Abstimmung
«Keine Rede von einem Abschussgesetz»: Befürworter des Jagdgesetzes legen sich ins Zeug

Das neue Jagdgesetz ist heiss umstritten, auch im Kanton Solothurn. Zwei mit prominenten Vertretern aus ganz unterschiedlichen Lagern besetzte Komitees engagieren sich Pro und Kontra. Am Mittwoch traten die Befürworter an die Öffentlichkeit.

Urs Moser
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Für die einen ist es ein «missratenes Abschussgesetz», für die anderen eine fortschrittliche Vorlage, die «Sicherheit für Tiere, Landschaften und Menschen bringt». Das revidierte (eidgenössische) Jagdgesetz ist eine hoch umstrittene, Emotionen weckende Vorlage, weil es unter bestimmten Voraussetzungen auch den Abschuss geschützter Tierarten erlaubt. Entschieden wird der Ausgang nicht im Wallis oder im Bündnerland, wo eine potenzielle Bedrohung durch wachsende Wolfsbestände oder gar den Bären (noch) realer ist als im Flachland, wo das Gesetz unter anderem eine bessere staatliche Vergütung von Biberschäden bringt. So legen sich im Mittelland prominent besetzte regionale Komitees auf beiden Seiten ins Zeug, auch im Kanton Solothurn.

Am Mittwoch präsentierte sich das kantonale Pro-Komitee an einer Medienkonferenz. Angesagt, aber verhindert war etwa CVP-Ständerat Primin Bischof. Ins Zeug legten sich dafür SVP-Nationalrat Christian Imark, der Präsident der freisinnigen Kantonsratsfraktion Peter Hodel, der Präsident von Revierjagd Solothurn Kurt Altermatt, der Präsident des Bauernverbands Andreas Vögtli und Kantonsrat Edgar Kupper als Bischofs Stellvertreter. Eine geballte Ladung also, der allerdings nicht minder gewichtige Stimmen auf der Gegnerseite gegenüberstehen. Von Peter Hodels Feststellung, man könne gar nicht anders als vorbehaltlos zustimmen, wenn man die Vorlage wirklich liest und sich an die Fakten hält, dürfte sich zum Beispiel dessen Parteifreund, Nationalrat und Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri wenig geschmeichelt fühlen. Das könnte noch zu einem spannenden Schlagabtausch an der FDP-Delegiertenversammlung am 26. August führen.

Keine Rede von «Abschuss auf Vorrat»

Was manche Tierschützer als gefährlichen Freibrief betrachten, ist für Peter Hodel gerade eines der wichtigen Pro-Argumente für das Jagdgesetz. Es definiere klare Spielregeln zur Bestandsregulierung von geschützten Arten, aber die Kantone bräuchten dabei eigene Entscheidungskompetenzen, um umgehend reagieren zu können, wenn Grossraubtiere erheblichen Schaden anrichten.

Dass sie das ohne regulierendes Eingreifen über kurz oder lang auch im Siedlungsgebiet des Mittellandes tun würden, steht für Christian Imark ausser Frage. Der Wolf verliere zunehmend die Scheu vor dem Menschen und komme immer näher an die Siedlungen heran und suche zum Teil schon in bewohnten Gebieten nach Nahrung. «Das ist für die Menschen, die dort leben, nicht mehr tragbar», so der SVP-Nationalrat. Wobei das Gesetz aber klare Regeln für das Erlegen geschützter Arten setze, von einem «Abschuss auf Vorrat», wie es von der Gegnerseite heisst, könne da keine Rede sein. CVP-Vertreter Edgar Kupper spricht von einem «Gesetz mit Augenmass», das auf die wachsenden Wildtierbestände reagiere, ohne sie dabei im geringsten zu gefährden, sondern im Gegenteil den Natur- und Tierschutz stärke.

Herdenschutz mit Hunden nicht möglich

Einer, der unmittelbar von einer Ausbreitung des Wolfs in hiesigen Regionen betroffen wäre, ist Andreas Vögtli, denn der Präsident des Solothurner Bauernverbands ist Schafhalter. Vögtli erklärt: «Mit unserer Schafhaltung wäre unser Betrieb direkt betroffen. Die Ausbreitung des Wolfs in unserer Gegend würde die Art der Weidehaltung, wo die Schafe auf einzelne kleinere Gruppen aufgeteilt sind, total verunmöglichen.» Denn: «Ein Herdenschutz mit Hunden wäre nicht umsetzbar», so Vögtli. Deshalb ist für ihn klar: Dass Landwirte ihre Tiere schützen wollen, ist ihr legitimes Interesse. Und damit sich die Schäden und das Leid für die Nutztiere in Grenzen halten, brauche es eine vernünftige Regulierung.

Und was sagen eigentlich diejenigen, denen das Jagdgesetz dem Namen nach ja hauptsächlich gewidmet ist? Nachhaltigkeit, Tierschutz und Tiergesundheit seien Leitlinien aller Jägerinnen und Jäger, diese moderne Jagdauffassung werde auch in der Ausbildung vermittelt, betont Kurt Altermatt, Präsident von Revierjagd Solothurn. Und er stellt klar: Die Jäger hätten überhaupt kein Interesse daran, quasi ihr Beutespektrum zu erweitern. Bei der Bestandsregulierung gelte es klar zwischen jagdbaren und geschützten Arten zu unterscheiden. Bei den geschützten Arten bleibe die Verantwortung dafür mit dem neuen Jagdgesetz bei den kantonalen Stellen. «Die Solothurner Jäger werden nie einen Bären, Wolf, Biber oder Höckerschwan schiessen», so Altermatt.

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