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Kein Feuerwerk abbrennen bedeutet Klimaschutz? «Das ist nur eine Ausrede»

Wochenend-Wetter entscheidet über Feuerwerksverbot

Wochenend-Wetter entscheidet über Feuerwerksverbot

Nächsten Montag wird klar, ob der 1. August ohne Feuerwerk stattfinden muss. Regnet es am Wochenende erheblich, können Pyrofans aufatmen.

Noch gibt es zwar kein Feuerwerksverbot für den 1. August – bereits jetzt haben aber einige Händler in der Region beschlossen, keine Raketen und Zuckerstöcke mehr zu verkaufen.

Der 1. August steht vor der Tür. Damit auch öffentlich und privat organisiertes Feuerwerk. Wobei sich die einen ob des Spektakels am Nachthimmel erfreuen und die anderen Mitleid mit Tier und Natur haben und sich über Böller und Raketen nerven. Ob es dieses Jahr überhaupt Höhenfeuer gibt,und Privatpersonen Raketen im Quartier zünden dürfen, hängt aber auf jeden Fall erst einmal davon ab, ob es noch ein Abbrennverbot gibt. Im Kanton herrscht aktuell «erhebliche Waldbrandgefahr». Auch im letzten Sommer war es heiss und trocken. Privatfeuerwerk wurde gänzlich verboten.

Öffentliches, bewilligungspflichtiges Abbrennen von Raketen und Co. war zwar erlaubt – die meisten Städte und Gemeinden entschieden sich dann aber dagegen. Dort, wo Feuerwerk gezündet wurde, geschah dies in genügendem Abstand zum Wald und mit der einsatzbereiten Feuerwehr in der Nähe.

Allfällige Feuerwerksliebhaber dürften also auch im Hinblick auf den diesjährigen 1. August unsicher sein – lohnt es sich überhaupt, Feuerwerk zu kaufen, wenn dieses dann nicht gezündet werden darf? Das spüren auch Anbieter im Kanton – einzelne Händler verzichten gar auf den Verkauf von Feuerwerkskörpern.

Frage nach Einbussen bleibt unbeantwortet

So hat etwa die Migros Aare bereits vor dem letzten Silvester entschieden: Ab jetzt führt sie kein Feuerwerk mehr im Sortiment. In einer Migros im Kanton Solothurn, aber auch in Filialen in den Kantonen Bern und Aargau sucht man vergeblich nach Zuckerstöcken oder Raketen. Auf der Website des Grossverteilers steht auch, wieso: Laut dem Bundesamt für Umwelt würden jedes Jahr 1800 Tonnen Feuerwerk abgebrannt. «Das verursacht jedoch auch 320 Tonnen Feinstaub.»

Zudem würden Wild- und Haustiere unter den Knallgeräuschen und Lichteffekten leiden. Weiter schreibt die Migros Aare: «Zudem deutet die Klimaentwicklung darauf hin, dass vermehrt mit heissen, trockenen Sommermonaten wie im 2018 und damit auch mit Feuerwerksverboten zu rechnen ist.» Die Frage, ob der Verkauf also nicht mehr rentiert, bleibt aber unbeantwortet. Auf Nachfrage heisst es bei der Medienstelle, konkrete Zahlen habe man nicht – das Einstellen des Verkaufes habe aber nichts mit der Frage zu tun, ob das Geschäft noch rentiert.

Ähnlich klingt es beim Konkurrenten Coop. Auf die Frage, ob der Verkauf aufgrund der Hitzesommer und allenfalls drohendem Feuerwerksverbot noch rentiere, heisst es: Zu Umsatz und Einbussen äussere man sich grundsätzlich nicht. Coop verkauft an ausgewählten Standorten im Kanton noch Feuerwerk, wie Mediensprecher Patrick Häfliger erklärt: In Biberist, Egerkingen (Gäupark), Grenchen, Hägendorf und Schönenwerd. Der Verkauf startet am 27. Juli. Käme es zu einem Abbrennverbot, würde man in den betroffenen Regionen den Verkauf stoppen, erklärt der Mediensprecher. «Wir beobachten die jeweilige Situation immer sehr genau und stehen über den Lieferanten in engem Kontakt mit den Behörden.» Bei einem Abbrennverbot nimmt Coop die Ware bis zum 2. August – mit Kassenbon – an der jeweiligen Verkaufsstelle zurück.

