Demenz
Kanton will besser planen, wie er Demenzkranken helfen kann

Bisher hatte der Kanton keine konkrete Strategie im Umgang mit Demenzkranken und ihren Angehörigen. Das soll sich ändern. Der Kantonsrat möchte nun eine kantonale Demenzstrategie erarbeiten.

Lucien Fluri
Drucken
Teilen
Menschen mit Demenz werden meistens von Angehörigen gepflegt (Symbolbild

Menschen mit Demenz werden meistens von Angehörigen gepflegt (Symbolbild

Fotolia

Es sind Zahlen, die beeindrucken, oder eher bedrücken: 3900 Demenzkranke gibt es im Kanton Solothurn heute. 2035 könnte es, wenn die Schätzungen stimmen, bereits 7100 sein. Sie werden oft von Angehörigen gepflegt, die viel Kraft aufwenden. Das zeigt sich auch in Zahlen: Denn im Kanton sind die Betreuungskosten tiefer als anderswo – was auf viel Freiwilligenarbeit schliessen lässt. Pro Demenzkrankem sind bis zu drei Personen betroffen.

«Die direkten und indirekten Kosten belaufen sich auf rund 200 Mio. Franken», sagte Kuno Tschumi (FDP, Derendingen) gestern, als der Kantonsrat den Auftrag «Demenzstrategie» der Feldbrunner Kantonsrätin Susan von Sury (CVP) behandelt. Die Hälfte der Pflegeleistungen werde von Angehörigen freiwillig erbracht. Sollten diese weniger freiwillig arbeiten, so könnten die Kosten explodieren, begründete Tschumi als Sprecher der Sozial- und Gesundheitskommission die Notwendigkeit einer kantonalen Demenzstrategie.

«Wir wurden überrascht»

Gestern nun fasste die Regierung denn auch den Auftrag, eine kantonale Demenzstrategie zu erarbeiten. Mit Ausnahme der SVP-Fraktion fiel der Auftrag auf viel Zustimmung. Kanton und Gemeinden müssen die Strategie laut Auftrag gemeinsam erarbeiten, denn eigentlich ist die Pflege ein Aufgabenfeld der Gemeinden.

Als Leitlinie soll die nationale Demenzstrategie gelten. Diese gibt fünf Handlungsfelder vor. Punkte, die besprochen werden sind etwa: Die rechtzeitige Abklärung und frühe Diagnose, aktive Unterstützung pflegender Angehöriger zuhause, externe Tages- und Nachstrukturen, Weiterbildungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige, Beratungen, geeignete Wohnsituationen. Bereits auf dem Tisch ist die zusätzliche finanzielle Förderung von Tagesstätten, lanciert durch eine Volksinitiative. Mit einer Anpassung der Finanzierung will der Kanton zudem geeignete Heimplätze stärker fördern. Diese sind heute laut Angaben der Verwaltung eher knapp.

«Wir wurden überrascht von der Zahl von 3900 betroffenen Personen», hielt Bruno Vögtli (Hochwald) als Sprecher der grossen Mittefraktion fest. Es mache Sinn, Betroffene möglichst lange zuhause zu pflegen.

«Wir reden schon lange über dieses Thema. Und wir ‹tschüupern› immer wieder über dieselben Problemen», sagte Doris Häfliger (Grüne, Solothurn). «Probleme machen an den Grenzen der Gemeinden nicht Halt», plädierte sie für eine Strategie auf Kantonsebene.
«Eine proaktive Strategie, kann Merkmal eines fortschrittlichen Kantons sein», argumentierte SP-Sprecherin Fränzi Burkhalter (Biberist). Einiges habe sich seit einem Vorstoss 2011 getan. Entscheidende Frage sei, wie man die Pflege zuhause gewährleisten könne und was allenfalls Arbeitgeber tun, damit dies möglich sei, so Burkhalter.

«Nur ein Papiertiger»

Gegen eine kantonale Demenzstrategie stellte sich einzig die SVP. An der Front würden gute Dienste geleistet, sagte SVP-Sprecher Manfred Küng (Kriegstetten). Eine Demenzstrategie aber sei ein Papiertiger ohne Mehrwert. «Wir haben eine wenig Angst, dass mit dieser planwirtschaftlichen Massnahmen, viele gut besoldete Leute zusammensitzen, sich gescheite Gedanken machen und am Ende haben wir keinen Demenzkranken weniger.» Wenn schon, dann solle man mit dem Geld Betroffene unterstützen.

Und dann gab es noch die Kantonsräte, die sich kraft eines Amtes mit Voten meldeten. Ernst Zingg (FDP, Olten) sprach sich als designierter Präsident der Alzheimervereinigung Kanton Solothurn vehement für die Vorlage aus. Johanna Bartholdi (FDP, Egerkingen), wies auf die Leistungen der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu hin. Hans Büttiker (FDP, Dornach) auf das Zentrum Passwang. Und Hardy Jäggi (SP, Recherswil) machte sich dafür stark, weder die Spitex aussen vor zu lassen, noch einzelne Institutionen gegeneinander auszuspielen.

Der Kantonsrat stimmte der Vorlage mit 12 Neinstimmen und drei Enthaltungen aus der SVP-Fraktion zu.