Kanton Solothurn
Keine längeren Öffnungszeiten - ist das gut für die kleinen Geschäfte?

Die Solothurner haben längere Ladenöffnungszeiten bis 20 Uhr abgelehnt. Auch künftig ist somit wochentags um 18.30 Uhr Ladenschluss. Ist das nun gut für die kleinen Geschäfte oder nicht?

Lucien Fluri
Drucken
Teilen
Die Solothurner wollen keine längeren Öffnungszeiten (Symbolbild)

Die Solothurner wollen keine längeren Öffnungszeiten (Symbolbild)

Keystone

Nein, mit einem so deutlichen Resultat hatte Gewerbeverbandspräsidentin Marianne Meister nicht gerechnet. Die FDP-Kantonsrätin und Inhaberin eines Denner-Satelliten hatte in den letzten Wochen dafür gekämpft, dass die Solothurner Läden wochentags künftig bis 20 Uhr offen bleiben dürfen. Doch davon wollten die Solothurner gestern nichts wissen. Rund zwei Drittel (65,9 Prozent) der Stimmenden sprachen sich für die bisherigen Öffnungszeiten bis 18.30 Uhr wochentags (mit einem Abendverkauf) aus. Die ebenfalls zur Diskussion stehende Variante mit längeren Öffnungszeiten bis 20 Uhr wochentags lehnten 56,37 Prozent ab.

Für Marianne Meister kommt die deutliche Absage überraschend. «Die Gewinner sind Tankstellenshops, Läden an Bahnhöfen und Geschäfte in angrenzenden Kantonen», so Meister. «Solothurn bleibt eine Insel mit einer starken Regulierung.»

Freude herrscht dagegen bei SP, Grünen und CVP, die sich gegen längere Ladenöffnungszeiten ausgesprochen hatten. «Die Solothurner haben vernünftig abgestimmt. Von längeren Öffnungszeiten hätten nur die Grossen profitiert», so Markus Baumann, Gewerkschafter und SP-Kantonsrat. Verlierer wäre in seinen Augen das Verkaufspersonal gewesen. «Das Stimmvolk drückt sich klar aus, dass dem Verkaufspersonal nicht immer mehr zugemutet werden kann.» Für Baumann zeigt das Resultat deutlich: Längere Öffnungszeiten entsprechen «keinem Bedürfnis der Bevölkerung».

«Kein Druck auf die Kleinen»

Die SP ist davon überzeugt, dass durch eine Liberalisierung der Öffnungszeiten der Druck auf das Verkaufspersonal gestiegen «und das Lädelisterben weitergegangen wäre», wie sie in einer Mitteilung schrieb. Und auch die CVP zeigte sich gestern überzeugt, dass gerade kleine Geschäfte bei ausgeweiteten Öffnungszeiten gegenüber den Grossverteilern noch mehr unter Druck gekommen wären. «Namentlich deren Inhaber, aber auch die Angestellten wären in vielen Fällen gezwungen worden, ihre Arbeitszeiten auszuweiten, ohne dass dadurch der Umsatz hätte gesteigert werden können.»

Dürfen sich die kleinen Läden also über die Abstimmung freuen? Marianne Meister glaubt das nicht. Für sie ist klar: Gestern ist den Solothurner Läden die Chance genommen worden, «sich an die veränderten Konsumverhalten anzupassen. Es ist eine Illusion, zu glauben, wir könnten die heile Welt bewahren. Die Leute sind mobil.» Für Meister ist klar: «Das Lädelisterben wird nicht mit einer starren Regulierung aufgehalten. Die Gründe dafür sind viel komplexer.» Für die Gewerbeverbandspräsidentin ist klar: «Das Abstimmungsverhalten und das Einkaufsverhalten der Solothurner stimmen nicht überein.»

Die Gewerbeverbandspräsidentin wirft den Gegnern vor, Angstmache betrieben zu haben, als sie vor schlechteren Arbeitsbedingungen für Verkäuferinnen warnten – denn schliesslich hätte sich die Arbeitszeit der Verkäuferinnen pro Woche nicht geändert, sondern nur der Zeitpunkt, wann sie arbeiten. Allerdings gibt Meister auch Fehler in den eigenen Reihen zu: «Der Gewerbeverband hat es nicht geschafft, die eigenen Reihen zu schliessen», spricht Meister den Umstand an, dass sich beispielsweise die Drogisten gegen längere Öffnungszeiten ausgesprochen haben. «Viele haben an ihre eigene Situation gedacht», so Meister.

Bezirk Dorneck schert aus

Erstaunlich ist beim Blick über den Kanton Solothurn: Alle Bezirke lehnten längere Öffnungszeiten ab – mit einer einzigen Ausnahme: Das nach Basel orientierte Dorneck. Dort fand sich nämlich gleich in allen elf Gemeinden eine Mehrheit für längere Öffnungszeiten. Für Marianne Meister und Markus Baumann ist klar: Der Konkurrenzdruck, gerade aus dem grenznahen Ausland, aber auch die längeren Öffnungszeiten in Basel sind im Dorneck besonders spürbar. Diesseits des Berges, so Meister, hätten viele aber nicht realisiert, «wie hoch der Druck auf den Detailhandel ist». Allerdings: Nicht einmal in den Zentren, wo die Ladendichte hoch ist, fanden längere Öffnungszeiten die Gnade des Stimmvolks: Sowohl Olten als auch Solothurn und Grenchen lehnten die längeren Öffnungszeiten ab.

Ausser den elf Dornecker Gemeinden stimmten unter den 109 Solothurner Gemeinden nur Balm bei Günsberg, Feldbrunnen, Kammersrohr, Schnottwil, Lohn-Ammannsegg, Nunningen, Himmelried und Breitenbach für längere Öffnungszeiten. Vielleicht müssen die Solothurner bald wieder über längere Öffnungszeiten abstimmen. Denn in Bern diskutiert das Parlament über schweizweit einheitliche Ladenöffnungszeiten von 6 bis 20 Uhr wochentags.

Aktuelle Nachrichten