Grenchen

Keine Brandstiftung: Mit knappen Entscheid spricht das Amtsgericht den Bocciodromo-Pächter frei

Durch die Brandstiftung in Gastraum und Lager hätte die Grenchner Bocciahalle selber auch in Flammen aufgehen können. (Bild: Michel Lüthi)

Durch die Brandstiftung in Gastraum und Lager hätte die Grenchner Bocciahalle selber auch in Flammen aufgehen können. (Bild: Michel Lüthi)

Im Jahr 2015 brannte das Lager und Gastraum der Bocciahalle in Grenchen. Der ehemalige Pächter wurde verdächtigt und musste vor das Amtsgericht Solothurn-Lebern.

Weil am 2. April 2015 frühmorgens Lager und Gastraum des Restaurants bei der Bocciahalle in Grenchen gebrannt hatten, stand nun der damalige Pächter Luca R.* (Name geändert) vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern, kam aber frei.

Ihm wurden Brandstiftung und Versicherungsbetrug über 29 000 Franken vorgeworfen. Betroffen waren Güter des Wirts und des Vereins. Gebäudeschaden: 100'000 Franken. Inventarschaden: 70 000 Franken. Es waren mehrere Flaschen Benzin gefunden worden sowie Brandbeschleuniger und Anzündwürfel bei beiden Brandherden. Gitterstäbe eines schmalen Oberlichtfensters waren durchgesägt, um einen Einbruch zu simulieren. Der Einbruch-Alarm über eine Telefonleitung war ausgeschaltet worden durch das Durchtrennen eines Kabels.
Klar war, dass ein Insider den Brand gelegt oder veranlasst haben muss. Die Türen waren verschlossen und unbeschädigt. Doch Beweise gab es keine. Mehrere Personen hatten einen Schlüssel, ein paar lagen in einer Küchenschublade, davon war einer verschwunden, und mehrere Leute kannten den Code der Alarmanlage, etwa ein Serviceangestellter, der ausgerechnet über diese Ostertage in Italien weilte.

Gemäss Staatsanwalt Raphael Stüdi gab es selbst nach teilweiser Telefonüberwachung nur Indizien, der vermeintliche Täter wurde deshalb im Ausschlussverfahren bestimmt. Gar der Verein selber war unter den Verdächtigen.

Doch am Schluss sei nur Luca R. übrig geblieben. Diesem war Ende 2014 vom Verein gekündigt worden, weil er schlechte Umsatzzahlen lieferte: Nur in zwei von dreizehn Monaten erzielte er Gewinn, während das Geschäft vor ihm floriert hatte. Aber auch sonst habe er das Lokal auch mal während der Öffnungszeiten geschlossen, wie der erst zwei Wochen im Amt stehende damalige Vizepräsident des Vereins aussagte. Luca wehrte sich gegen die Kündigung, doch kurz vor der Tat schien sich eine Lösung über die Kündigungsmodalitäten abzuzeichnen.

Früherer Brandfall war der Anklage nicht bekannt

«Warum hätte der Verein den Brand legen sollen, zumal er auch auf die Bocciahalle hätte übergreifen können?», fragte Staatsanwalt Stüdi. Er wies auf ein verdächtiges Einkaufsverhalten Lucas vor der Tat hin. Auch den Pizzaofen habe der Brandstifter noch angeschaltet, um auch dafür die Versicherungssumme zu erhalten. «Der Verein hat kein Interesse daran, dass dieser Ofen kaputt geht, gehörte er doch Luca.»

Die Aussagen Lucas, seiner Frau und seiner Tochter blieben sehr oft vage, widersprachen früheren Aussagen. Der 58-jährige Italiener bestritt auch wiederholt, schon vor dem Brand nach einer Anschlusslösung gesucht zu haben, doch Stüdi wies nach, dass er bei einem Restaurant in Biel zur Tatzeit schon konkret wusste, dass er dafür hätte 35 000 Franken fürs Inventar bezahlen müssen – die Summe, die er schliesslich mit Depot erhalten hätte.
Verteidiger Oliver Köhli sagte, dass der Verein die Versicherungssumme fünf Monate vor dem Brand erhöht hatte und erstmals auch Ertragsausfall versichern liess. Doch das war auf Initiative des Versicherungsbrokers, nicht des Vereins erfolgt. Seltsam allerdings: Luca hatte früher in Orpund einen Gasthof geführt, ging jedoch damit Konkurs, der Gasthof wurde damals wegen Brandes – gemäss Polizeinotiz aufgrund eines «technischen Störfalls» – bei einem Schaden von mehreren Millionen Franken zerstört. Davon war im Prozess aber nie die Rede, die Staatsanwaltschaft hatte davon keine Kenntnis.

Für das Gericht ein zu wenig klarer Fall

Das Gericht mit Yves Derendinger, Christoph Mathys und Markus Zubler sprach Luca aufgrund ungenügender Indizien frei. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Gefängnis gefordert, davon neun Monate unbedingt. Das Abwägen war offenbar schwierig. Präsident Derendiger schmunzelnd: «Ich sage jetzt nicht, wie knapp es war.»

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