Ohne sie wäre Politik wohl nur halb so spannend. Ohne die Ideen, die zwar fast alle «sinnvoll», «interessant» oder «spannend» finden, letztlich aber doch nicht als tauglich befunden werden. Der kantonale Volksauftrag der Jungen CVP ist so ein Fall. Die Nachwuchspartei forderte, dass es auf der Sekundarstufe I künftig ein eigenes Fach «Politische Bildung» geben soll. Schüler von der siebten bis zur neunten Klasse sollten darin praxisnah unterrichtet werden.

Es ist, wie Bildungsdirektor Remo Ankli (FDP) am Dienstag im Kantonsrat sagte, «selbstverständlich ein sympathisches Anliegen». Ein sympathisches Anliegen, davon sprachen wortgetreu auch vier Fraktionssprecher. Für SVP-Sprecherin Claudia Fluri (Mümliswil-Ramiswil) war klar: «Die politische Bildung könnte durchaus noch gestärkt werden.» SP-Vertreter Mathias Stricker (Bettlach) sprach von einem «nachvollziehbaren Anliegen». Die freisinnige Karin Büttler (Laupersdorf) fand derweil, dass gerade Politiker hinter dieser Idee stehen sollten. «Denn vielleicht könnte man so junge Menschen motivieren, später ein politisches Amt zu übernehmen.» Und die Grüne Doris Häfliger (Zuchwil) wusste nur zu gut: «Man kann hier ja eigentlich gar nicht dagegen sein.»

Dass der Kantonsrat den Volksauftrag trotzdem mit 69 zu 26 Stimmen ablehnte, hatte praktische Gründe. Und diese machen mal wieder alles komplizierter. Einzig die Mitte-Fraktion unterstützte den Volksauftrag der Jungen CVP mehrheitlich. Doch selbst in der CVP stimmte eine Minderheit gegen den Auftrag aus den eigenen Reihen.

Den verständnisvollen Worten folgten Verweise auf Lektionentafeln und Lehrpläne. «Politische Bildung als eigenes Fach ist nicht zielführend», gab SP-Mann Urs von Lerber (Luterbach) für die Bildungskommission zu Protokoll. Es sei besser, wenn der Stoff fächerübergreifend vermittelt werde. Dieser Meinung waren fast alle Sprecher. «Dem Anliegen wird bereits Rechnung getragen», sagte Sozialdemokrat Stricker. So würde der Lehrplan 21 die politische Bildung «vertiefter und verbindlich» aufgreifen.

Einig waren sich die Räte aber auch darin: Ob und wie politische Bildung vermittelt wird, ist am Ende ohnehin vom jeweiligen Lehrer abhängig. Das bestätigte CVP-Kantonsrat Michael Ochsenbein (Luterbach). Der Mitte-Fraktionschef arbeitet selbst als Oberstufenlehrer und forderte «zumindest eine grundsätzliche Debatte über das Thema». Und sein Parteikollege Fabio Jeger (Meltingen) wünschte sich «mehr Verbindlichkeit, um den Unterricht zu harmonisieren». Diese Forderung dürfte der Grund gewesen sein, dass sich immerhin ein Viertel der Kantonsräte hinter den Auftrag stellte.