türe standen. "Ich habe ihnen gesagt, dass sie bei allen Wohnungen läuten sollen", so Ruth S.

Sie verneint jedoch wehement, dass sie den beiden den Tipp gegeben habe, Margrit Dubey zuerst anzurufen und sich unter einem Vorwand für einen Besuch anzumelden.

15.16 Uhr: Ruth S. wird aufgefordert, in der Mitte Platz zu nehmen. Oberrichter Marcel Kamber beginnt mit der Befragung. Ruth S. fühlt sich in den Unterlagen falsch beschrieben. Zeugen und Freunde hätten in dieser Hinsicht befragt werden müssen, meint sie.

Kamber erwähnt einige prägende Erlebnisse aus ihrem Leben, fragt dann nach, woher sie Margrit Dubey kenne. Aus dem Schenkkreis.

Guido S. kenne sie von klein auf, so Ruth S. Er sei unreif gewesen. "Er hatte viele Ideen, wie er sein Leben gestalten wollte." Guido S. und Patric S. seien immer höflich und freundlich miteinander umgegangen.

Über Patric S. sagt sie, dass er nicht mehr derselbe gewesen sei, als er dem Sport den Rücken kehrte. Die Begeisterung sei "weg gewesen". Ob sie aggressives Verhalten bei ihm festgestellt habe? "Nein", lautet ihre Antwort.

15.15 Uhr: Guido S. ist wieder der erste Verurteilte, der in den Saal geführt wird - wieder mit Fussfesseln und Handschellen. Ruth S. macht einen nervösen Eindruck kurz vor ihrer Befragung. Sie hat sich eine zusätzliche Weste angezogen.

14.53 Uhr: Die Befragung von Patric S. ist beendet. Es gibt eine kurze Pause.

14.38 Uhr: Nun kommt Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck zu Wort. "Wieso haben sie Margrit Dubey nicht mit der Pistole bedroht?", will er wissen. Am Anfang hätten sie es "ganz normal" versucht. Man sei nicht reingegangen, habe mit der Pistole gedroht und habe gesagt: "Dies ist ein Überfall."

14.34 Uhr: Oberrichter Hans-Peter Marti befragt Patric S. Er will wissen, was es mit den fingierten Briefen auf sich hatte, die Patric S. Margrit Dubey vorbeibrachte.

Er habe ihr die präparierten Anmeldebriefe - zirka sechs bis sieben Stück - in einem Zimmer neben dem Büro gezeigt. Hätte Guido S. in dieser Zeit Geld gefunden, wären sie beide wieder verschwunden. "Margrit Dubey hätte von sich aus gar nicht zur Polizei gehen können, weil es Geld aus dem Schenkkreis gewesen wäre", so Patric S.

14.32 Uhr: Was Patric S. denn von der lebenslänglichen Strafe denkt, zu der er verurteilt wurde, will Kamber zum Abschluss seiner Befragung wissen. "Ich habe sicherlich eine langjährige Strafe verdient, aber keine lebenslängliche", so der 37-Jährige. Er wünsche sich für die Zukunft, sein Informatikstudium abzuschliessen.

14.28 Uhr: Margrit Dubey sei getötet worden, als im Haus noch gar kein Geld gefunden wurde. Alle Anwesenden seien getötet worden. "Man hat den Eindruck als ob in dieser Wohnung jegliche Menschlichkeit abgelegt wurde", sagt Marcel Kamber und blättert in der Anklageschrift.

Kamber zitiert aus einem Brief, den S. nach der Tat geschrieben hat: "Da gibt man jemandem einen kleinen Kopfschuss, und schon wird man als gefährlich eingestuft. Die Leute von heute halten nichts mehr aus." Er sei emotional sehr aufgewühlt gewesen, als er diesen Brief geschrieben habe, so S. Er habe keinen klaren Kopf mehr gehabt.

Kurz nach der Tat habe er sich auf Kommission 30 Gramm Kokain beschafft, um zu vergessen.

