Verhalten und Benehmen
Katrin Künzle bietet Knigge-Kurs für Kinder und Jugendliche an

Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist es offenbar nicht: Die Kniggetrainerin Katrin Künzle bietet für Kinder und Jugendliche Kurse für das gute Benehmen an. «Kniggekids» soll Kindern helfen sich in der Gesellschaft sicherer zu bewegen.

Fränzi Rütti-Saner
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Katrin Künzle vermittelt in ihrem Kniggteens-Kurs die wichtigsten Regeln, welche die Jugendlichen auf das Berufsleben vorbereiten sollen..jpg

Katrin Künzle vermittelt in ihrem Kniggteens-Kurs die wichtigsten Regeln, welche die Jugendlichen auf das Berufsleben vorbereiten sollen..jpg

Solothurner Zeitung

Umgang mit dem Handy

Unterlassen Sie die Benutzung Ihres Handys an folgenden Orten: Krankenhaus, Flugzeug bei Start und Landung, Tankstelle sind Sicherheitszonen. An Beerdigungen, bei Krankenbesuchen, in Kirchen und beim Vorstellungsgespräch oder anderen wichtigen Gesprächen ist das Mobiltelefon tabu. Anstand besitzt, wer sein Handy im Theater, Konzert oder Kino, bei Vorträgen, während des Schulunterrichts, im Wartezimmer des Arztes, im Restaurant, an Apéros und Empfängen und bei Kundengesprächen lautlos stellt. Achten Sie beim Rufsignal auf eine zurückhaltende Melodie. Tragen Sie das Handy auf sich, wenn es eingeschaltet ist. Nichts ist nerviger, als Leute, die ihr Handy verzweifelt suchen. Schalten Sie die Klick-Tastentöne aus. Platzieren Sie Ihr Handy nicht vor sich hin, wenn Sie im Gespräch sind. Dies gilt etwa für Restaurants - ausser Sie erwarten einen dringenden Anruf und künden das Ihrem Gegenüber an. Ein Handy trägt man nie am Gürtel - schlechter Kleiderstil.

Darf ich ein T-Shirt mit Spaghettiträgern zum Bewerbungsgespräch anziehen? Was tun, wenn man niesen muss und kein Taschentuch zur Hand ist? Wem soll ich in einer Gruppe zuerst die Hand geben? Viele solcher Fragen stellen sich jedem von uns täglich.

Die Erwachsenen wissen in der Regel, wie mit diesen Herausforderungen umzugehen ist, denn sie haben einen Erfahrungsschatz, aus dem sie schöpfen können. Nicht so Jugendliche und Kinder, die sich auf gesellschaftlichem Parkett noch nicht so gut auskennen – es sei denn, ihr Elternhaus legt extremen Wert auf gute Umgangsformen.

Künzle-Organisation für Benimm- und Anstandsregeln

So wie das Elternhaus es tat, aus dem die lizenzierte Kniggetrainerin Katrin Künzle stammt. «Bei uns zu Hause war gutes Benehmen immer ein Thema. Es hat mich persönlich auch immer interessiert», erzählt die Zürcherin. Deshalb hat sie alles, was Benimm- und Anstandsregeln betrifft, zu ihrem Beruf gemacht und vor neun Jahren die Firma Künzle-Organisation gegründet.

Mit dieser Firma bietet sie in den speziellen Kursprogrammen «Kniggkids» und «Kniggteens» ein Programm an, welches Kindern von 8 bis 12 oder Jugendlichen von 13 bis 17 Jahren helfen soll, sich in der Gesellschaft besser und sicherer zu bewegen. «Besonders die Teens, in der Regel Schülerinnen und Schüler kurz vor der Berufswahl, sind für die richtigen Hinweise dankbar», weiss Künzle. Ihre Kurse finden in guten Hotels in der ganzen Schweiz statt, unter anderem auch im Mövenpick in Egerkingen.

Schnelllebige Zeit und verschiedene Kulturen

Künzle sagt aber auch: «Eigentlich ist gutes Benehmen etwas, was im Elternhaus vermittelt werden sollte. Doch jeder weiss, dass etwas viel wirkungsvoller ist, wenn es ein Aussenstehender zu vermitteln weiss.» Darüber hinaus herrschten auch bei manchen Eltern Unsicherheiten darüber, was man heute noch darf, soll oder muss. In der schnelllebigen Zeit würden viele Anstands- und Benimmregeln über den Haufen geworfen.

«Auch in vielen fremden Kulturen, die heute mit uns zusammenleben, gelten andere Verhaltensregeln. Da macht es Sinn, wieder einmal die wichtigsten, allgemeingültigen Formeln vorgeführt zu bekommen.»

«Kniggekids» und «Kniggeteens»

Künzle vermittelt beispielsweise in ihrem Kniggteens-Kurs die wichtigsten Regeln, die auf das Berufsleben vorbereiten. Dresscodes oder Begrüssungsformeln sind wichtig, selbstsicheres Auftreten wird geübt, oder was man über den Gebrauch des Handys, übers Rauchen oder über Smalltalk wissen sollte.

Oder das immer wieder auftretende Problem, wie man beim Apéro Getränk und Gebäck in der linken Hand halten und jemandem zur Begrüssung die rechte Hand geben kann. Es könne schon mal für eine berufliche Karriere tragisch werden, wenn man die Benimmregeln nicht kenne, weiss Künzle. «Gute Erfahrungen mache ich immer, wenn ich erkläre, woher eine Benimmregel kommt. So können die Regeln auch besser eingeprägt und verstanden werden.» Denn oft seien es die ganz kleinen Dinge, die ein Gespräch erfolgreich machen.