Kanton Solothurn
Keine Knete für Kunst in der Krise: Drei Stimmen aus dem Kanton Solothurn

Künstlerinnen und Künstler im Kanton Solothurn haben Mühe, in der Coronakrise über die Runde zu kommen. Daniel Gaemperle, Thomas Woodtli und Claude Barbey erzählen ihre Geschichte.

Rebekka Balzarini
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Daniel Gaemperle, Thomas Woodtli und Claude Barbey.

Daniel Gaemperle, Thomas Woodtli und Claude Barbey.

ken/tom/om

Nun sind sie für die nächste Zukunft erneut wieder geschlossen: die Theater, die Museen und die Kunstausstellungen. Zum zweiten Mal treffen die Schutzmassnahmen damit die Kulturschaffenden, die in den letzten Monaten bereits gelitten haben. Die Kulturschaffenden im Bereich der bildenden Kunst mussten im Frühling bereits Ausstellungen verschieben oder absagen.

Auch nachdem die Schutzmassnahmen im Frühsommer vorübergehend wieder gelockert worden waren, lösten sich die Probleme der Künstlerinnen und Künstler nicht wie von selbst in Luft auf. Denn in Zeiten, in denen viele Menschen schlicht existenzielle Angst um ihre Stelle und ihre Zukunft haben, wägen sie ihre Ausgaben noch sorgfältiger ab als sonst schon. Viele verzichten da schnell darauf, Geld in ein neues Bild oder eine neue Skulptur zu investieren.

Viele Besucher, aber keine Verkäufe

Einen neuen Alltag erlebte in diesem Jahr etwa der Maler Daniel Gaemperle aus Kleinlützel. «Ich musste Kurse und Ausstellungen absagen, rund sechs Monate war tote Hose», erinnert er sich. In der Zeit sei er meistens daheim gewesen. «Psychische Probleme hatte ich deswegen aber keine, ich bin eh oft allein im Atelier. Für die Kreativität ist das gar nicht so schlecht.».

Und doch habe sich die Krise ausgewirkt, und zwar finanziell, erzählt Gaemperle: «Ich habe noch nie so wenig Bilder verkauft wie in diesem Jahr.» Seit 48 Jahren führe er Ausstellungen durch, und noch nie habe er, so wie in diesem Jahr, nur ein einziges Bild Verkauf. Und er sei nicht der Einzige, der diese Erfahrung gemacht habe. Zwar sei das Interesse an Kunst momentan gross, so der Maler. Als Vorstandsmitglied des Verbandes Visarte Jura organisierte er im September und Oktober eine Ausstellung, die gut besucht gewesen sei. Und das trotz Maskenpflicht und fehlendem Apero. «Ich habe ausserdem gemerkt, dass die Leute sich mehr auf die Ausstellung konzentriert haben, das war faszinierend», erzählt er.

Aber trotz dieses «Kulturhungers», den er festgestellte habe, gab es keine Verkäufe. Finanziell komme er zurecht, so Gaemperle. «Ich brauche nicht mehr so viel Geld, für jüngere Leute mit Kindern ist die Situation aber extrem schwierig.» Finanzielle Hilfe habe er keine beantragt: «Ich habe die Papiere runtergeladen und gelesen, was ich alles machen muss. Da habe ich die Idee wieder verworfen», erzählt er. «Ich male lieber, als Papierkram auszufüllen.»

Kanton soll mehr Geld in Kunstankäufe stecken

Auch Künstler Thomas Woodtli aus Witterswil macht diese Erfahrungen. Er ist ehemaliger Kantonsrat zusätzlich Präsident des Fachausschuss Bildende Kunst und Architektur am Kantonalen Kuratorium. «Die Galerien haben Schwierigkeiten, Kunstwerke zu verkaufen», erzählt Woodtli. Das treffe vor allem ältere Kunstschaffende, die von der AHV leben und keine Beiträge aus der Pensionskasse erhalten. «Sie wären darauf angewiesen, etwas verkaufen zu können», so Woodtli.

Der Fachausschuss des kantonalen Kuratoriums habe deshalb an die Regierung den Antrag gestellt, einen Ankaufskredit von 200'000 Franken zu bewilligen an Stelle von normal 150'000. Das Geld soll dafür eingesetzt werden, Kunstwerke von kantonalen Künstlern zu kaufen und in öffentlichen Gebäuden aufzuhängen oder aufzustellen. Der Entscheid der Regierung dazu stehe noch aus.

Projekt-Umsetzung wird erschwert

Persönlich sei er von der aktuellen Krise finanziell nicht betroffen, weil er an einem grossen Kunst-am-Bau-Projekt arbeite. Corona sei eher deshalb eine Herausforderung, weil die Umsetzung seines Projektes dadurch erschwert sei. «Die Zulieferkette ist teilweise unterbrochen, und ich bin bei dem Projekt auf viele Leute angewiesen, die Dinge für mich herstellen». Für zwei Ausstellungen in Basel und Biel, die im Frühling abgesagt wurden, habe er Erwerbsersatzentschädigung beantragt. «Ich fand das extrem unkompliziert, und habe die Hilfe auch schnell erhalten», erinnert er sich.

Problematisch sei am Erwerbsersatz für Künstler, dass der Betrag anhand der Steuererklärung berechnet werde. «Als Künstler verdient man nicht viel, da sind die Beiträge eher ein Tropfen auf dem heissen Stein», so Woodtli. Viele Künstler würden damit im Monat nur 800 oder 900 Franken erhalten. «Wenn man damit ein Atelier und die Krankenkasse bezahlen muss, dann landet man schnell in der Sozialhilfe.» Beim Kanton habe er keine Hilfe beantragt. Von anderen Kulturschaffenden habe er gehört, dass er relativ lange gedauert habe, bis die Hilfe eingetroffen sei.

Gemeinden sollen wieder in Kunst investieren

Claude Barbey, Präsident des Berufsverbandes für visuelle Kunst Visarte Solothurn, kennt die schwierige Situation der Künstlerinnen und Künstler. Auch die Mitglieder seines Verbandes machen die Erfahrung, dass es aktuell schwer sei, alleine mit der Kunst genügend Geld zu verdienen. Viele seien auf Nebeneinkommen angewiesen.

Die Beiträge des Kantons seien zwar eine wichtige Hilfe, so Barbey, aber er hätte noch einen anderen Vorschlag: «Statt Hilfsgelder zu zahlen, könnte der Kanton vermehrt dafür sorgen, dass regionale Künstler bei Bauprojekten berücksichtigt werden und sich so ein Einkommen sichern können», so Barbey. Früher sei es üblich gewesen, dass Gemeinden und Kanton bei neuen Gebäuden oder Umbauten Aufträge an regionale Künstler vergeben hätten. In den letzten Jahren habe dieses Engagement aber vor allem in den Gemeinden abgenommen.

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