Es ist ein weiterer Meilenstein für die Sanierung des Weissensteintunnels, und er ist so gut wie erreicht: Gegen die Baupläne sind keine Einsprachen eingegangen, wie das Bundesamt für Verkehr (BAV) gestern auf Anfrage erklärte. Am Donnerstag endete die über zweimonatige Einsprachefrist. Weil der Poststempel vom 18. Januar gilt, könnten zwar bis Anfang nächster Woche noch weitere Einsprachen eingehen. Doch das gilt angesichts des breiten Zuspruchs für das Projekt als unwahrscheinlich.

Im eisenbahnrechtlichen Plangenehmigungsverfahren, so der Fachjargon, erteilt das BAV sämtliche nach Bundesrecht erforderlichen Bewilligungen. Es sind keine zusätzlichen kantonalen Bewilligungen erforderlich. Als Gesuchstellerin tritt die BLS Netz AG auf. Die Bahnlinie Solothurn–Moutier und somit auch der Weissensteintunnel befinden sich im Besitz des Unternehmens. Nach dem Genehmigungsverfahren hofft die BLS, die Bauarbeiten im Juni 2020 starten zu können. Die Sanierung soll bis November 2021 abgeschlossen werden.

Für VCS «nicht akzeptabel»

Auch wenn das BAV keine eigentlichen Einsprachen gegen das Projekt erhalten hat, fand die Bundesbehörde gestern die Eingabe eines Verbandes in ihrem Briefkasten. Wie diese juristisch zu werten sei, werde erst im Laufe des Verfahrens entschieden, erklärt BAV-Sprecher Gregor Saladin. Diese Zeitung weiss: Die Eingabe stammt vom Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), namentlich von dessen Sektionen Solothurn, Bern und beider Basel.

Der Umweltverband hat bewusst auf eine formale Einsprache verzichtet. Tatsächlich wäre eine solche der Öffentlichkeit auch nur schwer vermittelbar gewesen. Schliesslich war der VCS massgeblich daran beteiligt, dass sich der Bund nach anfänglicher Skepsis doch noch für die Tunnelsanierung aussprach. Über 17'000 Menschen unterschrieben im Jahr 2014 seine Petition «Hände weg von der Moutier-Bahn».

«Wir stehen voll hinter dem Sanierungsprojekt und wollen natürlich keinesfalls, dass sich dieses auch noch verzögert», sagt Stephanie Fuchs. Die Solothurnerin ist Geschäftsführerin der VCS-Sektion beider Basel und federführend bei der Eingabe ans BAV. Diese verstehe man vornehmlich als «Anregung».

Im Zentrum der VCS-Bedenken stehen die Bautransporte. Bis zu 10'000 Lastwagen-Fahrten, so die Berechnungen der Organisation, seien im «Worst Case» und unter «der leider realistischen Annahme von 50 Prozent Leerfahrten» nötig.

Die Fahrten sind vor allem dazu da, um tonnenweise Aushub- und Ausbruchmaterial aus dem Tunnel zu transportieren – von Gleisen, über Schotter und Holzschwellen bis hin zu elektrischen Anlagen. Das Bauverkehrsaufkommen sei erheblich und werde die «Ortsdurchfahrten der Gemeinden Oberdorf, Langendorf und Solothurn belasten», befürchtet der VCS.

Störend sei vor allem, dass kein möglichst hoher Transportanteil auf der Schiene verbindlich angestrebt werde. Der VCS bezeichnet diesen Umstand «gerade bei einer Bahnbaustelle mit Gleisanschluss und genügenden Kapazitäten» als «wenig vorbildlich und nicht akzeptabel». Die Bauherrschaft habe diesbezüglich auch eine Vorbildfunktion, findet Fuchs. «Möglichst viel Ausbruch muss über die Schiene abtransportiert werden.»

Das BAV jedenfalls wird nun die Forderungen des VCS prüfen. «Zum Inhalt der Eingabe kann das BAV aufgrund des laufenden Verfahrens keine Angaben machen», so Sprecher Saladin.

Tunnel für 18 Monate zu

Im Februar 2017 gab der Bund grünes Licht für die Sanierung des Weissensteintunnels. Mit dem Vorhaben wird das Bauwerk für die nächsten 25 Betriebsjahre fit gemacht. Auf der Strecke eines halben Kilometers muss der Tunnel rundum erneuert werden.

Der Löwenanteil der Bundesgelder von 85 Millionen Franken wird für die Sanierung des Gewölbes und die Entwässerung eingesetzt werden. Anstelle einer herkömmlichen Fahrleitung soll zudem eine Decken-Stromschiene verbaut werden.

Die Bahnfahrer bekommen während dieser Zeit eine Kostprobe, wie es ohne Sanierung gewesen wäre: Der Tunnel wird für die ganze Dauer der Arbeiten von rund 18 Monaten gesperrt werden. Nur so könne man «kostengünstig und effizient bauen», heisst es bei der BLS.

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Cards: Weissensteintunnel und die Sanierung