Fachhochschule Olten, Justizvollzugsanstalt Deitingen, Sanierung Museum Altes Zeughaus, Berufsbildungszentrum Solothurn – und als krönender Abschluss das neue Bürgerspital: Wie fühlt man sich als oberster Baumeister des Kantons mit einer solchen Hinterlassenschaft?

Bernhard Mäusli: Es ist ein gutes Gefühl – weil auch alles gut herausgekommen ist. Aber es ist ja nicht das Werk eines Einzelnen, es brauchte dazu ein gutes Team, gute Mitarbeiter, ein gutes Umfeld, sonst wäre so etwas gar nicht möglich gewesen.

Sprechen wir über Ihr letztes Grossprojekt: Das Bürgerspital. Was gefällt Ihnen am besten am Neubau?

Dass man beim Betriebskonzept und beim architektonischen Konzept von Anfang an die eingeschlagene Linie beibehalten konnte. Am Anfang stand ja ein Wettbewerb. Das Siegerprojekt setzte sich gegen 20 andere durch und inzwischen zeigt sich, dass dies die richtige Wahl war. Der Bau erlaubt eine grosse Flexibilität und Wandelbarkeit, das hat sich jetzt schon erwiesen.

Inwiefern?

Indem man die Aufteilung neuen Bedürfnissen anpassen kann. Die Ansprüche ändern sich und Flexibilität ist deshalb ein zwingendes Erfordernis.

Können sie konkrete Beispiele für bereits erfolgte Anpassungen nennen?

Aufgrund verschiedener Ereignisse im Umfeld der Solothurner Spitäler AG (soH) mussten über 60 Projektänderungen vorgenommen werden: kleinere und grössere. Ein Beispiel ist die Geburtenabteilung: Diese musste deutlich vergrössert werden, weil die Klinik Obach ihre Geburtenabteilung aufgegeben hat. Trotz allem werden wir den Kredit von 340 Mio. Franken einhalten können.

Kritiker sprechen von einem Luxusbau: Stichwort Parkettböden in den Patientenzimmern.

Diesen Anschein mag der Neubau vielleicht auf den ersten Blick erwecken. Aber was wir gemacht haben, ist nachhaltig. Wir schauten immer auf die Lebensdauer und die Nachhaltigkeit der Materialen im Betrieb und ich glaube, das haben wir gut gelöst. Manches sieht auch etwas teurer aus als es in Wirklichkeit ist. Abgesehen davon, dass ein schönes Umfeld für die Patienten den Genesungsprozess sicher auch positiv beeinflusst.

Dennoch: Sind Parkettböden wirklich eine geeignete, strapazierfähige Lösung für ein Spital?

Ganz sicher sind sie praxistauglich! So, wie wir sie behandelt haben, ist die Oberfläche geschlossen und sehr robust. Natürlich brauchen die Holzböden Pflege – wie jeder andere Boden ebenso. Auch bei anderen Spitalneubauten in der Schweiz geht man übrigens in Richtung nachhaltigere Materialien wie Holz.

Wenn Sie den Neubau mit dem Altbau, der bald abgerissen werden soll, vergleichen: Was sind die grössten qualitativen Unterschiede?

Der Altbau stammt aus einer ganz anderen Zeit, den 70er-Jahren. Damals hat die Energie keine Rolle gespielt – nur die Geschwindigkeit und möglichst tiefe Kosten zählten. Baulich war man im Altbau wegen der allesamt tragenden Betonelemente völlig unflexibel. Der Bau ist eine richtige Energieschleuder – kein Vergleich zu heutigen Bauten. Und was die Baumaterialien betrifft: Damals wurden noch Asbest und PCB verwendet – beides Materialien, deren Einsatz damals selbstverständlich war – aber längst verboten ist.

Materialien, die beim Rückbau ein grosses Problem darstellen werden?

Tatsächlich. Von den Rückbaukosten von 7,7 Mio. Franken fallen rund 2 Mio. für die aufwendige fachgerechte Entfernung und Entsorgung der Asbest- und PCB-haltigen Bauteile an.

Wo sind diese Materialien damals verwendet worden – als Spritzasbest?

Nein, solchen hat es keinen mehr. Es geht vor allem um Plättli und Bodenbeläge, die mit asbesthaltigem Klebstoff verlegt und mit PCB gefugt worden sind. Oberflächlich ist aber kein Asbest vorhanden.

Der Neubau stösst energetisch und baulich in heutige Dimensionen vor. Aber Hand aufs Herz: Ist dabei nicht eher auf die Ästhetik, statt auf die Praxistauglichkeit geschaut worden?
Keineswegs. Das gewählte Projekt hat eben genau wegen seiner der Flexibilität gesiegt, die es innerhalb der tragenden Stützen und des grossen Rasters erlaubt. Dazu kommen die saubere Trennung zwischen Patienten und Besuchern sowie die gefällige L-förmige Anordnung.

Themenwechsel: Der Boden wird immer knapper. Welche Rolle spielt der Kanton in Sachen Ressourcenschonung?

Was das Hochbauamt betrifft, sehen wir, dass das Land immer knapper und auch wertvoller wird. Der Boden ist ein endliches Gut und nicht vermehrbar. Das wird auch auf die Landpreise Einfluss haben und Objekte oder Flächen, die heute noch als «abgelegen» gelten, werden plötzlich auch attraktiv.

Kommt der Kanton seinem Vorbild-Auftrag genügend nach?

Ich darf sagen, dass bei allen Projekten, die das Hochbauamt bearbeitet, die Aspekte der Ökologie und der Nachhaltigkeit einen möglichst grossen Stellenwert haben. Ohne Experimente, sondern auf sicheren Werten basierend.

