Bestattung
Keine kantonale Weisung für schickliches Begräbnis für Muslime

Die Solothurner Regierung will muslimische Grabfelder nicht fördern. Das Friedhofswesen sei einzig und allein Sache der Gemeinden.

Lucien Fluri
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Blick auf das nach Mekka ausgerichtete muslimische Gräberfeld auf dem Friedhof Meisenhard in Olten, das aktuell mit 10 von möglichen 45 Gräbern belegt ist. Olten bietet als eine der ganz wenigen Gemeinden Muslimen diese Möglichkeit.

Blick auf das nach Mekka ausgerichtete muslimische Gräberfeld auf dem Friedhof Meisenhard in Olten, das aktuell mit 10 von möglichen 45 Gräbern belegt ist. Olten bietet als eine der ganz wenigen Gemeinden Muslimen diese Möglichkeit.

Bruno Kissling

Sie ist in der Partei, die das christliche C hochhält. Doch das hindert CVP-Kantonsrätin Susan von Sury (Feldbrunnen-St. Niklaus) nicht, sich für Muslime einzusetzen. In einer Interpellation wollte von Sury vom Regierungsrat wissen, was dieser zu tun gedenkt, um Muslimen ein würdiges Begräbnis in der Schweiz zu ermöglichen. Bereits rund sieben Prozent der Solothurner Bevölkerung seien Muslime, so von Sury. «Ein schickliches Begräbnis ist gemäss unserer Verfassung ein Recht jedes Bürgers unabhängig von der Religionszugehörigkeit», stellt die CVP-Politikerin klar.

Gemeinden wüssten oft nicht, wie mit muslimischen Sonderansprüchen, etwa dem «Blick nach Mekka» oder der «ewigen Grabesruhe», umzugehen sei. Aus Überforderung heraus «tendieren sie dann dazu, muslimische Sonderansprüche abzulehnen.» Muslimische Familien müssten deshalb Geld ausgeben, um die Verstorbenen in die Heimat zu überführen.

Gemeinden müssen nicht

Doch welche Frage von Sury auch immer gestellt hat – ob es um mögliche Lösungen über die Gemeindegrenzen hinweg oder ob es um die Anpassung von Vorschriften geht: Die Regierung betont immer nur: «Das Bestattungs- und Friedhofwesen fällt vollständig in den Bereich der Einwohnergemeinden.»

Man könne und dürfe nicht in die Gemeindeautonomie eingreifen. «Sollten in kommunalen Bestattungs- und Friedhofreglementen Bestimmungen enthalten sein, welche der Bestattungspraxis von Muslimen entgegenstehen, so müsste die jeweilige Einwohnergemeinde für sich entscheiden, ob diesbezügliche Kompromisse eingegangen werden sollen oder nicht.»

Auf kantonaler Ebene, so hält die Regierung fest, stünden keine Vorschriften den muslimischen Begräbnisritualen entgegen. Es gebe auf dieser Stufe nämlich nur wenige rudimentäre Bestimmungen zum Friedhofswesen: Die Einwohnergemeinden müssen so etwa eine würdige Bestattung und danach 20 Jahre Grabesruhe gewährleisten und für geeignete Bestattungsanlagen sorgen.