Amtsgericht

Keine Haft für Auftragsmord: 52-Jähriger bekommt zwei Jahre bedingt

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern kam mit dem Urteil dem Antrag der Verteidigung nach.

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern kam mit dem Urteil dem Antrag der Verteidigung nach.

Der Mann, der einem Dealer den Auftrag gab, seine Frau zu ermorden, muss nicht ins Gefängnis. Er wird zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft wird das Urteil wohl weiterziehen.

Gerhard P.* muss nicht ins Gefängnis, obwohl er 2005 einem Drogendealer 15 000 Franken bezahlt hatte, damit dieser die Ermordung seiner thailändischen Ehefrau organisierte. Das Amtsgericht Solothurn-Lebern fand den heute 52-jährigen Schweizer zwar der versuchten Anstiftung zum Mord und der Anstiftung zur versuchten Anstiftung zu Mord schuldig, blieb aber mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten sehr milde.

Einerseits beschrieb das Amtsgericht die Tat als skrupellos und hinterhältig und sprach von einem geplanten Eliminationsmord. «Gerhard P. hat auf heimtükischer Art und Weise heimlich Fotos und Bewegungsbilder seiner Ehefrau hergestellt und ausgehändigt», sagte Gerichtspräsident François Scheidegger am Dienstagvormittag in der Urteilsbegründung. «Er hat sich aus Feigheit vor einer schwierigen Situation gedrückt und wollte lieber seine Frau aus dem Weg schaffen, statt die Probleme anzupacken und auf legalem Weg zu lösen.»

Andererseits wurden dem geständigen und kooperativen Angeschuldigten alle nur erdenklichen Strafmilderungen zugestanden. Vor allem die Strafempfindlichkeit wurde vom Gericht aufgrund der speziellen Situation als extrem hoch eingestuft: «Er hat die Mutterrolle übernommen, die Frau arbeitet. Er ist die wichtigste Bezugsperson der Kinder.» So kam das Gericht bei einer rechnerischen Einsatzstrafe von zwölf Jahren am Ende herunter auf zwei Jahre, die zur Bewährung ausgesetzt werden.

Fall wohl vor Obergericht

«Ich sehe zwischen dem vom Gericht festgestellten Tatbestand und der Strafzumessung einen Widerspruch», kommentierte Staatsanwalt Jan Gutzwiller das Urteil. «Mord und die Anstiftung dazu gehören zu den schlimmsten Verbrechen überhaupt und ich habe grosse Mühe damit, dass es bei einer Strafe auf Bewährung bleiben soll.»

Der Staatsanwalt, der eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert hatte, liess bereits durchblicken, dass er den Fall wohl vom Obergericht nochmals beurteilen lassen will.

*Name von der Redaktion geändert

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1