Solothurn

Kantonsschüler streiken für den Klimaschutz

Auch in Solothurn demonstrieren am Freitag Schüler mit einem Streik für einen wirksamen Klimaschutz. Hier ein Bild aus Wettingen AG. (Archiv)

Die «Climate Strike»-Bewegung erreicht auch Solothurn. Um die 200 Schüler werden zu einer Kundgebung am Freitagmorgen beim Hauptbahnhof erwartet. Die Kantonsschule Solothurn billigt die Aktion: Wer streiken will, wird für zwei Lektionen dispensiert.

Den Ursprung hat die Bewegung in Schweden. Die 15-jährige Greta Thunberg schwänzte letzten Sommer drei Wochen lang die Schule, um vor dem Parlament gegen die Klimapolitik zu demonstrieren. Noch immer fehlt sie jeden Freitag, um Politikern Beine zu machen. «Die Erwachsenen haben versagt. Sie sagen, der Klimawandel ist eine Bedrohung für uns alle, aber dann leben sie einfach weiter wie bisher. Wir müssen selbst aktiv werden», so die junge Umweltaktivistin. Greta Thunberg ist längst nicht mehr allein. Vor Weihnachten gingen auch in Zürich, Basel, Bern und St. Gallen Hunderte Schüler auf die Strasse. Befeuert wurde die Bewegung hierzulande insbesondere durch das Scheitern des CO2-Gesetzes im eidgenössischen Parlament.

Der Ruf hat nun auch Solothurn erreicht. Auch hier wurden Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule per Whats-App aufgefordert, sich am nationalen Schulstreik für das Klima am kommenden Freitag zu beteiligen. Und von der Resonanz wurden die Initianten regelrecht überrannt. Gerechnet hatten sie vielleicht mit 50 Leuten, doch jetzt haben sich schon über 250 Jugendliche den entsprechenden Chatgruppen angeschlossen. Was als 15-minütige Kundgebung einer kleinen Gruppe vor dem Solothurner Hauptbahnhof angedacht war, könnte sich zum Protestmarsch durch die Stadt ausweiten.

Diesbezüglich sei man noch im Gespräch mit der Polizei, sagt Studentin Julia Hostettler, die bei den Jungen Grünen engagiert ist und auf dem Platz Solothurn als eine Art Mediensprecherin der – überparteilichen, das sei betont – «Climate Strike»-Bewegung fungiert. Da man mit einem viel kleineren Aufmarsch rechnete, habe man bislang keine Bewilligung für eine Demonstration eingeholt.

Es gibt eine Streik-Dispens

Der Begriff Streik ist der Bewegung wichtig. Sie kämpft für das Recht der Jugendlichen, sich mit diesem Mittel für ihr Anliegen einzusetzen. Bei der Kantonsschule Solothurn ist man damit auf offene Ohren gestossen. Die jugendlichen Demonstranten für den Klimaschutz werden hier nicht als Schulschwänzer eingestuft und haben keine Sanktionen zu befürchten, wenn sie am Freitagmorgen dem Unterricht fernbleiben. Wer am Schulstreik teilnehmen will, muss sich bis am Mittwochabend dafür anmelden und wird dann für zwei Lektionen vom Unterricht dispensiert, wie Rektor Stefan Zumbrunn erklärt.

Man sei von den Initianten des Schülerstreiks kontaktiert worden, was «schon einmal ein schöner Zug» sei. Die Schulleitung habe sich darauf recht intensiv mit dem Anliegen auseinandergesetzt und sei zu folgendem Schluss gekommen: In einer Zeit, wo politische Bildung und politisches Engagement eingefordert werden, soll man Jugendlichen auch die Wahrnehmung politischer Grundrechte ermöglichen. Zumbrunn betont, dass es hier nicht um das Thema, sondern ums Prinzip geht: «Man kann den Jugendlichen nicht Passivität vorwerfen und sie dann an einem politischen Engagement hindern.» Es ist bereits vereinbart, mit den Initianten des Schülerstreiks über den kommenden Freitag hinaus im Gespräch zu bleiben. Bei allem Verständnis: Den Unterricht nun jeden Freitag zwei Stunden später zu beginnen, könne natürlich keine Dauerlösung sein, so der Kantirektor. Bis am Dienstagnachmittag hatten sich 45 Kantischüler für die Aktion dispensieren lassen. Geworben wurde dafür aber unter anderem auch an der Berufs- und der Steinerschule.

«Es ist halb eins, nicht fünf vor zwölf», sagt Julia Hostettler. Deshalb fordern die Jugendlichen wirksame Massnahmen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Für Solothurn heisse das zum Beispiel mehr Velos und öffentlicher Verkehr, denn Solothurn sei immer noch eine «extreme Autostadt».

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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