Nein, er habe bis jetzt noch nie ein Selfie von sich geschossen. Markus Dietler, Oltner Stadtschreiber und Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, besitzt laut eigenen Angaben nicht einmal ein geeignetes Handy, mit dem er eins machen könnte. Verständnis für Selfies am Arbeitsplatz im Stil der «Bundesverwaltungs-Sekretärin» hat er nicht.

Wie er aber reagieren würde, wenn jemand aus der Oltner Stadtverwaltung dem Selfie-Beispiel folgen könnte, will er nicht generell sagen.  Ein entscheidender Faktor sei natürlich, ob es sich um ein normales Foto oder «eins der anderen Art» handle.

Richtlinien gibt es diesbezüglich bei der Stadtverwaltung aber (noch) nicht. «Bis jetzt gingen wir auch von einem gesunden Menschenverstand aus. Obwohl wir noch nie ein Selfie-Problem hatten, müssen wir uns jedoch nach den letzten Vorfällen ernsthaft darüber Gedanken machen, ob wir in Zukunft Weisungen definieren müssen.»

Bei der Stadtverwaltung der Stadt Solothurn klingt es ähnlich: Es gebe keine Regelungen betreffend Selfies am Arbeitsplatz. Man habe allerdings nicht vor, nur wegen des aktuellen Vorfalls eine neue Weisung einzuführen, heisst es auf Anfrage.

Genauso schwammig sieht die Situation für die Staatsangestellte des Kantons Solothurn aus. Auch da werden die Grenzen des Erlaubten vom Arbeitgeber nicht klar definiert. Und laut Regula Nünlist, Stellvertreterin des Personalamt-Chefs, ist eine konkrete Regelung in nächster Zukunft auch nicht geplant.

Einzig eine vierseitige Weisung aus dem Jahr 2003 legt für die Arbeitnehmer den Umgang mit dem Internet fest. Unter anderem ist es laut dieser Weisung erlaubt, den PC beziehungsweise das Internet auch «während der Arbeitszeit zu privaten Zwecken» zu nutzen, «sofern dies gelegentlich und in zeitlich geringem Umfang erfolgt und betriebliche Interessen nicht beeinträchtigt werden». Grob interpretiert ist das schnelle Selfie-Schiessen und Publizieren also erlaubt – solange die «betrieblichen Interessen» nicht darunter leiden.

Von Fall zu Fall anders beurteilt

Regula Nünlist meint hingegen: «Selfies am Arbeitsplatz ziehen beim Kanton sicher Konsequenzen nach sich.» Was man darf oder eben nicht darf und wie die Strafmassnahmen genau aussehen würden, kann sie aber nicht sagen. «Das würde von Fall zu Fall je nach Situation beurteilt.» Viele Faktoren würden eine Rolle spielen. Es mache sicher einen Unterschied, ob sich ein normaler Verwaltungsmitarbeitender, eine Lehrperson oder ein Kadermitglied in Szene setzt. Beispiele könne sie keine nennen, da es bis jetzt noch keine solchen Fällen gegeben habe.

Soziale Medien gesperrt

Damit die Mitarbeiter während der Arbeit gar nicht in Versuchung kommen, heikles Material laut in die Welt zu zwitschern oder an die grosse Facebook-Glocke zu hängen, sind laut Nünlist in der Regel die Zugriffe auf alle Soziale Medien «vorbeugend» gesperrt. Wie wirkungsvoll das sein mag, ist fraglich. Auf jedem Arbeitspult liegt meistens neben dem Computer ein privates Smartphone – mit Internetzugang. So kann das schnell geschossene Selfie dank Apps in Sekundenschnelle die Freundin oder eine ganze Internet-Community erreichen. Und wer weiss, schon das nächste Selfie-Gate auslösen.