Bildung
Kanton werkelt an den Schulen mit iPads

Mitte August startet in zwölf Schulklassen im Kanton Solothurn das einjährige Pilotprojekt «myPad» mit Kosten von 230000 Franken. Hinzu kommen Weiterbildungskosten für die Lehrkräfte. Gleichzeitig will der Kanton Millionen bei der Bildung sparen.

Marco Zwahlen
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Die neuen Medien sind bei Kindern heute alltäglich – bald auch im Schulzimmer? zvg

Die neuen Medien sind bei Kindern heute alltäglich – bald auch im Schulzimmer? zvg

Im Mai hat der Solothurner Regierungsrat ein Paket mit über 60 Massnahmen zur Stabilisierung des Finanzhaushaltes auf den Tisch gelegt. Ein Departement soll ziemlich Federn lassen – jenes für Bildung und Kultur (DBK), wobei es diesmal den Bildungsbereich treffen soll. Entsprechend sind die Reaktionen bei Lehrkräften, aber auch in den Kantonsrat-Fraktionen und in der Wirtschaft harsch ausgefallen.

Allein knapp 16 Millionen sollen mit Lektionskürzungen im Deutsch- sowie Werkunterricht in den Jahren 2013 bis 2016 eingespart werden. Dazu meinte etwa an der letzten Delegiertenversammlung des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes Geschäftsführer Andreas Gasche kritisch: «Haben Sie schon einmal die Deutschkenntnisse eines durchschnittlichen Sek-E-Schülers gesehen?» Und: «Wie um Himmels willen sollen wir im Gewerbe künftig Handwerker erhalten, wenn sie schon in der Grundstufe nicht mehr lernen, mit Werkzeugen umzugehen?»

Damals bekannt war, dass das DBK im Rahmen eines einjährigen Pilotprojekts im neuen Schuljahr alle Schüler von zwölf Klassen mit iPads ausrüsten will. Die Geräte sollen ihnen und den Lehrpersonen rund um die Uhr zur Verfügung stehen, auch in der Freizeit. Am 3. Juli hat nun der Regierungsrat der Beschaffung von 325 Tablet-Computern zugestimmt. Kosten des Projekts «myPad» inklusive Software: 230000 Franken. Wie besagte Lektionskürzungen liegt die Entscheidkompetenz zum Projekt beim Regierungsrat.

Politisch hat der Entscheid nur leise Reaktionen ausgelöst. Das erstaunt: Zwar wird das Projekt über das Globalbudget des Volksschulamtes (VSA) finanziert. Doch es handelt sich um eine neue Ausgabe. In den 230000 Franken nicht eingerechnet sind die Kosten für die Weiterbildung der Lehrkräfte. Böse Zungen behaupten, dass etliche Lehrkräfte in der Bedienung und Nutzung mehr Nachhilfe benötigten als die Jugendlichen, die heute mit digitalen Medien aufwachsen.

Ganz abwegig ist dies nicht, auch wenn es bei den Kursen um die Vermittlung des Umgangs mit digitalen und sozialen Medien, dem Internet sowie Lernstoffen geht. Dem halten Kritiker aber entgegen, dass die Schulen im Kanton Solothurn bereits einen hohen IT-Standard hätten. Die Informations- und Kommunikationstechnologien sind im Schulalltag verankert – das Fach Medienkompetenz ist im Kanton seit vier Jahren Realität. Laut dem DBK wiederum werde aber «eine pädagogische, didaktische und technische Aktualisierung rasch nötig», um den Zug der Entwicklung nicht zu verpassen. Es gibt immer mehr digitale Lehrmittel. Gut möglich, dass Schulbücher bald einmal Geschichte sind.

Die digitale Schiefertafel soll die Pforte zur «Post-PC-Ära» öffnen. Auf Nachfrage bezeichnet auch VSA-Chef Andreas Walter den Zeitpunkt für das Projekt politisch als «nicht sehr gut». Aber: Man habe vor allem ein Ziel: «Wir wollen Steuerungswissen generieren.» Längerfristig sollen Fehlinvestitionen respektive Fehlentwicklungen, dief dann nicht mehr zu stoppen seien, vermieden werden. Welche Möglichkeiten bietet die digitale Schiefertafel im Unterricht? Wo liegen die Stolpersteine? Fragen wie diese sollen beantwortet werden. Nach Ansicht von Walter ist all das nicht zuletzt auch im Interesse der Gemeinden, die ihre Schulen mit IT ausrüsten (müssten). «Dabei geht es um sehr viel Geld.» Geld, dass bei knappen Mitteln erst recht gut investiert sein müsse.

Bis Mitte Juni konnten sich Schulen für das Projekt bewerben. «Es gingen so viele Bewerbungen ein, das wir auswählen könnten», so Walter. Mitte August gehts nun los. Betreut und begleitet wird «myPad», das übrigens nicht gesponsert wird, vom VSA und der Beratungstelle imedias der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die zwölf Klassen verteilen sich laut Walter auf den ganzen Kanton, auf die Primar- und Sek-I-Stufe und auf städtische und ländliche Schulen.