Als eine der Möglichkeiten dazu bringt der vom Kantonsrat erheblich erklärte Auftrag von Markus Ammann (SP, Olten) eine Tieferlegung und Teilüberdeckung der Ost-West-Hauptachse in der Gäuebene wieder aufs Tapet.

Die überaus klare Willensäusserung des Kantonsrats kommt überraschend. Zwar hatte die Solothurner Kantonsregierung die vom kantonalen Bauernverband, den Umweltverbänden Pro natura und WWF sowie regionalen Politikern aufgebrachte Forderung nach einer Tunnelführung anfänglich als prüfenswert unterstützt. Doch als das Bundesamt für Strassen (Astra) die Mehrkosten für die Tunnelvariante auf etwa 500 Mio. Franken veranschlagte, rückte der Regierungsrat davon ab: Der Nutzen rechtfertige die hohen Kosten nicht.  Die Regierung wollte deshalb auch den Auftrag Ammann nicht erheblich erklären lassen.

Doch nun hat der Kantonsrat die Meinung seiner vorberatenden Umwelt-, Bau- und Wirtschaftskommission unterstützt und den Regierungsrat zu einer Kehrtwende in Sachen Autobahnprojekt im Gäu verpflichtet. Der Grundsatz des Ausbaus auf sechs Spuren blieb zwar bei den meisten Sprechern unbestritten. Doch der Regierungsrat müsse nun unbedingt die Interessen der betroffenen Bevölkerung im Gäu gegenüber dem Bund energischer vertreten als bisher. Das Projekt für den Ausbau auf sechs Spuren müsse dem Schutz des Kulturlandes und der Natur wie auch dem Lärmschutz viel besser Rechnung tragen. Dazu muss der Regierungsrat nun Alternativen zum aktuellen Astra-Projekt mit landschafts-, natur- und bodenschonenden Massnahmen vorlegen und versuchen, diese beim Bund durchzusetzen.

In der Debatte sprachen sich die SVP und die Mehrheit der FDP gegen den Auftrag Ammann aus, weil eine Tunnelführung der A1 im Gäu unrealistisch sei und nur den Sechsspurausbau verzögere. Das könne sich der Kanton Solothurn nicht leisten. Doch die SP und die Grünen, eine Mehrheit der Mitte-Fraktion CVP/EVP/GLP/BDP und auch eine starke Minderheit der FDP-Fraktion setzten sich vehement für einen umweltverträglicheren Autobahnausbau ein. Mehrere Vertreter der Region Grenchen betonten, dass sich die heutige Generation für die Überdeckung der Autobahn A5 in der Grenchner Witi  bedanke. Die damaligen Mehrkosten spielten heute keine Rolle mehr. Baudirektor Roland Fürst (CVP) wandte ein, es sei schwierig, gegenüber dem Astra plötzlich eine 180-Grad-Wende zu vollziehen, stand mit seinen Bedenken aber auf verlorenem Posten.