Autonummern
Kanton und Private wollen mit Nummernschildern Kasse machen

Autonummern sind ein Geschäft für die Kantone. Bern lässt auch Private teilhaben. Währenddessen hat Solothurn Mühe, seine tiefen Schilder zu verkaufen. Längst wollen Private auf Ricardo Kasse mit Autoschildern machen.

Lucien Fluri
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Bisher vermietete der Limousinenservice seinen Cadillac, jetzt erhält er auf Ricardo 6450 Franken mit dem Verkauf von «BE 9000».

Bisher vermietete der Limousinenservice seinen Cadillac, jetzt erhält er auf Ricardo 6450 Franken mit dem Verkauf von «BE 9000».

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Für einige ist es unerklärlich, Tausende Franken für ein paar Zahlen auszugeben. Andere schmücken ihr Auto gerne mit einem drei- oder vierstelligen Numero oder ihrem Geburtsdatum. Den Staat freut das: Er verdient am Statussymbol Nummernschild gutes Geld.

Doch nicht nur die Kantone verdienen. Im Kanton Bern mischen auch Private mit. Glücklich muss am Freitag der Besitzer eines Seeländer Limousinenservices gewesen sein. 6450 Franken holte er auf Ricardo mit dem Verkauf von «BE 9000». Für die 6450 Franken unterschreibt der Mann jetzt eine Verzichtserklärung und überträgt das Schild auf den neuen Besitzer. Der Kanton Bern verdient nur an den rund 300 Franken Gebühren.

Bern zahl für spezielle Schilder

Wer sich auf Ricardo umschaut, dem fällt auf, dass zahlreiche Berner Schilder angeboten sind. Denn wer sein vier- oder fünfstelliges Nummernschild nicht mehr will, darf dies im Kanton Bern weiterveräussern, darf geerbte Blechschilder zu Geld machen oder etwas vom Betrag zurückholen, den er selbst für das Schild bezahlt hat – ganz legal. Einzig bei ein-, zwei- und dreistelligen Nummern verlangt der Kanton einen Betrag.

Berns liberale Praxis geht sogar so weit, dass der Kanton für den Rückkauf spezieller Nummernschilder bis zu 2000 Franken an Privatpersonen bezahlt, wenn diese ihre Nummer dem Kanton abgeben und nicht selbst veräussern. Zwischen 30000 und 40000 Franken gebe man für solche Rückkäufe jährlich aus, sagt Beat Keller vom Berner Strassenverkehrsamt. «Wir gehen davon aus, dass sich dies amortisiert.» Trotzdem: Auch in Bern gehen nicht alle Schilder weg. «Die Kaufkraft ist anders als in Zürich. Das merkt man», so Keller.

Klagen kann der Kanton Bern jedoch nicht: Rund 1,2 Mio. Franken hat er 2011 mit dem Verkauf von Schildern eingenommen. «Wir gehen davon aus, dass der Betrag dieses Jahr übertroffen wird», sagt Keller. 600000 Franken der 1,2 Mio. stammen aus dem regulären Verkauf: 890 Franken bezahlt etwa fix, wer ein Schild zwischen 10000 und 19999 möchte.

Die andere Hälfte der Einnahmen stammt aus den Internetauktionen des Kantons. Dorthin gelangen alle verfügbaren Nummern zwischen 1 und 999. So hat diese Woche ein unbekannter Bieter im Netz 8200 Franken an den Kanton für «BE 910» bezahlt. In den letzten drei Monaten lag das höchste Gebot bei 9600 Franken für «BE 112».

Privatverkauf lohnt sich kaum

Anders ist die Philosophie im Kanton Solothurn. Sieht Bern den Käufer eines Nummernschildes als Besitzer, der weiterverkaufen darf, kauft man in Solothurn mit dem Schild explizit nur die Nutzungsrechte. Wird ein vierstelliges Schild übertragen, muss der neue Halter dem Staat die 1500 Franken abliefern, die er auch für ein vierstelliges Schild aus dem MFK-Depot bezahlen müsste. So lohnt sich der Privatverkauf kaum. Auf Ricardo findet sich denn auch nur ein Solothurner Kontrollschild: SO 161111. Die Quersumme des Nummernschildes sei 11, argumentiert der Verkäufer. Zum geforderten Preis von 495 Franken hat sich bisher niemand für das für Solothurner Verhältnisse astronomisch hohe Kennzeichen erwärmt.

So oder so scheint in Solothurn das Potenzial der drei- oder vierstelligen Schilder, die sich an den Fahrzeugbesitzer bringen lassen, immer mehr ausgeschöpft. Derzeit lagern über 400 vierstellige Schilder in den Depots der Motorfahrzeugkontrolle. Darauf haben die Behörden reagiert: Drei bis vier Mal pro Jahr führt sie Aktionen wie jetzt in der Weihnachtszeit durch. Dann gibt es die vierstelligen Nummern für 900 statt 1500 Franken. Trotzdem: 154000 Franken hat der Kanton 2011 mit den Internetauktionen spezieller Schilder eingenommen. 2010 waren es 105000 Franken.

Auch nicht alle Berner Schilder finden auf Ricardo einen Käufer. Kein Gebot gab es bis Redaktionsschluss etwa für «BE 1302», für welches der Besitzer 4500 Franken verlangte. Auch «BE 39160» und «BE 15126» erhielten kein Gebot, auch wenn Letzteres den neuen Besitzer mit 450 Franken günstiger gekommen wäre als der Direktkauf beim Kanton (890 Fr.). In der gleichen Zeit stieg «BE 11861» dagegen auf über 400 Franken – ein Geschäft für Besitzer, die Schilder erbten oder zu einer Zeit bekamen, als man für tiefe Nummern keinen Aufpreis bezahlte.

Rekord: 131000 Franken für «ZH 1000»

Schweizweit für Schlagzeilen sorgte ein Lehrer, der 1994 20000 Franken für die Nummer «SO 1» bezahlte. In der Zwischenzeit sind 20000 Franken für ein spezielles Nummernschild nicht mehr aussergewöhnlich. In kaufkräftigen und bevölkerungsreichen Kantonen sind die tiefen Nummern begehrt. 122500 Franken bezahlte ein Waadtländer 2009 für «VD 1». In Zürich war «ZH 1000» einem Bieter 1998 gar 131000 Franken wert. In Solothurn sorgten neben den 20000 Franken auch 16400 Franken für «SO 25» für Aufsehen. Im Kanton Bern wurden schon zwei Mal über 60000 Franken für ein Kontrollschild bezahlt. Den Rekord hält «BE 17» mit 65300 Franken. (lfh)