14.08 Uhr: In einen Schenkkreis habe er knapp 28000 Franken für andere Leute hineingesteckt, so Patric S. Einen Gewinn daraus habe er nie gesehen. Insgesamt habe er 300'000 bis 400'000 Franken investiert.

Oberrichter Marcel Kamber will wissen, ob während der Vorbereitung zum Überfall die Rede davon war, so weit zu gehen: "Wir sind nie so detailliert darauf eingegangen, weil wir von Raub ausgegangen sind", so die Antwort von Patric S.

Er habe sich auf Rat von Ruth S. persönlich bei Margrit Dubey für ein Gespräch angemeldet. Es sei immer klar gewesen, dass man zu zweit den Überfall machen würde - auch für Guido S. Dass man Plastiksäcke einsetzen würde, sei vorher besprochen worden. Man habe Margrit aber einfach bewusstlos machen wollen. "Am Schluss ist es derart ausgeartet", so der 37-Jährige. Die Pistole sei nicht eingesetzt worden, weil man den Schuss draussen gehört haben könnte.

Es sei nicht richtig, dass er körperlich erschöpft gewesen sei, so wie es Guido S. es behauptet hat. "Er hat mich aufgefordert, einen Sack zu holen."

14.00 Uhr: Guido S. hatte ausgesagt, dass er Angst vor Patric S. gehabt habe. Dem widerspricht der ehemalige Hammerwerfer. "Wir hatten nie Streit. Wir hatten es immer lustig, wenn wir uns gesehen haben."

13.55 Uhr: Im Hinblick auf den Schenkkreis, durch den auch Patric S. Schulden bei Ruth S. hatte, spricht Kamber etwaige Konsequenen an, die sie ihm angedroht haben könnte. Dies verneint Patric S. "Sie hat es aber geschafft, mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Dann habe ich gewusst: Es muss etwas passieren."

13.50 Uhr: Kamber will mehr über Patric S. Kokainkonsum wissen. Wesentlich sei, dass der Kokain-Konsum je Befragung immer grösser geworden sei, so Kamber. "Am Schluss wollte ich einfach reinen Tisch machen", erklärt sich Patric S.

Ein Ostschweizer, der in einem Fitnessbereich arbeitete, habe ihm ein Dopingplan aufgestellt. "Es machte mich aggresiv." Während seiner Sportler-Zeit habe er aber nie gedopt, betont Patric S. Heute lässt er die Finger davon. "Mit Doping habe ich abgeschlossen", so Patric S.

13.33 Uhr: Die Mittagspause ist zu Ende, Obergerichtspräsident Hans-Peter Marti bittet Patric S. nach vorne. Richter Marcel Kamber beginnt mit der Befragung. Er will wissen, weshalb Patric S. den Hammerwerfer-Sport aufgegeben habe. "Wegen Differenzen", sagt dieser.

Er sei dann einfach ins Milieu "reingeschlittert". Einen anderen Beruf auszuüben, das habe er nach seiner Zeit als erfolgreicher Sportler nicht angestrebt. Dafür hat er auf grossem Fusse gelebt: Haus für 3000 Franken im Monat, Luxusferien...

Daniel Walder, Anwalt von Ruth S. wird in der Mittagspause von Medien belagert.

Daniel Walder, Anwalt von Ruth S. wird in der Mittagspause von Medien belagert.

11.30 Uhr: Die Befragung von Guido S. ist beendet. Um 13.30 Uhr geht es weiter mit der Befragung von Patric S.

11.09 Uhr: Grund für eine Absprache mit Patric S., Ruth S. zu belasten, gebe es nicht, so Guido S. Er mag sich auch nicht daran erinnern, dass Patric S. ihn per Geste oder mit Worten Angst eingejagt habe.

Pius Buchmann, Anwalt von Patric S., will wissen, wie es mit der körperlichen Verfassung von Patric S. nach der Tat weitergegangen sei. Guido S. kann sich an nichts Spezielles erinnern.