Die Gemeindeautonomie wird im Solothurnischen grossgeschrieben: Die Probleme machen aber nicht an Gemeindegrenzen halt. Oft käme man gemeinsam doch weiter?

Als Berner bin ich mir tatsächlich nicht gewohnt, dass die Gemeinden eine so grosse Autonomie geniessen. In den 17 Jahren, in denen ich in Solothurn arbeite, habe ich gelernt, damit umzugehen. Wie alles, hat die starke Gemeindeautonomie ihre Vor- und Nachteile. Ein Nachteil ist sicher, dass gewisse grössere Entwicklungsmöglichkeiten behindert werden. Es ist alles viel aufwendiger – und gemeinsam könnte man möglicherweise oft mehr erreichen.
Gibt es Fortschritte in Richtung gemeinsames Denken und Handeln?
Am Anfang hatte ich schon dass Gefühl, dass der Kanton für die Gemeinden ein Feindbild darstellt. Das hat sich inzwischen doch geändert, die Akzeptanz ist besser geworden und viele Projekte konnten in gutem Einvernehmen mit den Gemeinden realisiert werden.

Seit 2010 Kantonsbaumeister, zuvor schon Stellvertreter: Was war der schwierigste Konfliktfall, den Sie zu lösen hatten?

Da denke ich weniger an ein bestimmtes Projekt. Es geht mehr um die Personalführung. Diese ist sehr anspruchsvoll in der Verwaltung. Ich habe – samt Hauswart und Reinigungskräften – rund 130 Personen zu führen. Die gestiegene Anspruchshaltung mancher Mitarbeiter macht die Personalführung nicht leichter. Die Projektarbeit hat mir nie schlaflose Nächte bereitet – aber bei Personalangelegenheiten gab es schon die eine oder andere schwierige Situation.

Und die erfreulichste Erfahrung?

Eine davon ist sicher der Umbau des Museums Altes Zeughaus in Solothurn. Der Verein der Freunde des Museums hat sich anfänglich mit Händen und Füssen gegen die Sanierung gewehrt. Im Nachhinein konnten sie dann doch bekennen, dass es sehr gut herausgekommen ist.

Sie gehen in den Ruhestand und hinterlassen dem Kanton ein paar Sorgenkinder: Das Kapuzinerkloster Solothurn, die Fridau Egerkingen, die Klinik Allerheiligenberg. Wie ist der Stand der Dinge bei diesen grossen, leerstehenden Objekten?

Beim Kapuzinerkloster läuft noch immer ein Gerichtsverfahren wegen der Zwischennutzung. Aber effektives Ziel ist ohnehin eine langfristige Lösung. In der Vergangenheit sind alle Projekte an der Finanzierung gescheitert. Mitunter gab es auch etwas undurchsichtige Finanzierungsmodelle. Momentan haben wir wieder interessante Lösungsvorschläge auf dem Tisch. Der Kanton will aber nicht selber Geld investieren, das muss von Investoren kommen. Jemanden zu finden, der praktisch ohne Renditeaussichten investiert, ist schwierig.

Dazu kommen ja auch die geltenden restriktiven Nutzungsbeschränkungen …

Ja, das kommt noch dazu, dass wir hier in einem ganz schwierigen Umfeld sind. Und: Im Kanton gibt es schliesslich noch einige weitere Klöster und Kirchen, bei denen sich in den nächsten Jahren die Frage stellt, was man mit diesen Bauten macht – denn man kann sie ja nicht einfach verlottern lassen.

Und wie stehts um die ehemaligen Klinik Fridau?

Da gibt es im Moment einen Antrag für eine Nutzung im Grenzbereich Hotellerie/Gesundheitswesen. Hier muss in Zusammenarbeit mit anderen Amtsstellen die Realisierbarkeit geklärt werden. Denn der Kanton will explizit keine Neunutzung, mit der die Spitalbettenkapazität erhöht und die öffentliche Hand kostenpflichtig wird.

Gibt’s Neues zur ehemaligen Höhenklinik Allerheiligenberg?

Dort stellt sich die gleiche Problematik. Immerhin läuft hier eine Zwischennutzung mindestens für das ehemalige Personalhaus. Dieses wird von der Transportfirma Murpf als Personalunterkunft genutzt. Das hilft uns, die laufenden Unterhaltskosten zu finanzieren. In der Klinik sind vorübergehend auch schon Betagte untergebracht worden, deren Altersheime renoviert worden sind.

Welche Tipps geben Sie Ihrem Nachfolger Guido Keune weiter?

Ich konnte von meinem Vorgänger schon ein funktionierendes Amt übernehmen und habe das Gefühl, dass ich ein gut aufgestelltes Amt, mit guten Leuten, an ihn übergeben kann. Er wird das Hochbauamt so führen, wie er das für richtig hält und er wird das gut machen.

Noch bis Ende Juli sind Sie Herr über 350 Gebäude und 730 Grundstücke im Kanton. Nach der Pensionierung wird es nur noch das eigene Haus mit Garten in Utzenstorf sein. Das erfordert eine grosse Umstellung …

Ja, die wird sehr gross sein. Aber ich freue mich. Ich habe mein Leben lang immer mit Projekten gearbeitet: Die haben angefangen und wurden einmal abgeschlossen, dann kamen die nächsten. Klar, bei jedem Projektende spielte auch etwas Wehmut mit – doch das gehört dazu. Vor allem werden mir sicher die Leute fehlen, mit denen ich zusammengearbeitet habe.

Ins berühmte «Loch» wird der Alt Kantonsbaumeister aber nicht fallen?

Ich habe ganz viele Ideen – und nun bin ich gespannt, welche davon ich in Projekte umwandeln werde.