Steuerrechnung

Kanton zahlt Frühzahlern höhere Zinsen als Banken den Sparern

Der frühzeitige Gang auf das Steueramt wird mit einem Vergütungszins für Vorauszahlungen belohnt.

Der frühzeitige Gang auf das Steueramt wird mit einem Vergütungszins für Vorauszahlungen belohnt.

Deutlich mehr als die Hälfte der Steuerpflichtigen im Kanton Solothurn zahlt ihren Obolus im Voraus und profitiert von einem Vergütungszins, der höher ist als der Sparzins.

Die Zinsen sind im Keller. Gelder auf den Sparkonten bei den Banken werfen – wenn überhaupt – nur mickrige Zinserträge ab . Im Vergleich dazu bieten die kantonalen Steuerämter fast traumhafte Zins-Konditionen. In deren Genuss kommen jene Steuerzahler, welche die provisorische Steuerrechnung vor dem Verfalltag bezahlen. Landesweit ist die Spannweite der Vergütungszinsen auf den Vorauszahlungen gross – von 2,0 Prozent in den Kantonen Glarus und Obwalden über 1,5 Prozent im Kanton Zürich bis hin zu 0,2 Prozent im Kanton Baselland. Im Solothurnischen liegt der Zinssatz bei 0,25 Prozent.

Ebenso unterschiedlich ist die Dauer, in welcher der Steuerzahler vom Vergütungszins profitieren kann. Im Kanton Zürich etwa werden alle Steuerzahlungen in der jeweiligen Steuerperiode bis zur Zustellung der definitiven Schlussrechnung verzinst. Im Kanton Solothurn gilt ein anderes Regime. Hier ist der Stichtag der 31. Juli, der Verfalltag der provisorischen Steuerrechnung, wie Marcel Gehrig, Chef des Steueramtes erläutert. Deutlich mehr Zins gibt es für zu viel verlangte und bezahlte Steuern. Der Rückerstattungszins beträgt 3 Prozent. Im Vergleich zum Sparkonto sind die Zinserträge für einen durchschnittlichen Steuerzahler zwar deutlich höher, aber berauschend sind sie nicht (siehe Kasten).

Hauptmotiv ist nicht Zinsertrag

Deshalb ortet Gehrig das Hauptmotiv für Vorauszahlungen denn auch nicht im Zinsertrag. Es seien eher psychologische Faktoren. «Der Steuerpflichtige weiss dann frühzeitig im Jahr, welcher Betrag für die Lebenshaltungskosten übrig bleiben wird.» Und damit es wirklich einschenken könnte, müssten die vorausbezahlten Steuerbeträge sehr hoch sein. «Und diese Steuerpflichtigen haben in der Regel andere Anlagemöglichkeiten.»

Trotzdem. Offenbar kommen immer mehr Steuerpflichtige auf den Geschmack. Dies zeigen zumindest die Zahlen im Kanton Bern. Dort ist die Anzahl der «vorauszahlenden Kunden» 2014 gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent, gegenüber 2012 gar um 68 Prozent gestiegen. Frankenmässig beträgt das Plus 23 respektive 43 Prozent. Ein grosser Anteil der Zunahme sei wohl dem anhaltend tiefen Zinsniveau zuzuschreiben, erklärt Yvonne von Kauffungen, Sprecherin der Steuerverwaltung Kanton Bern. Diese Entwicklung kann Marcel Gehrig mangels Erhebung für den Kanton Solothurn so nicht bestätigen, der Anteil sei aber hoch. «Deutlich mehr als die Hälfte der rund 165 000 natürlichen Personen zahlen die Steuern im Voraus.»

Weniger Fremdkapital

Für die Kantone sind die Vorauszahlungen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erhalten sie im Normalfall dadurch zusätzliche «günstige» Liquidität und müssen weniger «teureres» Fremdkapital aufnehmen. Andererseits gilt der Normalfall im aktuellen Zinsumfeld nicht. Die Vergütungszinssätze sind höher als die Kurzfrist-Zinssätze am Geldmarkt, ergo resultieren für den Kanton Mehrkosten. Deshalb reagierten besonders grosszügige Kantone wie Zug mit Zinssenkungen auf Anfang 2015. «Mit Blick auf die Tiefzinsphase ist es dringend notwendig, den Zinssatz von 2 auf 1 Prozent zu reduzieren», gab der Zuger Regierungsrat im vergangenen November bekannt. Dies führe zu einem jährlichen Minderaufwand von 2,5 Millionen Franken. Andere Kantone wie Baselland und Luzern haben ihre Zinssätze ebenfalls nach unten angepasst.

Im Kanton Solothurn ist der Vergütungszins seit 2001 von 2,0 Prozent stufenweise gesenkt worden, seit 2013 beträgt dieser 0,25 Prozent. Eine weitere Senkung kann sich Steueramtschef Gehrig vorerst nicht vorstellen, obwohl es – rein betriebswirtschaftlich betrachtet – nötig wäre. «Aber es muss für Vorauszahlungen einen minimalen Anreiz geben.» Schliesslich trügen die verzinsten Vorauszahlungen mit dazu bei, dass die Steuern pünktlich bezahlt werden. Im Übrigen seien die Angebote der Solothurner Steuerverwaltung «kundenfreundlich». Der Rückerstattungszins für zu viel bezahlte Steuern von 3 Prozent und der Verzugszins für nicht rechtzeitig bezahlte Steuern von ebenfalls 3 Prozent seien für den Steuerpflichtigen sehr vorteilhaft.

«Steueramt ist keine Bank»

Zuhanden von vermeintlichen Schlaumeiern, die viel zu viel Steuern vorauszahlen, um vom Rückerstattungszins zu profitieren, hält Gehrig fest: «Unser Steueramt ist keine Bank.» Man akzeptiere nur verzinsliche Vorauszahlungen im Rahmen des mutmasslich geschuldeten Steuerbetrages. «Unrealistische Vorauszahlungen überweisen wir zurück an den Absender.»

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