Schlüssel vergessen
Keine Weiterfahrt: Poller stoppt Spitalauto im Rettungseinsatz

Am Samstagabend sollte ein Rettungswagen zum «Palais Besenval» in der Solothurner Altstadt ausrücken. Zuerst scheiterte er aber an den hochgefahrenen Pollern vor dem «Solheure». Warum passiert so etwas?

Lucien Fluri
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An diesem Poller vor dem «Solheure» scheiterte am Samstag ein Ambulanzfahrzeug. (Archiv)

An diesem Poller vor dem «Solheure» scheiterte am Samstag ein Ambulanzfahrzeug. (Archiv)

SZ

Das Wetter war gut und die Lokale am Solothurner Aarequai voll, als die Alarmzentrale der Solothurner Spitäler am Samstag um 21.45 Uhr einen Notruf aus dem «Palais Besenval» erhielt. Ein Gast des Restaurants war ohnmächtig geworden. Zwar rückte unverzüglich, nämlich bereits um 21.49 Uhr, eine Ambulanz der Solothurner Spitäler mit Blaulicht und Signalhorn in Richtung Klosterplatz aus. Doch bald endete ihre Fahrt zuerst einmal unfreiwillig bei den hochgefahrenen Pollern vor dem «Solheure». Die Rettungsequipe kam nicht weiter. Schliesslich musste sie wenden und über die Route Baseltor-Kronenstutz an den Einsatzort fahren.

Der Vorfall blieb am Sommerabend nicht unbeobachtet: «Wissen die Rettungssanitäter nichts von den Pollern? Und warum haben sie keinen Schlüssel dafür?», fragten sich Passanten.

Neues Fahrzeug ohne Schlüssel

Sanitäter haben rund 30 spezielle Schlüssel dabei

Ob Poller in der Solothurner Altstadt, Bahnzugänge oder spezielle Autobahntore: Rettungssanitäter brauchen für ihre Einsätze Zugänge, die gewöhnlichen Autofahrern verwehrt bleiben. Insgesamt sind laut Auskunft der Solothurner Spitäler rund 30 verschiedene Schlüssel in einem Rettungsfahrzeug. Sie werden in einer speziellen Mappe im Fahrzeug aufbewahrt.

Bei dringenden Einsätzen mit Blaulicht und Signal darf das Spitalauto auch über die Solothurner Fussgängerbrücke oder die allgemein gesperrte Wengibrücke fahren. 20 Prozent über der ordentlichen Höchstgeschwindigkeit dürfen Ambulanzen im Einsatz fahren. Innerorts sind das 60 km/h. (lfh)

«In diesem Fall ist die Rettungsequipe jedoch mit einem neuen Fahrzeug ausgerückt, in welchen unglücklicherweise der Schlüssel noch nicht dort versorgt werden konnte, wo er in den anderen Rettungswagen platziert ist, da die dafür notwendige Mappe noch nicht geliefert war.» Den Rettungssanitäter wurde dies bewusst, als sie vor den Pollern zu suchen begannen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich auch schon eine Mitarbeiterin des «Palais Besenval» beim Spitalauto und machte die Besatzung auf die Strecke Baseltor-Kronenstutz aufmerksam. Die Frau hatte die Ambulanz auf der Rötibrücke gesehen und war erstaunt, warum diese noch nicht angekommen war. Sie ist überzeugt: Die Ankunft der Ambulanz hat sich durch den Vorfall verzögert.

Die Solothurner Spitäler dementieren, dass der Hinweis über den genauen Weg nötig gewesen wäre. «Dass der Rettungswagen erst auf Anweisung der Palais-Besenval-Mitarbeiterin den Weg durchs Baseltor gewählt hat, stimmt so nicht.» Die Rettungssanitäter hätten die Alternativroute selbst gekannt. «Selbstverständlich» müssten alle Rettungssanitäter hohe Ansprüche an Ortskenntnisse erfüllen. soH-Mediensprecher Eric Send betont: Neun Minuten nach Eingang des Notrufs sei das Fahrzeug vor Ort gewesen. «Der Vorfall blieb ohne Auswirkungen für den Patienten», so Send. «Der Vorfall vor den Pollern hat die Fahrt um ungefähr eine Minute verzögert.»

Aufzeichnungen liegen vor

Die genaue Dauer von neun Minuten können die Spitäler relativ einfach nachverfolgen: Die Fahrten werden aufgezeichnet. Auch der Alarmanruf muss in der Notfallzentralle gespeichert werden.

Für den Rettungsdienst am Bürgerspital gilt die Devise 90/15. Konkret heisst dies: In 90 Prozent der Fälle muss der Rettungswagen innert 15 Minuten vor Ort sein. Diese Regel wird, so Send, «über dem geforderten Mass erfüllt». «Bei 5000 Einsätzen jährlich kann es aber durchaus einmal passieren, dass eine Rettungsequipe vielleicht einmal in die falsche Strasse abbiegt oder im Fahrzeug kein Schlüssel für den Poller bereit liegt.» Solche Fehler würden analysiert. Immer wieder erforderten auch nicht gemeldete Hindernisse wie Strassensperrungen «ein spontanes Handeln». Für Vertrauen unter all den Zuschauern am Samstagabend dürfte der Einsatz trotzdem nicht gesorgt haben.