Arbeitslosigkeit
Keine Panik auf dem Solothurner Arbeitsmarkt

Die Zahl der Menschen ohne Arbeit ist im Juli im Kanton nur wenig gestiegen und es gibt mehrere Zeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft. Die Situation für die im Solothurnischen stark vertretene Exportindustrie ist aber immer noch schwierig.

Franz Schaible
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Wie üblich in den Sommermonaten haben sich im Juli mehr Schul- und Lehrabgänger bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet.

Wie üblich in den Sommermonaten haben sich im Juli mehr Schul- und Lehrabgänger bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet.

Hanspeter Bärtschi

«Der Arbeitsmarkt im Kanton Solothurn bleibt grundsätzlich in guter Verfassung.» So kommentiert Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA), die aktuellsten Zahlen zur Arbeitslosigkeit. So waren Ende Juli 3673 Männer und Frauen ohne Arbeit registriert. Das sind 22 Betroffene mehr als im Vormonat. Trotz der schwachen Veränderung stieg die Arbeitslosenquote, gemessen an der Zahl der Erwerbspersonen, von 2,5 auf 2,6 Prozent. Die Zahl der Stellensuchenden erhöhte sich um 34 Personen auf 5903. Dort verharrte die Quote bei 4,1 Prozent.

Mehr Jugendliche betroffen

Für die minime Verschlechterung macht Motschi in erster Linie saisonale Gründe geltend. «Wie üblich in den Sommermonaten Juli und August nimmt die Zahl der Anmeldungen von Schul- und Lehrabgängern bei der Arbeitslosenversicherung jeweils zu.» Das zeigt sich bei der Aufschlüsselung nach Altersklassen. So nahm allein die Zahl der Stellensuchenden unter 20 Jahren um 60 auf 338 Betroffene zu, die entsprechende Stellensuchendenquote erhöhte sich von 3,4 auf 4,3 Prozent. Auch landesweit wirkt sich dieses Phänomen aus. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen stieg die Arbeitslosenquote deutlich überproportional an.

Ohne diesen saisonalen Effekt hätte sich die Situation auf dem Solothurner Arbeitsmarkt nicht verschlechtert, folgert Jonas Motschi. Trotzdem sei nicht alles in Butter, weil sich Angebot und Nachfrage nicht immer finden. Einerseits sei es nach wie vor für die Unternehmen schwierig, geeignete Fachkräfte zu finden. Andererseits existiere eine Sockelarbeitslosigkeit von 2 bis 2,5 Prozent. Für die darunter fallenden Männer und Frauen ohne Job sei es unverändert schwierig, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. «Das ist nicht gut, aber kaum zu ändern. Denn die Zahl der eher wenig qualifizierten Arbeitsplätze nimmt stetig ab.»

Im Gegenteil. Die Anforderungen stiegen über alle Berufsfelder hinweg stetig an. Hinzu kommt, dass monatlich rund 100 Arbeitslose ausgesteuert werden. Das sind jene Betroffene, deren Anspruch auf Arbeitslosengelder nach Ablauf der zweijährigen Rahmenfrist erloschen ist. Die aktuellsten Zahlen vermeldet das AWA für den Monat Mai. Damals waren es 116 Ausgesteuerte. Deshalb erwartet Motschi nicht, dass sich die aktuelle Lage mit einer Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent kurzfristig deutlich verbessern werde. Zur Erinnerung. Selbst am Höhepunkt der letzten Wirtschaftsboomphase, im Juni 2008, sank die Solothurner Arbeitslosenquote nicht unter 2 Prozent.

Stabilisierung ist wahrscheinlich

Gleichzeitig sieht Motschi mehrere Indizien, die für eine Stabilisierung sprechen. So habe sich der Anteil der Zwischenverdienenden an den Stellensuchenden im Juli weiter auf 22,2 Prozent erhöht. Im Februar lag dieser noch bei 17 Prozent. «Das zeigt, dass auf dem Arbeitsmarkt Personal gesucht wird, zumindest temporär.» Ferner nähmen die Gesuche zur Einführung von Kurzarbeit tendenziell ab, und zwar auf bereits tiefem Niveau.

Auch von der Konjunkturfront in Deutschland und in den USA gebe es eher positive Signale. Das sei insbesondere wichtig für die im Solothurnischen stark vertretene Exportindustrie. Die beiden Länder sind die wichtigsten Exportmärkte für die Schweizer Wirtschaft. Weitere Impulse erwartet Motschi zudem von China, insbesondere dank dem im Sommer abgeschlossenen Freihandelsabkommen.

Allerdings zeigten Gespräche mit hiesigen Unternehmern auch, dass die Exportsituation nach wie vor schwierig sei. «Insbesondere der Druck auf die Margen, ausgelöst durch den Wechselkurs, ist vorhanden», berichtet Motschi weiter. Dagegen habe er keine Kenntnis über einen allfälligen Stellenabbau in grösserem Stil.

Ende Jahr unter drei Prozent

Basierend auf dieser Auslegeordnung erwartet der AWA-Chef Ende 2013 mit 2,8 bis 2,9 Prozent eine leicht höhere Arbeitslosenquote als aktuell. «Aus heutiger Sicht sollte die Quote die Drei-Prozent-Marke nicht überschreiten.»