Reformierte Kirche
Kein Gehör für neue Vorlage: «Die reformierte Kirche braucht keinen Bischof»

Sowohl Synodalrat als auch Kirchenparlament lehnten den neuen Verfassungsentwurf in Dulliken klar ab. Die reformierte Kirche in Solothurn steht aber nicht allein da, auch andere Kantone betrachten die Vorlage als nicht mehrheitsfähig.

Tilmann Zuber
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Neuer Synodalrat (v.l.): Werner Berger (neu), Pfarrer Ueli Wilhelm, Eveline Schärli-Fluri, Susanne Rudin,Verena Enzler (Synodalratspräsidentin) und Markus Leuenberger Bruno Kissling

Neuer Synodalrat (v.l.): Werner Berger (neu), Pfarrer Ueli Wilhelm, Eveline Schärli-Fluri, Susanne Rudin,Verena Enzler (Synodalratspräsidentin) und Markus Leuenberger Bruno Kissling

BRUNO KISSLING /CH0041 79 603 70

Keine Gnade hat der Verfassungsentwurf des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK in der Synode gefunden, die in Dulliken tagte. Die Vorlage nehme den demokratischen Geist der reformierten Kirche nicht ernst, so der Grundtenor.

Verena Enzler, Präsidentin des Synodalrates, würdigte zwar das Vorhaben als mutigen Schritt, «einen neuen Weg zu gehen und mit einer Stimme zu sprechen». Doch Synodalrat und Synode lehnten die Vorlage deutlich ab.

Der SEK-Präsident und der Rat hätten ein zu grosses Gewicht, erklärte Enzler. «Die reformierte Kirche braucht keinen Bischof und kein Lehramt.» Zudem müsse die Bekenntnisfreiheit in den reformierten Kirchen garantiert bleiben. Einzig Martin Vogler, Synodaler aus Olten, forderte, beim SEK-Papier auch positive gemeinschaftsfördernde Aspekte wie einen «nationalen Tag der Kirche» zu sehen.

«Vorlage ist nicht mehrheitsfähig»

Im Juni hatte der Kirchenbund seine neue Verfassung vorgestellt. Ziel der Revision ist es, als Einheit nach aussen aufzutreten. Der SEK sollte zur EKS, zur «Evangelische Kirche in der Schweiz», werden. Mit dem Nein zur neuen Verfassung steht die reformierte Kirche Kanton Solothurn nicht alleine da. Auch die Synoden von Bern, Zürich, Aarau oder St. Gallen lehnten den Verfassungsentwurf ab. Die Vorlage sei in der Abgeordnetenversammlung des Kirchenbunds nicht mehrheitsfähig, meinte Enzler.

Regierungsrat Remo Ankli überbrachte die Grüsse der Regierung. Als Historiker mit Studien-Nebenfach Theologie sei ihm die Kirche nicht fremd. Doch der Regierungsrat machte deutlich, dass er vor einer «unerfreulichen Aufgabe» stehe.

Der Kanton schreibe ein strukturelles Defizit von 150 Millionen Franken. Der Massnahmekatalog sehe in seinem Bereich Kürzungen von 30 Millionen Franken vor. Auch die Landeskirchen seien betroffen. Die Sparmassnahmen seien das Thema eines runden Tisches, erklärte Enzler, bei dem die Solothurnerische interkonfessionelle Konferenz die Kirchen vertrete.

Synodalrat Markus Leuenberger stellte der Synode die Voranschläge für das nächste Jahr vor. Der Kanton müsse massiv Geld sparen, erklärte auch der Finanzvorstand, deshalb falle im Finanzausgleich der Verwaltungsbeitrag Synode 50 000 Franken tiefer aus.

Die Synode nahm die ausgeglichenen Budgets des Finanzausgleichs, der Synode-Rechnung und des Kirchenboten an. Ohne Gegenstimme wurde auch der Auszahlungsplan für Bausubventionen von rund 19 200 Franken verabschiedet, der den Kirchgemeinden von Gäu, Thal und Fulenbach zugute kommt.

Schneider oberste Reformierte

Ansonsten befasste sich die Synode in Dulliken mit Wahlgeschäften. An der Tagung schieden Synodenpräsident Rudolf Kyburz und Synodalrätin Lydia Schaller aus ihrem Amt aus. Zur neuen Präsidentin des Kirchenparlaments wählte die Synode Zsuzsa Schneider aus Welschenrohr. Schneider war bis anhin Vizepräsidentin der Synode und ist Präsidentin der Kirchgemeinde Thal.

Auf Schaller folgt Werner Berger in den Synodalrat. Mit Applaus bestätigten die Synodalen die bisherigen Ratsmitglieder. Bestimmt wurden auch die Geschäftsprüfungs- und Beschwerdekommission. Als prominentes Mitglied sitzt künftig alt Regierungsrat Klaus Fischer in der Beschwerdekommission.

Mit grossem Applaus verabschiedete das Parlament Lydia Schaller und Rudolf Kyburz. Schaller stand als Synodalrätin während dreier Amtszeiten dem Bereich Diakonie, Unterricht und Jugendarbeit vor. In seinem Votum mahnte Rudolf Kyburz die Synodalen, die Solothurner Kirche dürfe nicht zur Gefangenen der Strukturen werden und sollte nicht den grossen Kirchen hinterher laufen.