Integration
Keine Extraklassen für Ausländer

Die Mehrheit des Kantonsrates will keine Klassen für Kinder schaffen, die schlecht Deutsch können.

Lucien Fluri
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Es soll keine Extraklassen für Kinder geschaffen werden, die schlecht Deutsch sprechen. (Symbolbild)

Es soll keine Extraklassen für Kinder geschaffen werden, die schlecht Deutsch sprechen. (Symbolbild)

Irene Hung-König

SVP-Kantonsrat Beat Künzli (Laupersdorf) hatte keine Chance, als er gestern die Schaffung von speziellen Klassen für Kinder, die schlecht Deutsch sprechen, forderte. Der Kantonsrat lehnte ihn mit 62 gegen 25 Stimmen – und zwei Enthaltungen – ab. «Die nötigen Instrumente liegen vor», hatte Bildungsdirektor Remo Ankli zuvor gesagt.

Und auch Tamara Mühlemann Vescovi (Zuchwil) wies als Sprecherin der CVP/EVP/GLP/BDP-Fraktion darauf hin, dass die Gemeinden autonom seien, separate Klassen zu führen. «Es funktioniert vor allem in grösseren Gemeinden.»

«In Randregionen ist dies schwieriger», sagte Initiant Künzli. Häufiger sei die Einschulung in die Regelklasse mit Intensivkursen in Deutsch. Es sei davon auszugehen, dass Kinder in die Klassen kommen, die aufgrund von Traumata und der fehlenden Sprachkenntnisse eine spezielle Betreuung benötigten, hatte Künzli im Vorstoss argumentiert. Der Unterricht der übrigen Kinder werde «massiv gestört und der Stoff kann nicht mehr vollumfänglich vermittelt werden.»

«Politik vom Hörensagen her», warf Franziska Roth (SP, Solothurn) dem Thaler SVP-Politiker vor. «Es gibt Probleme. Aber täglich wird an ihrer Lösung gearbeitet.» Und von «Problembewirtschaftung» sprach auch Barbara Wyss Flück (Grüne, Solothurn).

Trotz tatsächlich vorhandener Probleme würden mit dem Auftrag keine Lösungen aufgezeigt. Die Grünen würden die Situation nicht so rosig beurteilen wie die Regierung. Es seien mehr Mittel für die Integration der Schüler sowie Mischformen von Spezial- und Regelunterricht notwendig.

Urheber Künzli hatte in letzter Minute seinen Antrag noch geändert. Er strich den Passus, dass die Eltern der fremdsprachigen Kinder einen Teil der Kosten mittragen sollen. Dies wäre rechtlich ohnehin nicht durchsetzbar gewesen, hatte zuvor bereits die Diskussion in der Bildungskommission ergeben. – Die Volksschule ist obligatorisch und unentgeltlich.

Trotz der Abänderung blieb dem Auftrag der Erfolg versagt. Zuspruch erhielt Künzli von Johanna Bartholdi (FDP, Egerkingen). Sie forderte effizientere und kostengünstigere Möglichkeiten für die Integration ausländischer Kinder. Die Gesellschaft stelle immer mehr Mittel für die Schwächsten zur Verfügung, vernachlässige aber die Begabtenförderung.

Solange Asylsuchende in den kantonalen Durchgangszentren und noch nicht in den Gemeinden leben, werden die Kinder in Spezialklassen unterrichtet.

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