Interview
Kantonsoberförster zum Problem der Biker im Wald: «Wir müssen das Waldgesetz ändern»

Rolf Manser, Kantonsoberförster und Chef des Amtes für Wald, Jagd und Fischerei, reagiert auf das Problem der Biker im Wald.

Jocelyn Daloz
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Rolf Manser, Chef Amt für Wald, Jagd und Fischerei.

Rolf Manser, Chef Amt für Wald, Jagd und Fischerei.

Bruno Kissling

Was ist grundsätzlich erlaubt im Wald bezüglich Velo?

Rolf Manser: Der Regierungsrat hat in seiner Antwort vom 18. Februar zur Interpellation von Nicole Hirt auf den Artikel 43 des nationalen Strassenverkehrsgesetzes hingewiesen: Dort ist klar formuliert, dass Wanderwege nicht für Fahrräder gedacht und somit für diese verboten sind. Damit wäre die Lage eigentlich klar, aber die Umsetzung ist von Kanton zu Kanton höchst unterschiedlich. So sind zum Beispiel im Kanton Graubünden die Wanderwege den Biketrails gleichgestellt.

Wie hat es der Kanton Solothurn gelöst?

Meines Wissens gibt es im Kanton Solothurn keine weiterführenden Gesetzesgrundlagen oder Erläuterungen. Es gilt grundsätzlich der erwähnte Artikel im nationalen Strassenverkehrsgesetz.

Also darf man als Biker keine Wanderwege befahren?

Sagen wir es so: Wer den Wortlaut so interpretiert, liegt sicher nicht falsch. Mir ist aber noch kein Fall bekannt, wo jemand dafür sanktioniert worden ist.

Besteht aus Ihrer Sicht Handlungsbedarf?

Ganz klar, ja. Wir erhalten insbesondere von Seiten der Jägerschaft Rückmeldungen, dass der Wald von Bikern zunehmend befahren wird und somit die Störung des Wildes stark zunimmt. Das Konfliktpotenzial zwischen den Waldnutzenden und der Natur nimmt seit längerem zu und ist während der Coronakrise angestiegen. Dies übrigens in der ganzen Schweiz.

Könnte Peter Brotschis Vorstoss für Rangerkräfte im Wald ein Lösungsansatz sein?

Der Regierungsrat wird den Vorstoss bis nach den Sommerferien beantworten. Ranger werden in anderen Kantonen in Gebieten mit hoher Erholungsnutzung bereits eingesetzt. Ich halte den Ansatz auch für interessant, aber Vor- und Nachteile müssen sorgfältig abgewogen werden. Ich kann mir ebenfalls vorstellen, dass es nicht immer ein angenehmer Job ist. Peter Brotschis Vorstoss richtet sich dabei auf die Vollzugsseite, wo sicher grosser Handlungsbedarf besteht. Es sind aber durchaus ergänzende Lösungswege vorstellbar.

Können Sie Beispiele nennen?

Im Rahmen der forstlichen Planung werden dem Wald vorrangige Funktionen zugeschrieben: Ein Schutzwald dient dem Schutz vor Naturgefahren wie Steinschlag, Waldreservate dienen der Erhaltung der Biodiversität. Denkbar wäre, dass auch Wälder ausgeschieden werden, wo die Erholung im Vordergrund steht. Dies könnte eine Grundlage für eine differenzierte Lenkung der Erholung und somit unter anderem auch für das Befahren von Wald mit Velos oder Ähnlichem sein. Das wird aber Zeit in Anspruch nehmen, und mit grosser Wahrscheinlichkeit müssen wir dafür das Waldgesetz ändern. Diesen Prozess wollen wir nächstes Jahr starten.

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