Amtsgericht
Keine Verwahrung: Sexualstraftäter William W. könnte in sechs Monaten freikommen

Das Amtsgericht Olten-Gösgen verurteilt William W. zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten unbedingt. Der Wiederholungstäter wird nicht verwahrt. Dazu fehlt laut Amtsgericht Olten-Gösgen die gesetzliche Grundlage.

Philipp Kissling
Drucken
Teilen
William W. am 3.Dezember 2020 vor dem Amtsgericht.

William W. am 3.Dezember 2020 vor dem Amtsgericht.

Bruno Kissling

William W. wird nicht verwahrt. Dazu fehlt laut Amtsgericht Olten-Gösgen die gesetzliche Grundlage, wie Gerichtsschreiber Armin Bertrand am Mittwoch auf Anfrage erklärte. Die Taten, deren sich der 47-jährige Wiederholungstäter Anfang Dezember vor Gericht verantworten musste, seien zu wenig schlimm, um eine Verwahrung zu rechtfertigen, um es salopp zu formulieren. Das Gericht spricht W. in einigen Punkten schuldig, aber nicht in allen, und verhängt eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten unbedingt.

Seit seiner Verhaftung im Dezember 2018 sind schon zwei Jahre vergangen, das heisst, er könnte bereits im Frühsommer 2021 auf freien Fuss kommen. Allerdings kann die Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von 78 Monate plus die anschliessende Verwahrung gefordert hatte, das Urteil an das Obergericht weiterziehen.

Eine lange Serie einschlägiger Delikten

William W. gilt aufgrund von Gutachten als hoffnungsloser Hochrisikofall, die Prognosen sind schlecht, und es wird befürchtet, dass er sich wieder an Kindern vergreift, wenn er aus dem Gefängnis kommt. Ein erstes Urteil wegen Sexualstraftaten geht auf die 1990er-Jahre zurück. 2006 dann vergewaltigte er ein achtjähriges Mädchen und kassierte eine mehrjährige Freiheitsstrafe – aber keine Verwahrung.

Nach der Entlassung wurde er erneut rückfällig im Zeitraum Juli bis Dezember 2018. Im Rahmen von Hochzeitsvorbereitungen soll W. zwei Brüder im Alter von 5 und 7 Jahren misshandelt und sich später an einem der beiden Buben abermals vergriffen haben. Erst als er im Dezember 2018 einen Zehnjährigen in sein Restaurant gelockt und sich auch an ihm vergangen hatte, flog er auf.

Ans Licht kamen danach noch andere Delikte, unter anderem sexuelle Belästigung jugendlicher Mädchen und der Konsum von Kinder- und Tierpornografie. Einzig bei letzterem Vorwurf zeigt sich W. geständig und reuig.

In einzelnen Punkten freigesprochen

Die Misshandlung der Buben anlässlich der Hochzeitsvorbereitungen beurteilt das Gericht als nicht nachweisbar, weshalb es W. diesbezüglich freispricht. Ebenfalls einen Freispruch gibt es für einen versuchten, aber abgewehrten Kuss an einer 14-Jährigen. Für die restlichen Anklagepunkte kassiert W. einen Schuldspruch und eine Strafe von 30 Monaten Gefängnis unbedingt sowie eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 10 Franken und eine Busse von 200 Franken.

Der Teil der Volksseele, die kocht und den Wiederholungstäter William W. am liebsten für immer weggesperrt sehen würde, dürfte sich mit dem Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen kaum abkühlen. Um eine Verwahrung rechtfertigen zu können, hätten die Misshandlungen aber schlimmer ausfallen müssen, deutlich schlimmer, begründet das Gericht. So verwerflich die Übergriffe auf die Kinder auch seien, Körperverletzungen habe es nicht gegeben und die Taten seien nicht so massiv ausgefallen, dass eine schwere Beeinträchtigung der psychischen und physischen Integrität der Kinder die Folge gewesen wäre.

Vorstrafen bei der Beurteilung unerheblich

Die früheren Straftaten von William W. spielten bei der Beurteilung einer möglichen Verwahrung keine Rolle, ja, sie durften keine Rolle spielen. Zum Zeitpunkt der Straftaten, also 2018, seien keine Reststrafen aus der Vergangenheit vorhanden gewesen. Wohl habe es eine ambulante Behandlung gegeben, aus dieser Situation heraus eine Verwahrung zu beantragen, sei aber nicht vorgesehen. Die Prognose für William W. sei zwar schlecht, das allein könne aber nicht dazu führen, dass die Delikte automatisch schwer genug für eine Verwahrung wiegen würden. Die gesetzliche Grundlage für die Verwahrung, so das Amtsgericht, lasse sich nicht herbeizaubern.

Zusätzlich zu den erwähnten Strafen belegt das Gericht William W. mit einem lebenslänglichen Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen und überdies mit einem fünfjährigen Kontakt- und Rayonverbot zu Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahre. Zu Orten, an denen mit deren Anwesenheit gerechnet werden muss, hat W. demnach mindestens 50 Meter Abstand zu halten. Die Kontrolle liegt in der Verantwortung der Vollzugsbehörde, die innerhalb der ebenfalls verhängten lebenslänglichen Bewährungshilfe beispielsweise das Tragen einer Fussfessel anordnen kann.

Staatsanwaltschaft will den Fall weiterziehen

Die Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von 78 Monate plus die anschliessende Verwahrung gefordert hatte, nahm «mit Bedauern» Kenntnis vom Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen. Insbesondere mit dem Umstand, dass William W. nicht verwahrt werden soll, sei man nicht einverstanden, erklärte Andrea Thomann von der Medienstelle der Staatsanwaltschaft.

Weiter wollte sie sich nicht äussern zum Urteil, weil es noch nicht schriftlich vorliege, sicher sei aber, dass man den Fall an das Obergericht weiterziehe.

Aktuelle Nachrichten