Bildung
Kantonsrat findet: Berufslehre muss nicht noch stärker vermarktet werden

Der Solothurner Kantonsrat will, dass die Berufsbildung offensiv vermarktet wird – ist jedoch gegen neue Massnahmen.

Sven Altermatt
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Gleich zwei Vorstösse drehten sich um die Berufslehre.

Gleich zwei Vorstösse drehten sich um die Berufslehre.

Oliver Menge

Nicht nur Politiker betonen es gerne und oft: Die duale Berufsbildung ist ein Erfolgsmodell. Lehrlinge werden am Arbeitsplatz und in der Schule ausgebildet, alles ist strikt auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet. Doch müssen die Vorzüge der Berufslehre noch stärker vermarktet werden? Gleich zwei Vorstösse im Kantonsrat drehten sich am Dienstag um diese Frage.

Einstimmig folgte der Kantonsrat einem Auftrag von Urs von Lerber (SP, Luterbach) – um ihn dann mit grossem Mehr gleich wieder abzuschreiben. Darin forderte von Lerber eine «Informationsoffensive Berufsbildung» vor dem Übertritt in die Sekundarschule. Zu diesem Zeitpunkt seien nämlich besonders die Eltern noch kaum über die «vielfältigen Laufbahnmöglichkeiten» informiert, sagte er. «Sie erachten den Weg über die Sek P und die Matura oft als einziges Ziel.»

Konkret verlangte von Lerber, dass die Behörden etwa an Elternabenden «vermehrt und gezielt» über entsprechende Möglichkeiten informieren. Der Regierungsrat zeigte Verständnis dafür. «Man muss frühzeitig über die Angebote orientieren», sagte Bildungsdirektor Remo Ankli (FDP) in der Ratsdebatte. Trotzdem ist die Regierung – und mit ihr die Mehrheit des Kantonsrats – der Ansicht, dass die bestehenden Massnahmen ausreichend seien.

Die Fraktionssprecher verwiesen auf spezifische Angebote wie die vom kantonalen Gewerbeverband organisierten Infoveranstaltungen zur dualen Berufsbildung für Eltern von Schülern der 5. und 6. Klasse. Die Schulleitungen würden über das Angebot informiert, sagte Tamara Mühlemann Vescovi (CVP, Zuchwil) namens der Bildungskommission. Auch Marco Lupi (FDP, Solothurn) fand: «Es wurde schon viel unternommen.» Derweil warben Mathias Stricker (SP, Bettlach) und Doris Häfliger (Grüne, Solothurn) vergeblich für von Lerbers Anliegen.

Berufsvorbereitung für die Sek P

Warum können nicht alle Schulkinder eine «umfassende Berufsorientierung» durchlaufen? Das fragte Josef Maushart (CVP, Solothurn) in einer Interpellation. Während Schüler der Sek B und der Sek E in den Genuss von Lektionen zur Berufsorientierung kommen, fehle dieser Unterricht in der Sek P, kritisierte er. Laut einer Weisung des Bildungsdepartements sind lediglich freiwillige Kurse vorgesehen.

Ein Problem sah der Regierungsrat darin nicht, im Gegenteil: Derzeit werde die Besonderheit der Sek P als progymnasiales Niveau noch zu wenig herausgestrichen, während die Sek E als Vorbereitungszug für «anspruchsvolle Berufslehren» gestärkt werden sollte.

Auch die Sprecher der Fraktionen folgten dieser Einschätzung, gleichzeitig wurde allenthalben betont, wie wichtig eine hohe Durchlässigkeit sei. Felix Wettstein (Grüne, Olten) erinnerte daran, dass der erste Jahrgang nach der Sek-I-Reform erst diesen Sommer die Matura abgeschlossen hat. «Man muss der Sek P jetzt etwas Zeit geben», forderte er, «dann kann man die Situation konkret beurteilen.»

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