Kanton Solothurn
Kaum Unterstützung, weniger Mitglieder, digitales Training: So erleben Vereine die Coronakrise

Auch die Vereine im Kanton Solothurn spüren die Auswirkungen der Pandemie. Auch wenn es für sie nicht um Existenzielles geht. Gleichzeitig zeigt sich auch im Bereich der Randsportarten ein ganzer Flickenteppich an Massnahmen und Regelungen.

Lisan Vugts
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Alanah Mörgeli in ihrem Solothurner Tanzstudios. Sie ist technisch so ausgerüstet, dass sie Kurse auch online anbieten kann.

Alanah Mörgeli in ihrem Solothurner Tanzstudios. Sie ist technisch so ausgerüstet, dass sie Kurse auch online anbieten kann.

Lisan Vugts / Solothurner Zeitung

Der Kanton Solothurn zählt insgesamt 2846 Vereine. Diese sind derzeit entweder digital – oder gar nicht aktiv. So verschieden die Sportarten, so unterschiedlich wirken sich auch die Einschränkungen auf die Vereine aus. Zwar es für sie im Gegensatz zu Firmen etwa nicht ans Existenzielle – aber dennoch spüren sie die Krise. Fünf Vereine und zwei Tanzschaffende erzählen.

Daniel Frey.

Daniel Frey.

Otto Lüscher / SPO

Daniel Frey, Präsident des Basketballclub Olten-Zofingen, erklärt, dass der Club zwar ohne Entschädigungsgelder auskommen muss, dies aber verkraftbar sei. Denn: «Derzeit müssen wir weniger Hallenkosten bezahlen» – da nur mit den Jungmannschaften U15 und U13 im Kanton Aargau trainiert werde. Denn aktuell gilt schweizweit: Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren sowie Leistungssportlerinnen und -sportler dürfen trainieren. Ansonsten bleiben Sporteinrichtungen geschlossen, Trainings dürfen nicht stattfinden. Sobald man also 16 und nicht im Leistungssport tätig ist, darf man nicht mehr im Team und vor Ort trainieren. So haben sich einige der übrigen zehn Mannschaften des Oltner Basketballclubs nun online organisiert. «Die Seniorinnen und Senioren machen teilweise via Zoom ein bisschen Konditionstraining», erklärt Frey.

Schwimmerinnen und Schwimmer trainieren am Trockenen

Daniela Torre.

Daniela Torre.

Zvg / Solothurner Zeitung

Eine ähnliche Situation beschreibt die Co-Präsidentin der Swim Regio Solothurn; der Vereinigung verschiedener lokaler Schwimmclubs. Die Schwimmer und Schwimmerinnen, welche den 16. Geburtstag noch nicht gefeiert haben oder eine Talent Card besitzen (sprich Leistungssport betreiben), dürfen im Wasser trainieren, berichtet Daniela Torre. Sie bemerke aber, dass das Verständnis und die Geduld dafür von Seiten der Jugendlichen und deren Eltern, immer mehr abnehmen:

Für Jugendliche, die 16 sind, und keine solche Karte besitzen, ist es schwer zu verstehen, warum der Rest des Teams ins Wasser kann, nur sie nicht.

Es werden zwar Zoom-Trainings und alternative Trainingsprogramme angeboten – so trainieren die Mitglieder trocken ihre Kraft und Ausdauer; die Artistic Schwimmerinnen übern zusätzlich ihre Kürzen. «Es bleibt grundsätzlich schwierig, die Motivation der Schwimmer und Schwimmerinnen aufrechtzuerhalten, wenn sie seit so langer Zeit nicht ins Wasser dürfen», verdeutlicht Torre. Finanziell kann die Swim Regio Solothurn alle Ausfälle geltend machen und so vom Stabilisierungsprogramm des Bundes profitieren.

