Kopfläuse
Kaum zu glauben - doch «Laustanten» haben nie ausgedient

Schulkinder und Kindergärtler aus Biberist werden künftig regelmässig auf Kopfläuse untersucht. Dafür werden Läusefachpersonen gesucht. Wie halten es andere Schulen mit den Läusen?

Noëlle Karpf
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In den meisten Schulen kommen Fachpersonen dann zum Einsatz, wenn Kopfläuse bereits gemeldet wurden.sz-Archiv

In den meisten Schulen kommen Fachpersonen dann zum Einsatz, wenn Kopfläuse bereits gemeldet wurden.sz-Archiv

«Wir suchen per sofort oder nach Vereinbarung zwei Läusefachpersonen», war vergangene Woche im «Anzeiger» zu lesen. Verfasst hat diese Stellenanzeige die Schulleitung von Biberist. Aus welchem Grund wird so ein Inserat in Auftrag gegeben?

Rund 850 Kinder besuchen die Primarschule und den Kindergarten in Biberist. «Wir sind mitverantwortlich für die Gesundheit der Kinder – und deshalb suchen wir nach Fachpersonen», sagt Susanne Mollica, Leiterin des Kindergartens und der ersten und zweiten Primarstufe, auf Anfrage. «Das Thema Läuse kommt bei uns immer wieder vor. Das ist nicht erst heute ein Problem», sagt sie stellvertretend auch für die anderen beiden Schulleiterinnen von Biberist. Bisher hätte man erst etwas unternommen, wenn Läuse aufgetaucht sind. Dafür war die Spitex zuständig, die laut Susanne Mollica «auch nicht immer Kapazität hatte».

Vom Unterricht dispensiert

«Vor allem nach den Sport- und Herbstferien, wenn einige der Kinder aus wärmeren Ländern zurückkommen, werden Läuse zum Thema», weiss Susanne Mollica. Sie erzählt von einer Zeit, als die Kinder ihre Sachen in der Garderobe in Plastiktüten einpacken mussten, weil es so schlimm war. «Und einmal», so die Schulleiterin, «musste ein Kind vom Unterricht ausgeschlossen werden.»

Das Kind konnte erst wieder in die Klasse zurückkehren, als es die Läuse endgültig los war. Die Spitex besuchte in dieser Zeit die Familie zu Hause und zeigte vor, wie mit dem Läuse-Kamm und einer Pflegespülung umgegangen wird. Damit künftig regelmässige und «flächendeckende» Untersuchungen in allen Klassen stattfinden können, zieht die Schuldirektion nun Fachpersonal hinzu. Sie suche nach zwei ausgebildeten Personen, die gleichzeitig im Einsatz sind, damit während den Kontrollen «nicht zu viel von der Unterrichtszeit verloren geht».

Eigenes Schema «kreiert»

Das «Konzept» für den Umgang mit Kopfläusen erarbeitete die Schule, anschliessend wurde es vom Gemeinderat abgesegnet. Allgemeine Empfehlungen zum Thema sind zwar auf der Kantons-Homepage zu finden, offizielle Vorschriften gibt es laut Susanne Mollica aber «gar keine». «Wir haben zuvor ein Konzept aus Bettlach übernommen», sagt die Schulleiterin. «Nun haben wir etwas Eigenes kreiert – und die bisherige Vorgehensweise intensiviert», erklärt sie. «Wenn die Fachpersonen bei einem Kind Läuse finden, reagieren wir.»

So würden nebst den Eltern des betroffenen Schulhauses auch die Lehrpersonen der anderen Gebäude informiert. Für die Beratung von Familien, in denen Kinder häufig betroffen sind, ist weiterhin die Spitex zuständig. «Die Nachkontrollen in den jeweiligen Klassen ist Aufgabe der beiden Läusefachpersonen», ergänzt die Schulleiterin. Zusätzlich untersuchen sie die Geschwister von Kindern, die Läuse haben. So kann es vorkommen, dass auch Schülerinnen und Schüler der Oberstufe kontrolliert werden.

Der Ablauf in anderen Schulen

Tauchen Läuse in der Primarschule oder dem Kindergarten in Lüterkofen auf, bietet die Schulleitung ihre «Laustanten» auf. Sie kontrollieren die Klassen, wenn mehrere Kinder betroffen sind. Die beiden Fachpersonen besprechen laut der Schulleiterin Regina Keller auch das Thema Zahnpflege mit den Kindern.

Das Solothurner Schulhaus Fegetz befolgt im Fall von Kopfläusen ein Ablaufschema der Bildungsdirektion des Kanton Zürichs. Kontrollen gibt es nur, «wenn Anzeichen von Läusen vorhanden sind», erklärt Schulleiter Thomas Bitterli. Zuerst würden die Eltern die Untersuchungen machen. Bessert sich die Situation nicht, wird jemand von der Spitex aufgeboten.

«Eine eigentliche ‹Laustante› gibt es bei uns nicht», sagt Monika Kronenberg, Schulverwalterin von Hägendorf. Dafür wird ein Schema des Gesundheitsamts verwendet. Werden bei einem Kind Läuse entdeckt, benachrichtigt die Schulleitung die Eltern seiner Klassenkameraden. Sie kontrollieren ihre Kinder und behandeln sie wenn nötig. Haben betroffene oder gefährdete Schüler Geschwister, wird das gleiche Verfahren in ihrer Klasse angewendet.

Auch in Balsthal gibt es laut Gesamtschulleiter Kuno Flury keine regelmässigen Kontrollen. Bei (Verdacht auf) Kopfläusebefall würden die Klassen von einer Fachperson untersucht, die Eltern schulhausweise informiert und allenfalls zur Behandlung ihrer Kinder aufgefordert. Anschliessend führt das Fachpersonal – dabei handelt es sich um die Schulzahnpflege-Instruktorinnen – eine Nachkontrolle durch.

Laut der Schulleiterin des Schulhauses Steinmatt in Derendingen war früher eine Spitex-Angestellte für die «Kopflausbekämpfung» zuständig. «Sie hat drei Frauen ausgebildet, welche die Schule nun im Falle von Läusen kontaktieren kann», so die Schulleiterin Sabine Egger.

In Grenchen führen die Eltern Kontrollen durch. Bei Anzeichen auf Läuse werden sie kontaktiert. «Die andern Klassenlehrpersonen werden aufgefordert, darauf zu achten, ob in ihrer Klasse auch etwas Verdächtiges zu sehen ist», sagt Lucia Herzog, die Leiterin des Schulhaus Kastels.

«Eigentlich war es schon immer Frau Niederer», die Oltner Schulen und Kindergärten besuchte, wenn Läuse auftauchten. «Sie wird von der jeweiligen Schule benachrichtigt», sagt Beatrice Frey, die Leiterin des Schulhauses Bifang. «Sie kontrolliert Klassen, unterstütz Eltern und stattet diesen manchmal auch einen Besuch ab.»

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