Nun ist die lange erwartete Antwort aus Bern also eingetroffen – doch ob die Thaler Gemeindepräsidenten damit schlauer sind als vorher? «Ich kann mich kurzfassen», sagt Kurt Bloch lakonisch, «dieser Brief ist nämlich ziemlich nichtssagend.» Was Bundesrätin Doris Leuthard da schreibe, lässt für den Mümliswiler und Vorsitzenden der Thaler Gemeindepräsidenten nur einen Schluss zu: «Der Bund weiss selbst nicht so recht, was er mit der Moutier-Bahn eigentlich anstellen will.»

Was Verkehrsministerin Leuthard im September zu lesen bekam, waren dramatische Worte. Die Bahnlinie Solothurn–Moutier dürfe keinesfalls stillgelegt werden, warnten die Gemeindepräsidenten in einem gemeinsamen Appell. Doch genau das könnte bald passieren, wie im August publik wurde. Aus Sicherheitsgründen müsse der Weissensteintunnel, das Herzstück der Linie, spätestens 2016 saniert werden. 170 Millionen Franken soll die Erneuerung kosten, heisst es in Bern. Deshalb spielt man beim Bund mit dem Gedanken, den Tunnel zu schliessen und die defizitäre Bahn aufs Abstellgleis zu schieben.

Im besten Amtsdeutsch

Im Brief, der dieser Zeitung vorliegt, äussert sich Bundesrätin Leuthard jetzt zu den Befürchtungen der Thaler. Ein höfliches Schreiben, getragen von Verständnis – allerdings mit ziemlich wenig Optimismus. «Wie Ihre Gemeinden auch», schreibt Leuthard, habe der Bund die Pflicht, bei Investitionen die Frage der Wirtschaftlichkeit zu stellen. In einer «Gesamtbetrachtung» will die CVP-Frau auch Regionalpolitik und Raumordnung berücksichtigen. Im Fokus stehe eine «gute Erschliessungsqualität, die aber minimalen Effizienzkriterien genügt».

Dass die Verbindung mit der Hauptstadt Solothurn für das Thal wichtig ist, weiss auch die Bundesrätin. Sie will sich derzeit jedoch vor allem auf das Prüfen von Alternativen konzentrieren. Und das heisst im besten Amtsdeutsch: «Es gilt, die Machbarkeit von verschiedenen Erschliessungsmöglichkeiten vertieft abzuklären.» Im Thal muss man sich solche Worte zuerst mal auf der Zunge zergehen lassen. «Verschiedene Erschliessungsmöglichkeiten», murmelt Kurt Bloch. «Was soll das heissen?» Jeder wisse doch, welche Möglichkeiten es noch gibt. Tatsächlich bliebe Reisenden aus dem hinteren Thal nur noch die Fahrt mit dem Postauto über Oensingen, falls die Bahn und damit der Anschluss am Bahnhof Gänsbrunnen verschwindet. Für viele würde sich die Reisezeit nach Solothurn so verdreifachen. Ein Busbetrieb über den Weissenstein ist keine Option, der Pass ist zu eng und zu steil für grosse Fahrzeuge.

Hoffnung ruht auf Gutachten

Was hat der Brief an die Bundesrätin also gebracht? Stefan Müller-Altermatt weiss natürlich, dass sich mit mahnenden Worten allein wenig ausrichten lässt. Doch der Herbetswiler Gemeindepräsident wertet den Appell als «nötige Willensbekundung», und eine solche sei doch ein guter Anfang. Der Umweltpolitiker und CVP-Nationalrat erkennt im Brief seiner Parteikollegin «eine für Doris Leuthard typische Botschaft». Zwar klinge der Brief nicht sonderlich zuversichtlich, ihre Worte seien aber ehrlich und direkt. «Immerhin zeigt sie ja Verständnis für unser Anliegen», sagt Müller-Altermatt. Ähnlich sieht das auch der Gemeindepräsident von Welschenrohr, Stefan Schneider: «Es war klar, dass man im Departement Leuthard an gewisse Sachzwänge gebunden ist.»

Seine Hoffnung setzt Schneider nun auf das Gutachten, das die Kantone Solothurn und Bern in Auftrag gegeben haben. Dieses soll Klarheit schaffen, ob die Sanierung des Weissensteintunnels wirklich 170 Millionen Franken kostet. Bundesrätin Leuthard erwähnt die Sanierungskosten in ihrem Schreiben mit keinem Wort. Stattdessen verweist sie auf etwas anderes: Das Bahnunternehmen BLS muss im Auftrag des Bundes prüfen, ob der Weissensteintunnel mit Notmassnahmen noch ein wenig länger genutzt werden könnte. Allerdings ist dieser Plan schon seit August bekannt.

Die Gemeindepräsidenten betonen denn auch: Sie wollen weiterhin mit voller Kraft für die Bahnanbindung des hinteren Thals kämpfen. Bereits nächste Woche sollen die weiteren Schritte besprochen werden.