Kanton Solothurn
Kantonale Asylzentren und Bundeszentrum Flumenthal verzeichnen nur wenige Corona-Erkrankungen

Wo Menschen auf engem Raum zusammenleben (müssen), hat es das Coronavirus besonders leicht. Doch dank umfangreicher Sicherheitsmassnahmen meisterten die Asyleinrichtungen im Kanton die Herausforderungen gut.

Urs Mathys
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Asylunterkunft Fridau Egerkingen

Asylunterkunft Fridau Egerkingen

Die Meldung hatte Anfang April zu Sorgen Anlass gegeben: «Vier Asylsuchende im Durchgangszentrum Selzach sind positiv auf das Coronavirus getestet worden», hiess es damals. Und die Frage lag in der Luft, ob die beengten Verhältnisse eines Asylzentrums überhaupt die für eine Eindämmung erforderlichen Hygiene- und Vorsichtsmassnahmen zulassen können. Doch offensichtlich zahlte sich aus, dass in allen kantonalen Durchgangszentren vorsorglich Bereiche für die separate Unterbringung und Betreuung Erkrankter definiert worden waren.

So geschah es im Zentrum Selzach, das vorübergehend als Ganzes unter Quarantäne gestellt wurde und wo letztlich insgesamt fünf Personen effektiv erkrankten. Eine Hospitalisierung sei nicht nötig geworden, vermeldet auf Anfrage Sandro Müller, designierter Chef des Amts für soziale Sicherheit (ASO): «Sämtliche betroffenen Personen wiesen glücklicherweise einen milden Krankheitsverlauf auf und sind inzwischen wohlauf.» Aktuell gebe es in den kantonalen Zentren – Selzach, Oberbuchsiten, Balmberg und Egerkingen – weder Covid-Erkrankungen noch befänden sich Personen in Quarantäne. Entsprechend hat der Kantonsarzt auch die am 27. März erlassenen Massnahmen – Urlaubsverbot sowie ein kontrolliertes Besuchsrecht – per 6. Juni wieder aufgehoben.

Geringerer Asylbewerber- Zustrom kam gelegen

Die rückläufigen Zuweisungen seitens des Bundes und die Eröffnung eines temporären Durchgangszentrums in der «Fridau» in Egerkingen erlaubten dem Kanton als zusätzliche Vorsichtsmassnahme eine ausgedünnte Belegung der Durchgangszentren. Wie Müller ausführt, beträgt die durchschnittliche Belegung der Zentren nach wie vor nur rund 50 Prozent. Die Zuweisung neuer Asylbewerber an die Kantone sei zahlenmässig derzeit «moderat».

Noch sei es aber auch im Asylbereich zu früh, Entwarnung zu geben, hält der ASO-Mann mit Blick auf eine mögliche zweite Corona-Welle fest. So stehe die «Fridau» nach Absprache mit der Gemeinde Egerkingen «während der Dauer der Pandemie» weiterhin als Unterkunft zur Verfügung, doch die Belegung werde in den nächsten Wochen sukzessive heruntergefahren. Allerdings: «Die ‹Fridau› wird danach als Reservestruktur für den Fall einer zweiten Welle auf Standby bereitgehalten.» Müller: «Wir erachten es als wichtig, die zusätzlichen Strukturen zur Bewältigung der Pandemie nicht voreilig wieder aufzugeben, so dass bei einer zweiten Welle innert kürzester Zeit auf neue Gegebenheiten reagiert werden kann.» Sollte die gefürchtete zweite Welle eintreffen, dann kann man gemäss Müller auf den Erfahrungen aufbauen: «Die notwendigen Konzepte für die verschiedenen Eskalationsstufen sind erstellt und können bei Bedarf unmittelbar umgesetzt werden.»

Erfahrungen der ersten Welle werden ausgewertet

Beim Amt für soziale Sicherheit wird grundsätzlich ein positives Fazit zur herausfordernden Zeit der ersten Corona-Welle gezogen. Dabei sei die Flexibilität aller Beteiligten gefordert gewesen, betont Sandro Müller. Er lobt denn auch die gut funktionierende Zusammenarbeit mit dem beauftragten Betreuungsdienstleister ORS und dem kantonsärztlichen Dienst.

Derzeit sei das Amt für Soziale Sicherheit daran, «die Auswirkungen der Corona-Pandemie systematisch auszuwerten», heisst es zur Frage, ob aus den Erfahrungen bei der ersten Welle Konsequenzen zur Vorbereitung auf eine mögliche zweite Welle gezogen werden müssen. Gestützt darauf werde zu prüfen sein, «ob und welche Anpassungen im Unterbringungssystem vorgenommen werden müssen».

Vier Erkrankungen in Flumenthal

Bundesasylzentrum Eine Entspannung an der Coronafront vermeldet das Staatssekretariat für Migration (SEM) auch für das Bundesasylzentrum (BAZ) in Flumenthal. Dort waren seit Anfang März insgesamt drei Asylsuchende und ein Betreuender am Covid-19-Virus erkrankt. Niemand von ihnen musste in Spitalpflege verbracht werden, wie von SEM-Sprecher Reto Kormann zu erfahren ist. Seit Anfang Mai seien keine Infizierten mehr zu verzeichnen. Schweizweit waren gemäss Kormann nie mehr als 25 Asylsuchende und Betreuende gleichzeitig an Covid-19 erkrankt. Betroffene Asylsuchende seien zentral in Allschwil in Quarantäne gebracht und dort betreut worden.

Die vom Kantonsarzt angeordneten Massnahmen (unter anderem nächtliches Ausgangsverbot an Wochenenden) seien inzwischen wieder aufgehoben worden, so Kormann weiter: «Seit dem 6. Juni gilt wieder die alte Hausordnung mit Ausgangszeiten von 9 bis 17 Uhr unter der Woche und einem Wochenendausgang von Freitag, 9 Uhr, bis Sonntag, 20 Uhr.»

Wie wurde die besondere Situation im Zentrum bewältigt – gab es Disziplin-Probleme? Der SEM-Sprecher nennt zwar «wiederholte Verstösse gegen die kantonsärztliche Verfügung, die zu Anzeigen führten» sowie die vereinzelte Nichteinhaltung der Ausgangszeiten, doch sei die Situation während der Dauer der Massnahmen «insgesamt verhältnismässig ruhig» gewesen.
Die besonderen Verhaltens- und Hygienemassnahmen hätten das Personal vor neue Herausforderungen gestellt, so Kormann. Doch der permanente Dialog und das in 16 Sprachen vorliegende Informationsmaterial hätten geholfen, die Asylsuchenden über die Gefahren des Virus und die Verhaltensregeln aufzuklären. Während im April/Mai rund 100 Asylsuchende im BAZ untergebracht waren, sind es aktuell 54 (bei möglichen 250 Plätzen). Bei einer Normalisierung der Situation ist laut Kormann aber wieder mit einer sukzessiven leichten Zunahme der Eintritte in die Bundesasylzentren zu rechnen. (ums.)