Die 2003 gegründete Praxisfirma Creative Factory musste wegen Überschuldung Konkurs anmelden (wir berichteten). Praxisfirmen sind Institutionen, die das Wirtschaftsleben simulieren, ohne realen Umsatz zu erzielen. Die Arbeitslosen werden teilweise in branchenspezifischen Fertigkeiten geschult, können aber einen Teil der Arbeitszeit auch für Bewerbungen nutzen.

KV Schweiz kaum betroffen

Creative Factory war auf kaufmännische Jobs ausgerichtet und hatte zwei Standorte in Solothurn und Olten. Trägerschaft war der Kaufmännische Kantonalverband Solothurn. Franz Xaver Bühler, Präsident des Kantonalverbandes, bestätigt jetzt, dass das Ende von Creative Factory auch das Aus für den Verband bedeutet. Der Kantonalverband ist nicht zu verwechseln mit dem Kaufmännischen Verband Schweiz (KV), der Schweizerischen Organisation mit regionalen Sektionen. Die drei Solothurner Sektionen sind Direktmitglieder von KV Schweiz. Der Kantonalverband hingegen ist ein Relikt aus der Zeit, als der KV noch in Kantonalsektionen aufgeteilt war.

Einzige Aufgabe der «Verbandshülle» war gemäss Bühler die Durchführung des Projekts der Praxisfirma. Weil diese wegen Überschuldung Konkurs ist, muss jetzt der Verband geradestehen. Bühler beziffert den Schaden auf 40000 Fr. – das gesamte Kapital des Kantonalverbandes. Der Verband mit je zwei Delegierten aus den drei Solothurner KV-Sektionen sei denn auch letzte Woche aufgelöst worden. Mittel für Investitionen in der Höhe von 800 000 bis 900 000 Fr aus einem Fonds von KV Schweiz seien schon früher zurückbezahlt worden, versichert Bühler.

Die KV-Sektionen sind insofern betroffen, als zurzeit keine Praxisstellen mehr zur Verfügung stehen. «Das bedauern wir sehr», sagt Maria Lo Giudice, Co-Präsidentin der KV Sektion Solothurn. Mittelfristig müsse man Wege finden, wieder solche Plätze anzubieten. Die Arbeitsmarktsituation sei zum Glück zurzeit nicht sehr angespannt. Lo Giudice bedauert auch, dass man vom Vorstand her die Praxisfirma offenbar zu wenig eng begleitet habe. «Da müssen wir auch etwas selbstkritisch sein.»

Fehlende Aufträge der IV

Laut Angaben von Bühler wurden der Creative Factory von den Behörden jährlich gut 30 Personen zugewiesen. Die «Kunden» der IV waren am Ende ausgeblieben, was die Praxisfirma in Schieflage brachte.

Martin Gabl, Leiter der Invalidenversicherung Solothurn, begründet den Wegfall der Aufträge: «Die Creative Factory war gut aufgestellt für Personen aus der Arbeitslosenversicherung. Menschen mit Beeinträchtigungen brauchen aber ein massgeschneidertes Angebot, das sie hier nicht bekommen konnten.» Man habe mit den Verantwortlichen das Gespräch gesucht und die Wünsche der Invalidenversicherung deponiert. «Leider wurde zu wenig darauf eingegangen.»