Der am 22. Februar 2017 präsentierte Untersuchungsbericht zur am 28. Mai letzten Jahres aufgedeckten Tiertragödie mit 16 toten Rindern in Boningen bildet nicht den Schussstrich unter dieses schlimme Vorkommnis. Der grüne Kantonsrat Felix Lang (Lostorf), der in dieser Angelegenheit im Solothurner Kantonsrat bereits interpelliert hatte, stösst mit einer weiteren Interpellation nach. Denn ihn befriedigt der Untersuchungsbericht überhaupt nicht.

Für Felix Lang steht fest: «Dem involvierten unabhängigen Fachexperten, Professor Michael Hässig, wurden relevante Informationen und Dokumente vorenthalten.» Zum Beispiel die Tatsache, dass bereits am 14. Oktober 2014 keine Meldungen mehr vom fraglichen Betrieb an die Tierdatenbank gemacht wurden. Oder die Fotodokumentation des grausigen Fundes bei der Aufdeckung.

Ebenfalls nicht gewusst habe Experte Hässig, dass die Strohproben aus der Liege- und Lauffläche der Tiere, in der das tödliche Nervengift Botulinum Neurotoxin C/D nachgewiesen wurde, erst nach der Abräumung der Tierkadaver gemacht worden seien.

Seine Feststellungen stützt Lang auf ein nach der Medienkonferenz zum Untersuchungsbericht mit Professor Hässig geführtes Gespräch. Nach diesem kommt Lang zum Schluss, «dass der Professor diesem Bericht vor allem den Schein von Unabhängigkeit, Fachlichkeit und Glaubwürdigkeit geben musste.» Das sei «Manipulation der Medien und der Bevölkerung».

Fall Boningen: Veterinärdienst hat richtig reagiert

Fall Boningen: Veterinärdienst hat richtig reagiert

Im Mai 2016 fand die Polizei auf einem Hof in Boningen (SO) 16 tote Rinder. Der Abschlussbericht zeigt: Der Veterinärdienst hat korrekt gehandelt.

«Grobfahrlässige Kontrolle»

Felix Lang, der bis vor kurzem als Präsident von Bio Nordwestschweiz fungierte, ist überzeugt: «Der Veterinärdienst des Kantons Solothurn verpasste durch die grobfahrlässige, schludrige Kontrolle Ende Juni 2015 die vorzeitige Aufdeckung und somit die Rettung der damals noch lebenden 12 Rinder.» Im Kontrollbericht werde nämlich nicht bestätigt, dass keine systemischen Mängel erkannt worden seien.

Ebenfalls fehle die Bestätigung einer Überprüfung, eines Abgleichs vom aktuellen Stand der Tierdatenbank, obwohl Tiere mit fehlenden Ohrmarken festgestellt worden seien. «Wäre bei dieser Kontrolle ein Abgleich gemacht worden, hätte man einerseits den systemischen Mangel der fehlenden Meldungen seit Oktober 2014 und auf die bereits zu diesem Zeitpunkt verendeten und im Miststock vergrabenen Tiere aufmerksam werden müssen», betont Lang.

«Mutmassungen zurechtgebogen»

Für Lang geht auch in der im Untersuchungsbericht aufgezeigten Terminabfolge einiges nicht auf. So sei am 24. Februar 2016 bei einer Kontrolle die seit Oktober 2014 fehlenden Meldungen an die Tierdatenbank wieder nicht aufgedeckt worden. Es seien keine Tiere vermisst worden. Vier bis sechs Kadaver seien jedoch laut Untersuchungsbericht im Miststock vergraben gewesen, was rund einem Fünftel der Herde entsprochen habe. Und zur Mutmassung der Untersucher, ab März 2016 seien unmittelbar nach der Kontrolle innert drei bis vier Monate 12 Tiere verendet, stellt Lang fest: «Das ist so gar nicht möglich.» Diese Zeitspanne reiche kaum aus für das im Untersuchungsbericht beschriebene Szenario.

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Der Untersuchungsbericht ist in den Augen von Felix Lang «eine sehr tendenziöse Verteidigungsschrift für den Veterinärdienst und die involvierte Kontrollorganisation». Mutmassungen würden so zurechtgebogen, dass sie der Verteidigung des Veterinärdienstes dienten. Die Theorie vom schnellen Tod der Rinder durch Botulismus basiere auf einer fragwürdigen Strohprobe. Stichhaltige Indizien dazu fehlten.

Felix Lang hat mit kritischem Geist alles akribisch aufgearbeitet und in eine Interpellation mit acht Fragen verarbeitet. Ihm gehe es nicht um Verunglimpfungen oder Rechthaberei. Im Gegenteil: «Ich hoffe, dass meine Mutmassungen widerlegt werden können.»

Professor Michael Hässig bestätigt gegenüber dieser Zeitung, mit Felix Lang, den er von Bio Suisse her kenne, gesprochen zu haben. Dabei habe Lang gewisse Informationen und Dokumente erwähnt, «von denen ich nichts wusste.» Im Zusammenhang mit diesen Feststellungen habe Lang nun offenbar Mutmassungen aufgestellt. Er könne zu diesen nicht Stellung beziehen, erklärt Hässig: «Ich habe die Fragen beantwortet, die mir gestellt wurden und mich auf die Akten berufen, die ich erhalten habe.» Ob ihm etwas vorenthalten worden sei, könne er nicht beurteilen.

Peter Studer, Departementssekretär des zuständigen Volkswirtschaftsdepartements in Solothurn, zeigte sich gegenüber dieser Zeitung erstaunt über die Mutmassungen von Felix Lang. Inhaltlich wollte Studer noch nicht Stellung beziehen: «Das werden wir tun, wenn wir die regierungsrätliche Antwort auf die gestellten Fragen vorbereiten müssen.»