11.00 Uhr: Die Befragung wendet sich dem Leben von Guido S. in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg zu. Im Bericht der Anstalt steht offenbar, dass S. immer ein offenes Ohr habe, und Informationen gerne an die Wärter und die Leitung weitergebe. Er habe halt eine Funktion, in der er Zugang zu vielen Bereichen erhalte. Deswegen höre er auch viel. Von der Leitung her sei er deswegen aber nie kontaktiert worden.

Guido S. zahlt Opferhilfe des Kantons Solothurn. "Was passiert ist kann man nicht mehr gut machen, aber es ist für mich selbstverständlich, dass ich einen Beitrag leiste", so S.

10.55 Uhr: Am Anfang belastete Guido S. Ruth S. nicht. Später aber schon. Sie sei ihm sehr nahe gestanden, erklärt Guido S. den Grund. Ruth S. habe keinen Kontakt mehr zu ihm pflegen wollen. "Ich habe sie am Anfang geschützt". Warum dann nicht mehr?, fragt Kamber. Patric S. habe seine Aussagen bestätigt. Er habe einfach seine Zeit gebraucht, so Guido S.

10.48 Uhr: Guido S. habe die Tötung von Dania Dubey so geschildert, dass sie sich absolut nicht gewehrt habe, so der Richter. Die Aussage von Guido S., dass sein Komplize körperlich nicht mehr in der Lage gewesen sei, Dania selbst umzubringen, und er dies deshalb übernehmen musste, sieht er als zweifelhaft an. Guido S. bleibt dabei: "Es war aber so."

Kamber will auch wissen, weshalb Guido S. keinerlei Betroffenheit gezeigt habe. "Ich habe versucht, das Ganze zu verdrängen und mich nicht damit zu beschäftigen."

10.30 Uhr: Guido S. habe selbst Dania Dubey mit einem Handtuch geknebelt und sie mit Klebeband gefesselt, schildert Marcel Kamber den Tathergang. Danach habe er Wasser aus dem Lavabo getrunken und das Fenster geschlossen. Das zeige ein "klar strukturiertes Verhalten", so der Oberrichter. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass sich Guido S. zu irgendeinem Zeitpunkt zurückziehen oder die Tat nicht begehen wollte.

"Ich habe mich nicht getraut, mich gegen Patric S. zu stellen", so Guido S. "Ich hatte Angst vor ihm." Er habe Angst gehabt, "weil ich vorher (Tötung von Margrit Dubey A.d.R.) gesehen habe, zu was er fähig ist."

Der Oberrichter lässt nicht locker. Am Anfang habe er bei seinen Aussagen nie angegeben, dass er Angst vor Patric S. gehabt habe - höchstens Respekt. Erst im schriftlichen Geständnis schildere er diese Angst.

10.10 Uhr: Die Befragung wendet sich den Vorbereitungen zum Überfall auf die Familie Dubey und dem Überfall selbst zu.

Erst auf Bitte von Patric S. sei er ins Haus der Dubeys hineingegangen, erzählt Guido S. Er habe im Vorfeld aber nicht damit gerechnet, dass es so weit kommen würde. Weshalb er nicht opponiert habe, könne er nicht sagen. Es sei überraschend, dass es so weit gekommen sei.

Auf die Frage, weshalb Patric S. und er beim Überfall dann zwei Paar Motorradhandschuhe dabei gehabt hätten, kann er nicht schlüssig beantworten. Die seien Wohl noch vom ersten Versuch da gewesen.

"Zu diesem Zeitpunkt wurde ich zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert. Ich hatte vorhin noch nie einen toten Menschen gesehen."

10.00 Uhr: Patric S. habe er 2007 (zwei Jahre vor der Tat) am Zürifäscht kennengelernt, erzählt Guido S.

Guido S. spricht leise. Immer wieder müssen die Richter ihn auffordern, lauter zu sprechen, so dass ihn alle im Saal verstehen.

9.45 Uhr: Guido S. tritt vor und nimmt Platz für die Befragung. Es geht um seine Kindheit im Kinderheim. Auch nach seiner Rückkehr nach Hause sei es nicht einfach gewesen. Die Lehre habe er wegen schulischen Problemen abgebrochen.