Ausfallentschädigung

Nicht jeder Verein erhält Beiträge

Desto länger die Pandemie dauert, umso mehr spitzt sich die finanzielle Lage in Unternehmen sowie Vereinen zu. Für diese sieht der Bundesrat eine finanzielle Entschädigung vor. Je nach Branche oder Berufstätigkeit müssen unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt werden, um an diese Gelder zu gelangen. Speziell im Sportbereich entsteht deshalb ein Flickenteppich an unterschiedlichen Begebenheiten. Vorerst wird zwischen dem professionellen Leistungssport und dem Breitensport unterschieden. Auf der einen Seite wird der professionelle Leistungssport mit zinslosen Darlehen unterstützt, auf der anderen Seite zahlt das Bundesamt für Sport (BASPO) dem Breitensport Gelder, welche nicht zurückbezahlt werden müssen. Es werden jedoch nicht alle Organisationen oder Einzelpersonen, die im Breitensport (beruflich) tätig sind, unter den gleichen Voraussetzungen unterstützt. Entschädigt werden Einnahmeausfälle, welche durch Corona und die Massnahmen dagegen entstehen. Hierbei gilt es zudem zu beachten, dass die Ausfälle zu einer Zahlungsunfähigkeit führen müssen und die Organisation als Verein geführt werden muss. Für Unternehmen, wie Fitnesscenter oder Selbstständigerwerbende, wie Tanzlehrerinnen und -lehrer stehen andere Unterstützungsinstrumente, wie Kurzarbeitsentschädigung oder der Corona-Erwerbsausfallentschädigung zur Verfügung.

Beim Selzacher Inline Verein Rolling Stars können momentan gar keine Trainings durchgeführt werden. Jana von Burg berichtet über fehlende Trainingsplätze: «Schon vor der Pandemie kämpfte der Verein mit fehlenden Infrastrukturen, mit dem Sperren von Sportplätzen wird die Situation noch zusätzlich erschwert.»

Vereine verlieren Mitglieder in dieser Zeit

Ähnlich sieht die Situation bei den Radballfahrern und SLRG-Schwimmerinnen und Schwimmer in Grenchen aus. Da das Schulschutzkonzept «Cocon» vorsieht, dass keine Aussenstehenden die Sportinfrastrukturen benutzen können, ist es den Vereinen gänzlich untersagt ein Training anzubieten – auch für Jugendliche und Kinder unter 16. Dies bedeutet für die Radballfahrer ein grosser Mitgliederschwund:

Alle Junioren haben wir verloren, seit wir keine Trainings mehr anbieten können

, so Roland Reist, Präsident des Radball-Clubs Grenchen.

Auch bei Daniela Sasso, Inhaberin von der Tanzschule vivere emozioni, führt der Verlust an Teilnehmer zu einem mulmigen Gefühl. Seit 2013 leitet Sasso Zumba und Strong by Zumba Kurse im Tissot Velodrome Grenchen. Die Kurse führt Sasso nebenberuflich, trotzdem spüre sie die Einschränkungen finanziell – und auch emotional. «Die Anzahl Teilnehmenden hat sich stark verringert, momentan trainieren noch etwa ein Sechstel der ursprünglichen Mitglieder von vor dem ersten Lockdown mit mir», veranschaulicht Sasso. Da Sasso das vivere emozioni als Einzelperson betreibt und weder als Verein noch als Unternehmen eingeschrieben ist, hat sie keinen Anspruch auf irgendwelche Entschädigungsgelder.

Dieser Kampf ums Überleben wollen mehrere Tanzschaffenden des Kantons nicht auf sich sitzen lassen. Mit einem Video machen die Solothurner Tanzschaffenden und Tanzschulinhabende auf sich aufmerksam.

Im Interview berichtet Moergeli über die fehlende Anerkennung, mit welcher Tanzschaffende zu kämpfen haben. «Zu oft werden wir nicht informiert oder überhaupt in politischen Entscheiden einbezogen. So dauerte es einige Wochen bis der Kanton bestätigen konnte, dass das Tanztraining für Jugendliche unter 16 Jahren wieder stattfinden darf.»

Dies sei gerade für die Tanzschulinhaber, welche oft als Selbständigerwerbende tätig sind, eine viel zu lange Zeit betont Moergeli. Das Tanzvideo soll deshalb aufzeigen, dass es den Tanz in Solothurn noch gibt und dieser auch fortbestehen soll. Mit den Worten «Solothurn soll sehen, wie vielfältig die Tanzszene im Kanton ist, und was unsere Anliegen sind. Wir geben nicht tanzlos auf.» fasst Moergeli die zu übermittelnde Botschaft zusammen.