Auf seinem Feld in Selzach baut Markus Dietschi Hanf an. CBD Hanf – legales Cannabis mit geringem THC-Gehalt. Gras, das high macht, ist nach wie vor verboten. Der BDP-Kantonsrat Dietschi sagte gestern im Parlament, er wisse, dass die Legalisierung von Cannabis Sache des Bundes sei. Da die Pflanze derzeit aber in aller Munde sei und eine gewisse Unsicherheit in der Bevölkerung darüber herrsche, was nun erlaubt sei, brachte der Landwirt das Thema dennoch aufs Tapet. Der Regierungsrat hatte bereits im Voraus gesagt, für eine Änderung des Betäubungsmittel-Gesetzes sei der Bund zuständig. Man sei grundsätzlich gegenüber einer Legalisierung nicht abgeneigt. Das führte gestern zu einer berauschenden Debatte im Parlament.

Ist Kiffen ein «harmloses Vergnügen»? Nein, fand klar die SVP. Sprecherin Christine Rütti (Balsthal) führte aus, es gebe keine wissenschaftlichen Belege für die Wirkung aller Wirkstoffe der Pflanze. Cannabis sei eine Einstiegstroge, Kiffer eher anfällig für psychische Erkrankungen. Für die anfallenden Gesundheitskosten müsse dann die Allgemeinheit aufkommen. «Die SVP lehnt eine Legalisierung strikt ab. Die Schweiz soll kein Mekka für Cannabiskonsum werden.»

«Alkohol ist schlimmer»

Ganz anders sah das SP-Sprecherin Franziska Roth (Solothurn). Die Legalisierung sei kein gefährliches Experiment. Jeder Dritte habe schon gekifft in seinem Leben. Und dennoch werde Cannabis nicht wie andere Genussmittel behandelt. Auch aus medizinischer Sicht sei ein Verbot nicht mehr gerechtfertigt. Für eine Legalisierung sprachen sich auch FDP und die Fraktion von CVP, BDP, glp und EVP aus. Urs Unterlerchner (FDP, Solothurn) befürwortete etwa staatliche Regulierungen und Jugendschutzmassnahmen. Solche Kontrollen seien deutlich sinnvoller, als das derzeitige Verbot. Die Meinung der Grünen sei ja von jeher bekannt, brachte sich auch Christof Schauwecker (Solothurn) ein: «Menschen, die friedlich ein einheimisches Kraut konsumieren, sollen nicht kriminalisiert werden.»

Alkohol sei zudem schlimmer als Gras, sagte Interpellant Dietschi zum Schluss. Von der Haltung der Regierung zeigte sich der Landwirt im Übrigen «positiv überrascht». Die Pflanze habe ein enormes Potenzial. Aber sie werde nur auf Drogenhanf reduziert. Der enorme Markt werde gar nicht kontrolliert, die Pflanze allgemein verübelt. «Schade, dass sie so verteufelt wird», so der BDP-Kantonsrat.

Am Verbot ändert sich aber vorläufig nichts. Dazu braucht es eine Gesetzesänderung auf Bundesebene. Cannabis bleibt weiterhin verboten – bis auf das CBD-Hanf, wie es auf dem Feld von Markus Dietschi wächst.