Keine Knallkörper, dafür etwa Fackeln und Finnenkerzen gibt es dieses Jahr bei der Landi Bucheggberg in Lohn-Ammannsegg vor dem 1. August. Auf der Online-Plattform Facebook schreibt der Anbieter: «Aus Rücksicht gegenüber unseren Heim- und Wildtieren verzichten wir auf den Verkauf von Feuerwerksartikeln.» Das hat die Bucheggberger Landi dieses Jahr selbst entschieden, wie es bei der Medienstelle der Landi Schweiz auf Anfrage heisst. So würde die Landi Schweiz dieses Jahr – wie schon seit vielen Jahren – Feuerwerk verkaufen. Einzelne Landi-Läden würden sich anders entscheiden. Bei den Verkaufsstellen, die Feuerwerk anbieten, seien die Artikel aber nach wie vor gefragt.

Grosser Aufwand, der sich nicht immer lohnt

Trockene Sommer, drohende Verbote, Konkurrenten, die teils auf den Verkauf von Feuerwerk verzichten – was bedeutet das für den grössten Anbieter in der Region? Der grosse Feuerwerksverkauf der Keller Fahnen AG in Biberist ist am Mittwoch gestartet. «Wir hoffen natürlich, dass es nach dem letzten Sommer besser läuft», so Geschäftsleiter Andrea Andreotti, der auch auf Regen am Wochenende setzt. Sollte es dennoch ein Verbot geben, würde man sich aber natürlich daran halten. Auch bei Keller Fahnen kann die Kundschaft ungebrauchte Ware in diesem Fall wieder zurückbringen. Spürt man hier die Sorgen ums Klima, um die Tiere, Angst vor einem Verbot? «Uns würde sicher ein grosser Teil der Einnahmen fehlen, wenn ein Verbot käme», so Andreotti.

Im Rückblick auf die letzten Jahre sagt er aber: «Ich glaube nicht, dass die Leute grundsätzlich weniger Feuerwerk einkaufen. Sie kaufen aber sicher bewusster ein.» So würde die Kundschaft heute nicht mehr schon früh im Voraus Raketen und Zuckerstöcke kaufen, sondern etwas länger zuwarten. Andreotti sagt weiter, man könne auch erst am Schluss des diesjährigen Verkaufes beurteilen, ob man davon profitiert, dass etwa die Migros kein Feuerwerk mehr verkauft. Laut dem Geschäftsleiter kann sich der Verzicht von grösseren Anbietern auch kontraproduktiv auswirken: «Wenn alle vom Klimakiller Feuerwerk reden.» Dabei stimme diese Aussage gar nicht.

Andreotti verweist etwa auf Berichte von «20 Minuten» und dem «St. Galler Tagblatt», in welchen Spezialisten aussagen, dass es gar keinen Sinn mache, auf Feuerwerk zu verzichten. Laut Berechnungen von «20 Minuten» ist eine Stunde Feuerwerk abbrennen etwa so schädlich wie eine Stunde mit dem Laptop surfen. Es sei also auch eine Ausrede, das Klima als Argument für den Verzicht auf Feuerwerksverkauf zu gebrauchen. Laut Andreotti geht es viel mehr darum, dass der Verkauf von Feuerwerk ein grosser logistischer Aufwand ist, gerade für Händler mit mehreren Filialen. Ebenso gross sei dann der Aufwand, die ganze Ware wieder zurückzunehmen und zurückzuführen – sollte es zu einem Abbrennverbot kommen.

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