Ruth S. sei immer eine Ansprechperson für ihn gewesen, erzählt S., eine mütterliche Freundin. Eine Zeit lang hätten sie im gleichen Haus gewohnt. "Sie war immer für mich da. "Ruth S. habe ein Darlehen aufgenommen und ihm Geld geliehen, das er dann in den Schenkkreis investiert habe. Rund 7000 Franken seien es gewesen.

Als er Ruth S. gesagt habe, dass er aus dem Schenkkreis aussteigen wolle, habe sie ihm gesagt, dass sie in dem Fall nichts mehr von ihm wissen wolle. Ruth S. habe nicht wollen, dass er seine Schulden begleiche. Weshalb, wisse er auch nicht.

Margit Dubey, eines der Opfer, habe er im Schenkkreis kennengelernt. "Ich habe sie nicht gut gekannt."

9.15 Uhr: Alle müssen den Saal verlassen. Das Gericht berät über den Antrag, das erstinstanzliche Urteil aufzuheben. Nach einer Viertelstunde Pause berichtet Gerichtspräsident Hanspeter Marti: Das Obergericht weist den Antrag vorerst zurück. Es will den Antrag im Rahmen der Gesamtbeurteilung am Schluss behandeln.

8.50 Uhr: Daniel Walder, der Verteidiger von Ruth S., kann als Erster sprechen. „Ich beantrage, das Urteil sei aufzuheben". Die erstinstanzliche Verhandlung sei zu wiederholen, fordert er. Ein Bürger habe ein Recht auf einen unparteiischen Richter. Und dieses Recht sei durch den damaligen Amtsgerichtspräsident François Scheidegger (heute Stadtpräsident von Grenchen), der die Verhandlung vor Amtsgericht leitete, nicht erfüllt gewesen. Er sei durch den Wahlkampf befangen gewesen. „Scheidegger darf es sich mit dem Wahlerfolg nicht verscherzen", so Walder. Er ist sich sicher: In Grenchen hätte es einen Aufschrei gegeben, wenn Ruth S. eine milde Strafe bekommen hätte.

Scheidegger hätte sich schon damals die Frage stellen müssen, welche Folge ein Urteil auf seine Chance auf das Stadtpräsidium haben könnte. „Scheidegger hatte stets seine Wahlchancen in den Augen. Er musste zeigen, dass er der Mann ist, der law and order verpflichtet ist." Deshalb habe er Ruth S. besonders hart beurteilt. Der ganze Prozess sei vor allem eine Plattform für Scheidegger gewesen.  „Scheidegger wäre nie Stadtpräsident geworden, wenn er ein anderes Urteil gefällt hätte." Er hätte von sich aus darauf verzichten müssen, den Prozess zu führen, so Walder. Scheidegger solle deshalb vor Gericht eine Stellungnahme abgeben, fordert er. Dann solle über den Antrag entschieden werden.

8.33 Uhr: Guido S. betritt als erster - begleitet durch Polizisten und mit Fussfesseln und Handschellen - den Saal. Ihm folgen Patric S. (ebenfalls mit Fesseln) und Ruth S.. Sie setzen sich in die erste Reihe neben ihre Verteidiger.

Oberrichter Hans-Peter Marti stellt die Anwesenden vor und weshalb die Verhandlung stattfindet: Alle drei Verurteilten hätten das Urteil "lebenslänglich" weitergezogen. Guido. S. will höchstens eine Strafe von 18 Jahren. Patric S. fordert eine angemessenen Freiheitsstrafe und Ruth S. fechtet das Urteil vollumfänglich an. Zudem will sie das beschlagnahmte Geld zurück.

Die Staatsanwaltschaft habe auf eine Berufung verzichtet, so Marti.

Es tickert für Sie: Lea Durrer

Die Verhandlung im Solothurner Amthaus dauert bis Freitag. Das Urteil soll am Montag, 27. Januar, eröffnet werden.