Jeder Fischer soll künftig etwas an die Hege bezahlen. Das fordert der Solothurner Kantonale Fischereiverband (SOKFV). Mit einem Volksauftrag will er erreichen, dass der Kanton diesen Betrag bei allen Fischerinnen und Fischern jährlich einzieht.

An seiner Delegiertenversammlung in Balsthal gab der Verband den offiziellen Startschuss für die Unterschriftensammlung. Es war das wichtigste Geschäft, das die 36 stimmberechtigten Delegierten in Balsthal beschlossen.

Erstunterzeichner ist Verbandspräsident Marco Vescovi. Die Unterschriftensammlung soll bis zum 16. März, dem Tag der Fischerei-Eröffnung auf Forellen, abgeschlossen sein.

10 Franken pro Fischer?

Der Hintergrund: Die im Kantonalverband zusammengeschlossenen Vereine erfüllen zahlreiche Aufgaben in der Hege und Pflege der Gewässer und Fischbestände. Mit ihren Kursen stellen sie die Ausbildung der angehenden Jünger Petri sicher.

Diese Aufgaben werden von den Vereinsmitgliedern ehrenamtlich und in Fronarbeit übernommen. Von ihrem Engagement profitieren aber nicht nur die Vereinskameraden, sondern sämtliche Personen, die dem Fischereihobby frönen.

Seit 2009 ist der Fischfang im Kanton in einem Patentsystem geregelt. Das Lösen des Fischereipatents ist jedoch nicht an eine Vereinsmitgliedschaft gebunden. Dieses System hat zwar die Fischerei stark vereinfacht und attraktiver gemacht. Die Motivation, sich für sein Hobby in einem der Fischereivereine zu engagieren, wurde jedoch deutlich geringer.

Um die Fischer, die sich am Vereinsleben weder finanziell noch durch «ManPower» beteiligen und blosse Nutzniesser deren Wirkens sind, sollen wenigstens durch einen jährlichen Hegebeitrag die Arbeit der Fischereivereine vergelten.

In seinem Jahresbericht wies der Kantonalpräsident Marco Vescovi darauf hin, welche grosse Arbeit der Leistungsauftrag den Vereinen anvertraut. Sie zu leisten, ist nicht selbstverständlich; auch Mitglieder zu finden, die einen oder zwei Freitage im Jahr für die Fischerei opfern, werde schwieriger.

An Fischer-Nachwuchs fehlt es nicht, wohl aber am Vereins-Nachwuchs. Dies, obwohl die Kurse immer gut besucht werden.

Der Kanton Aargau kennt den Betrag bereits seit der Totalrevision des Fischereigesetzes 2013. Der Aargauische Fischereiverband erhält vom Kanton pro Freianglerkarte 10 Franken Hegebeitrag.

Diskussionen um Moratorium zu Forellen-Besatz

Nach wie vor ein Augenmerk liegt für den Verband auf der Erhaltung und Schaffung von Lebensräumen für die Fische. Seitenbäche sind zu öffnen, damit Forellen aufsteigen und laichen können.

Eine gute Methode ist das Versenken von Tannen in den Gewässern. Blosses Aussetzen von Jungfischen bringt wenig. Ein Moratorium beim Besatz mit Forellen wird noch Anlass zu Diskussionen geben.

Die fünf Mitglieder der Geschäftsleitung des SOKFV stellten sich alle für eine Wiederwahl zur Verfügung. Die Delegierten bestätigten sie mit Applaus für weitere zwei Jahre im Amt.

Die Geschäftsleitung besteht also wie bisher aus Marco Vescovi (Präsident), Sepp Käser (Vizepräsident und Sekretär), Max Bobst (Finanzen), Michael Haberstich (Bereichsleiter Fischereiaufsicht) und Stephan von Däniken (Besatz).

Mit dem Beitritt der Pachtvereinigung Mühlebach im Bucheggberg erhält der Kantonalverband ein neues Element.

Zwei neue Ehrenmitglieder

Roberto Zanetti, der Präsident des Schweizerischen Fischereiverbandes (SFV) berichtete von den ersten Monaten im neuen Amt als Zentralpräsident. Als Vertreter der Fischer werde er auch in Bundesbern gefordert.

Der SFV hatte sein Initiative «Lebendiges Wasser» zugunsten der Gesetzesrevision zurückgezogen. Es gibt nun Kräfte im Nationalrat, welche das Gewässerschutzgesetz verwässern wollen. Wer hier gegen Treu und Glauben agiert, produziert staatspolitischen Flurschaden, der schwer wieder gutzumachen ist, schloss Zanetti.

Die Delegierten des SOKFV wählten Peter Nützi, Präsident des FV Wolfwil und seit bald 50 Jahren Mitglied, sowie Michael Haberstich, Präsident des FV Olten, zu Ehrenmitgliedern.

Die Versammlung dankte auch Christian Dietiker, dem OK-Präsident des Tags der Fischerei diesen Sommer in Olten. Dietiker seinerseits gab den Dank an die OK-Mitglieder und alle freiwilligen Helfer weiter.