Kanton Solothurn

Keine Bewilligung mehr nötig: Flüchtlinge sollen schneller Beschäftigung finden

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt wird mit der Neuregelung erleichtert.

Die Bewilligungspflicht für die Erwerbstätigkeit vorläufig Aufgenommener und anerkannter Flüchtlinge wurde im Kanton Solothurn auf Anfang 2019 abgeschafft. Diese Neuregelung stösst bei den kantonalen Wirtschaftsverbänden auf Wohlwollen.

Tiefere Hürden für die Beschäftigung vorläufig aufgenommener Ausländer (Ausweis F) und anerkannter Flüchtlinge (Ausweis B): Seit Jahresbeginn muss deren Erwerbstätigkeit vom kantonalen Migrationsamt nicht mehr bewilligt, sondern diesem nur noch gemeldet werden. Eine Neuregelung, die bei den kantonalen Wirtschaftsverbänden – der Handelskammer (SOHK) und dem Gewerbeverband (KGV) – auf viel Wohlwollen stösst.

«Die Vereinfachung ist sehr zu befürworten», bringt es Christian Hunziker, stellvertretender SOHK-Direktor, auf den Punkt. Das bisherige System mit der Bewilligungspflicht habe zu unerwünschten Verzögerungen geführt – nun sei «ein Hindernis bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt abgebaut» worden. Die Wirtschaft sei im Zeitalter des Fachkräftemangels auf die Arbeitswilligen angewiesen.

Hunziker: «Wenn sich eine Übereinstimmung zwischen den Fähigkeiten eines Flüchtlings und den Bedürfnissen eines Unternehmens ergibt, darf eine Anstellung nicht an einem Bewilligungsverfahren scheitern.» Für eine rasche Arbeitsmarktintegration seien aber selbstverständlich «viele weitere Faktoren wie die Sprachkenntnisse, Qualifikationen oder Engagement wichtig».

Entscheidender: die Fähigkeiten

Einschätzungen, die von KGV-Geschäftsführer Andreas Gasche geteilt werden. Auch aus Sicht des Gewerbes «ist jeder Abbau von Bürokratie und die Vereinfachung von administrativen Hindernissen begrüssenswert». Doch Gasche hält ebenfalls fest: «Es werden in erster Linie die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung der Leute mit F-/B-Ausweis sein, die den Ausschlag geben, ob sie eine Stelle antreten können.» Weil in Industrie und Gewerbe nach wie vor Fachkräftemangel herrsche, sei «jede Person, die eine offene Stelle ausfüllen kann, gesucht».

Sowohl Gasche als auch Hunziker kennen in ihren Verbänden Firmen, die Flüchtlinge beschäftigen. Konkrete Zahlen liegen aber weder beim Gewerbeverband noch bei der Handelskammer vor. Von Klein- und Mittelunternehmen, die Flüchtlinge eingestellt haben, würden aber «immer wieder durchweg positive Rückmeldungen» kommen, weiss
Andreas Gasche.

Und: «Die Zahl der Fälle, in denen eine Zusammenarbeit beendet wird, ist nicht höher als bei Anstellungen von anderen Menschen aus dem In- und Ausland.» Das Gewerbe habe gerade im Bereich der Integrationsvorlehre bisher gute Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht.

Prüfung von Gesuchen entfällt

Für das kantonale Migrationsamt, das bisher für die Prüfung der Gesuche zuständig war, stellt die Neuregelung eine grosse Erleichterung dar. «Neu müssen nur noch die Arbeitgeber im Zentralen Migrationsinformationssystem erfasst werden», hält Amtschef Peter Hayoz auf Anfrage fest.

Von der Beschleunigung des Verfahrens könnten alle Involvierten profitieren: «Die betroffenen Personen mit Ausweisen F und B müssen keine Bewilligung mehr abwarten, sondern können gleich nach erfolgter Meldung durch den Arbeitgeber mit der Erwerbstätigkeit beginnen.» Dies sei im Interesse der Arbeitgeber, die neu lediglich noch eine Meldung mit den notwendigen Angaben vorzunehmen haben.

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