Spezielle Förderung
Kantonsrat gibt den Startschuss zu regionalen Kleinklassen

Die Gemeinden finanzieren die Logopädie und der Kanton führt und bezahlt die regionalen Kleinklassen. Mit 64 zu 24 Stimmen segnete der Kantonsrat eine Änderung des Volksschulgesetzes ab.

Elisabeth Seifert
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Viele Lehrerinnen und Lehrer wünschen sich die Wiedereinführung von Kleinklassen.

Viele Lehrerinnen und Lehrer wünschen sich die Wiedereinführung von Kleinklassen.

az-archiv

Eigentlich war kaum zu erwarten, dass die Vorlage im Kantonsrat Anlass zu Diskussionen geben würde. Die von der Regierung vorgeschlagene Änderung des Volksschulgesetzes hatte das Ziel, nötige Instrumente für die Umsetzung der speziellen Förderung zu schaffen.

Zum einen soll die Einrichtung von zehn regionalen Kleinklassen ermöglicht werden. Sinn dieser Kleinklassen ist es, verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler zwischen drei und neun Monaten zu betreuen. Im Anschluss daran werden diese dann, falls möglich, erneut in die Regelklassen integriert.

Kindern mit grösseren Problemen stehen verschiedene Sonderschuleinrichtungen zur Verfügung. Zum anderen wird mit der Änderung des Volksschulgesetzes die Finanzierung des Logopädieunterrichts neu geregelt. Während der Kanton Führung und Finanzierung der Kleinklassen übernimmt, berappen die Gemeinden die Logopädie. Ein Tauschgeschäft, bei dem die Gemeinden erst noch besser wegkommen als der Kanton.

Gnadenfrist für Einführungsklassen

Es waren denn auch weniger diese gesetzlichen Änderungen, die eine kleine Debatte im Kantonsrat auslösten. Vielmehr befürchteten insbesondere Vertreter der Mittefraktion (CVP, EVP, GLP, BDP), dass diese Gesetzesrevision Auswirkungen auf den vom Kantonsrat im Dezember beschlossenen Schulversuch 2014 bis 2018 haben würde.

Konkret: Wird den wenigen Schulträger auf Primarschulstufe und der Sekundarstufe I, die noch an Einführungs- und Kleinklassen festhalten, dies bis zum Ende des Schulversuchs weiterhin möglich sein? «Schulen, die noch nicht umgestellt haben, können bis 2018 am altrechtlichen Modell festhalten», nahm Bildungsdirektor Remo Ankli entsprechenden Befürchtungen den Wind aus den Segeln. «Für diese Schulen ändert sich gar nichts, die nötigen Ressourcen werden ihnen bewilligt», unterstrich der Bildungsdirektor.

Die beantragten Änderungen des Gesetzes betreffen vielmehr all jene Schulträger – und das sind die meisten im Kanton – die bereits auf die spezielle Förderung umgestellt haben. Nicht mehr möglich sei es allerdings, so Ankli, dass Schulen, die bereits nach dem integrativen Modell unterrichten, wieder zu den Einführungs- und Kleinklassen zurückkehren können; jedenfalls nicht bis zum Ende des Schulversuchs im Jahr 2018. Mit 64 zu 24 Stimmen befürwortete der Rat die vorgeschlagenen Änderungen. Nein sagte vor allem die SVP, die sich grundsätzlich nicht mit der integrativen Schule anfreunden kann.

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