Kantonsverwaltung
Eigentum statt Miete: Solothurn prüft den Neubau einer Mega-Amtsstube für das Staatspersonal

Die Idee ist nicht neu, aber sie wird neu lanciert. Die Strategie heisst «Eigentum statt Miete», weil das auf längere Sicht günstiger ist, aber die Kantonsverwaltung ist immer noch in 30 Liegenschaften eingemietet. Der Regierungsrat lässt jetzt eine Machbarkeitsstudie für einen neuen zentralen Verwaltungsbau in Solothurn erstellen.

Urs Moser
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Das Rathaus (hier während einer Sanierung 2020) ist nur eines von 56 Gebäuden, in denen die kantonale Verwaltung untergebracht ist.

Das Rathaus (hier während einer Sanierung 2020) ist nur eines von 56 Gebäuden, in denen die kantonale Verwaltung untergebracht ist.

Michel Lüthi

Der Kantonsrat stimmte in der letzten Session der Legislatur Anfang März dem Umzug der Jugendanwaltschaft vom Amthaus 2 (wo die Gerichte mehr Platz brauchen) ins «Zürich-Haus» in Solothurn und den damit verbundenen jährlichen Mietkosten von gut 100'000 zwar ohne Murren zu. Der Regierungsrat wurde aber an die Strategie «Eigentum vor Miete» erinnert. Es sei an der Zeit, die Idee eines neuen zentralen Verwaltungsbaus wieder aufzunehmen, hiess es.

Offenbar rannte man damit offene Türen ein. In der letzten Sitzung vor den Frühlingsferien hat der Regierungsrat letzte Woche dem Hochbauamt den Auftrag zu einer Machbarkeitsstudie für so einen Neubau erteilt. Bis Ende 2022 will die Regierung über das weitere Vorgehen entscheiden können.

Dass es auf längere Sicht günstiger ist, die Verwaltung in kantonseigenen Gebäuden unterzubringen statt Büroräumlichkeiten anzumieten, dürfte unbestritten sein. Im Beschluss zur Verwaltungsbau-Machbarkeitsstudie werden die durchschnittlichen jährlichen Kosten pro Arbeitsplatz beziffert: Sie belaufen sich in den Mietobjekten auf 11'100 Franken. Auch in den kantonseigenen Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, liegen sie mit 9100 Franken deutlich tiefer. In den übrigen kantonseigenen Immobilien sind es nur 7200 Franken jährliche Kosten pro Arbeitsplatz (ohne IT), also 35 Prozent weniger als in den Mietobjekten.

Aus der Idee am Bahnhof wurde nichts

Die Idee, mit einem grossen zentralen Verwaltungsbau möglichst viele Mietverhältnisse abzulösen, ist denn auch nicht neu. Das Problem dürfte sein, in der Stadt Solothurn – wo 70 Prozent der insgesamt rund 2500 Verwaltungsangestellten arbeiten – überhaupt einen geeigneten Platz dafür zu finden.

Letztes Jahr glaubte man eigentlich nahe dran zu sein. Zusammen mit der Neugestaltung der Gleis- und Publikumsanlagen des RBS-Bahnhofs liesse sich vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Regionalverkehr Bern-Solothurn eine dreistöckige Mega-Amtsstube mit 400 Arbeitsplätzen für die Kantonsangestellten realisieren, so der Plan.

Beim RBS zeigte man sich grundsätzlich auch sehr interessiert, nur: Ein gemeinsames Projekt müsste sich zwingend bis Ende 2027 realisieren lassen. Dies wegen dem Ausbau des Fahrplanangebots des RBS zwischen Solothurn und Bern, der wiederum mit dem Ausbau des Bahnhofs Bern zusammenhängt, der auf diesen Zeitpunkt fertiggestellt sein wird. Und dafür mahlen die Mühlen beim Staat – Projektplanung, Kreditvorlage, Volksabstimmung – dann halt doch etwas zu langsam.

56 Verwaltungsgebäude, davon 30 gemietet

Also zurück auf Feld eins. Die neue Machbarkeitsstudie soll mögliche Grundstücke und allfällig dafür geeignete sowie verfügbare Gebäude ausweisen und sich dabei «an der neuen Arbeitsplatzrealität – gestützt auf die Erfahrungen während der Pandemie – ausrichten». Erste Erfahrungen aus der Pandemie und die zunehmende Digitalisierung liessen vermuten, dass sich der Büroalltag verändern wird, schreibt die Regierung. Will heissen: Mit der vermehrten Möglichkeit zum Homeoffice wird es wohl auch etwas weniger fix einem oder einer Angestellten zugeteilte Arbeitsplätze brauchen.

Die kantonale Verwaltung ist heute in 56 verschiedenen Gebäuden untergebracht. Davon stehen 26 im Eigentum des Kantons, in 30 Gebäuden ist die Verwaltung eingemietet. Von den Gebäuden im Kantonsbesitz stehen 13 unter Denkmalschutz.

Das Gros der Staatsangestellten, rund 1800 Mitarbeitende, arbeitet in Solothurn. Weitere Verwaltungsstandorte sind Grenchen, Oensingen, Balsthal, Olten, Breitenbach und Dornach. In der Stadt Solothurn befinden sich 13 Verwaltungsgebäude (davon acht denkmalgeschützt) in Kantonsbesitz, 14 werden angemietet. Die jährlichen Mietausgaben allein für diese 14 Objekte belaufen sich auf rund sechs Millionen Franken.

Ein Verwaltungsarbeitsplatz beansprucht durchschnittlich 23 m2 Hauptnutzfläche in denkmalgeschützten Gebäuden, 20 m2 in den anderen kantonseigenen Bauen und 17,5 m2 in den Mietobjekten.