Kantonsratswahlen 2021
In der Amtei Solothurn-Lebern wird Ersatz für zwei Schwergewichte gesucht

Wiederholt sich in der Amtei Solothurn-Lebern die Geschichte für die CVP im Kleinen? Zwei abtretende «Stimmensammler» bringen die Mitte-Partei ins Schwitzen.

Andreas Toggweiler
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Grenchen schwer im Hintertreffen: Bei gleicher Grösse nur halb soviele Kantonsratskandidaten wie Solothurn.

Grenchen schwer im Hintertreffen: Bei gleicher Grösse nur halb soviele Kantonsratskandidaten wie Solothurn.

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Man kennt die Situation vom Regierungsrat, wo die CVP gleich beide Regierungsräte ersetzen muss und will. Die Amteipartei hat hier nämlich mit dem Abgang von alt Kantonsratspräsident Peter Brotschi ­(Gren­­­chen) und Unternehmer Josef Maushart (Solothurn) eine ähnliche Knacknuss vor sich. Die beiden Politschwergewichte haben an den letzten Wahlen zusammen über 10'000 Stimmen für die CVP gesammelt und gehörten zu den Bestgewählten der Amtei.

Doch beide haben jetzt genug. Maushart nach nur einer Legislatur, Brotschi nach einer Politkarriere von drei Legislaturen im Kantonsrat, die er überdies im Grenchner Gemeinderat noch etwas ausklingen lassen will. Denkbar ist, dass Pascal Walter (Solothurn), der vor vier Jahren seinen Sitz Maushart überlassen musste, in den Rat zurückkehrt.

FDP-Deputation mit solider Ausgangslage

Mehr Ausdauer als sein CVP-Unternehmerkollege hat in der siebenköpfigen FDP-Delegation Ypsomed-Chef Simon Michel, der für eine weitere ­Legislatur kandidiert. Nachdem die vor vier Jahren bestgewählte Anita Panzer ihre Karriere im Rat schon früh beendete, darf die FDP froh sein, dass Michel an Bord bleibt. In der siebenköpfigen FDP-Deputation wollen sogar alle Bisherigen weitermachen, was eine komfortable Ausgangslage bedeutet.

Fragen stellen sich dennoch: Wie gut kommt der im Lauf der Legislatur von der BDP zur FDP «konvertierte» Selzacher Markus Dietschi bei der frei­sinnigen Wählerschaft an? Dies zumal listenintern starke Konkurrenz im oberen Leberberg herrscht mit Gabriela Mathys (Bettlach, neu) und Christoph Scholl (Selzach, bisher).

Die SP Solothurn-Lebern zeichnet sich durch eine ansehnliche Fluktuation aus. Von den fünf vor vier Jahren Gewählten treten noch zwei zur Wiederwahl an: Remo Bill, Vize-Stadtpräsident von Grenchen, und Lehrerverbandspräsident Mathias Stricker aus Bettlach. Mit Angela Kummer (Grenchen, Rücktritt letztes Jahr) muss die Uhrenstadt neben Brotschi auf eine weitere Stimmenlokomotive verzichten. Was die nicht unbegründete Angst nährt, dass die ohnehin winzige (im Vergleich mit den anderen Solothurner Städten) Grenchner Deputation wieder geschwächt wird. Über alle Listen gesehen hat Grenchen weniger als halb so viele Kandidierende (29) wie Solothurn (59).

Trendparteien ein städtisches Phänomen

Für die SVP dürfte das Trio Conti, Aschberger und Ritschard fest im Sattel sitzen, ob mehr drinliegt ist aufgrund der tendenziell sinkenden SVP- Wählerzahlen aber offen. Weiterhin spannend dürfte das Abschneiden der Trendparteien Grüne und GLP sein. Beide weisen ein deutliches Übergewicht an städtischen Kandidierenden aus − was in einer Amtei, die allein zwei der drei solothurnischen Städte umfasst, aber nicht ohne Sinn ist. Gespannt sein darf man insbesondere auf das Abschneiden der grünen Stadtpräsidentin-Kandidatin von Solothurn, Laura Gantenbein.

Bei den Grünliberalen ist von Interesse, ob Markus Knellwolf, einst im Kantonsrat für die Amtei Bucheggberg-Wasseramt, nach seinem Comeback aus Graubünden auch in der Amtei Solothurn-Lebern punkten kann. Und natürlich, ob Anke Trittin aus Günsberg vom Bekanntheitsbonus ihres deutschen Bruders, dem grünen Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin, profitieren kann.

Auf einen Blick

Anzahl Mandate: 23 (aktuell 7 FDP, 4 CVP, 3 SVP, 5 SP, 3 Grüne und 1 GLP)

Kandidierende: 153

Anzahl Listen: 9

Frauenanteil: 36 Prozent

Durchschnittsalter: 42,6 Jahre. Die Ältesten und die Jüngsten: jüngster Kandidat Lukas Egli (18 Jahre, FDP Solothurn), ältester Kandidat Ueli Custer- Meier (71 Jahre, CVP Lommiswil)

Gewichtige Rücktritte: Peter Brotschi (CVP), Josef Maushart (CVP), Angela Kummer (SP, Rücktritt 2020), Anna ­Rüefli (SP)

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