Amtsgericht
Keine Beweise - Wer hat die Kreditkarte ohne Erlaubnis verwendet?

Am Donnerstag gab es für Martin G.* einen Freispruch, obwohl das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt eigentlich davon ausging, dass Martin G. und Lukas W. zusammengespannt hatten, um das Bankkonto von W.s Vater zu plündern.

Philipp Eng
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Der Angeklagte wurde beschuldigt, mit der Kreditkarte, die er von seinem Freund Lukas W. erhalten hatte, ohne Erlaubnis Bargeld bezogen zu haben. (Symbolbild)

Der Angeklagte wurde beschuldigt, mit der Kreditkarte, die er von seinem Freund Lukas W. erhalten hatte, ohne Erlaubnis Bargeld bezogen zu haben. (Symbolbild)

Keystone

Zweifel hatte der Richter, doch beweisen liess sich am Donnerstag nichts. Vor Gericht stand am Donnerstag einzig Martin G. Der in der Region Solothurn wohnhafte Angeklagte wurde beschuldigt, mit der Kreditkarte, die er von seinem Freund Lukas W. erhalten hatte, ohne Erlaubnis Bargeld bezogen zu haben. Die Karte lautete auf den Namen des Vaters von Lukas.

Warum bezog Martin G. Geld mit der Karte, die dem Vater eines Freundes gehört? Während der Befragung erklärte G., er habe seinem «damaligen Freund» Lukas W. aus dessen finanziellen Problemen helfen wollen und ihm 20 000 Franken als Darlehen gegeben. Es sei mündlich ausgemacht gewesen, dass Lukas W. die Schulden mit dem Aushändigen seiner Kreditkarte begleiche und diese Martin G. bis zum Ausgleich der geschuldeten Summe aus dem Darlehen zur Verfügung stehen würde, so G.

Mehrmals gingen Lukas W. und Martin G. gemeinsam ins Casino und bezogen mittels der Karte gemeinsam Geld. Dies bestritt Martin G. zu keinem Zeitpunkt. Auf die Frage hin, weshalb der Name des Vaters auf der Kreditkarte stand, habe Martin G. zur Antwort bekommen, sie würden ein Gemeinschaftskonto führen.

Karte im Auto vergessen?

Lukas W. beschuldigte zwar Martin G., er habe unbefugt Geld vom Konto abgehoben. Die Strafverteidigerin von Martin G., Sabrina Weisskopf, gab in ihrem Plädoyer klar zu bedenken, dass Lukas W. diese Anschuldigung nie in Gegenwart von Martin G. bestätigen wollte: «Er versucht, vor seinem Vater gut dazustehen und schiebt Martin G. die ganze Schuld in die Schuhe.»

Laut Weisskopf habe Lukas W. ausgesagt, er habe die Karte lediglich bei Martin G. im Auto vergessen – und dies während mehreren Monaten. Diese Aussage erschien der Rechtsanwältin doch sehr unglaubwürdig. Zudem hätten Martin G. und Lukas W. gemeinsam Geld mit der Karte bezogen und zusammen im Casino gespielt. Beides deute klar darauf hin, dass es Lukas W. bewusst gewesen sein muss, dass Martin G. seine Karte – bzw. jene seines Vaters – benutzte. Weisskopf forderte daher einen Freispruch ihres Mandanten, da ihm keine strafbare Handlung nachgewiesen werden könne.

Es wäre genug Geld da gewesen

Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt folgte in seinem Urteil weitgehend der Linie von Rechtsanwältin Weisskopf. Nach dem juristischen Grundsatz «in dubio pro reo» (im Zweifel für den Angeklagten) sei Martin G. von der Anschuldigung auf gewerbsmässigen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage freizusprechen. Es mangle schlicht an den Beweisen, um Martin G. das im Strafbefehl Vorgeworfene nachzuweisen.

Altermatt erachtete die Aussage von Lukas W., die Kreditkarte bei Martin G. über mehrere Monate vergessen zu haben, als unglaubwürdig. Als wenig plausibel wertete er auch die Aussage von Martin G., als junger Mann in der Ausbildung ein Darlehen über 20 000 Franken zu gewähren. Zudem sei bekanntlich genügend Geld auf dem Konto des Vaters von Lukas W. vorhanden gewesen, sodass ein Darlehen gar keinen Sinn gemacht habe, so Altermatt. Doch trotz vieler Zweifel, Beweise hatte der Richter nicht.

*Name geändert.