Berufsschule
Kanton streicht an der Berufsschule Grenchen noch mehr Turnstunden

Nun hat der Kanton Solothurn auch noch die Sportlektionen der Abschlussklassen am Berufsbildungszentrum Grenchen gestrichen. Damit kommt der Kanton den Bundesvorgaben noch weniger nach.

Lucien Fluri
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Nur noch die Schüler in den beiden ersten Lehrjahren und die Abschlussklasse der Uhrmacher erhalten in Grenchen Sportunterricht. (Symbolbild)

Nur noch die Schüler in den beiden ersten Lehrjahren und die Abschlussklasse der Uhrmacher erhalten in Grenchen Sportunterricht. (Symbolbild)

Keystone

Solothurner Stellungspflichtige sind die Dicksten der Schweiz. Und nun machen die jungen Solothurner ganz offiziell noch etwas weniger Sport. Im Sommer hat der Kanton die Sportlektionen für die beiden Abschlussklassen (3. Lehrjahr) am Berufsbildungszentrum Grenchen gestrichen. «Abrupt», wie Kantonsrat Mathias Stricker (SP, Bettlach) in einer Interpellation feststellt.

Nur noch die Schüler in den beiden ersten Lehrjahren und die Abschlussklasse der Uhrmacher erhalten in Grenchen Sportunterricht. Und in Solothurn erhielt die Abschlussklasse gar nie Turnunterricht. Grund dafür seien die «beschränkte Verfügbarkeit von Turnhallen, der Zeitbedarf für den Transport der Schüler zu den Turnhallen und Kostengründe», so der Kanton.

So müssen die Schüler in Solothurn ins CIS-Sportcenter. Nur in Olten erhalten Berufsfachschüler auch im dritten Jahr Sportunterricht. Doch damit soll 2015/16 auch Schluss sein. Mit den Sparmassnahmen streicht der Kanton auch für Oltner Abschlussklassen das Turnen aus dem Stundenplan.

Seit Jahren ein Hin und Her

Ein seit Jahren schwelendes Problem erhält somit erneut Zündstoff. Denn der Bund schreibt den Sportunterricht eigentlich für alle Berufsschüler vor. Und schon in den ersten zwei Ausbildungsjahren kommt der Kanton seiner Pflicht nicht vollumfänglich nach: Die Schüler turnen nur eine Lektion pro Woche, der Bund schreibt aber deren zwei vor. Das Thema sorgt schon seit 1999 für Aufregung: Damals strich der Kanton den Sport an den Berufsschulen Solothurn und Grenchen.

Auf Geheiss des Bundesrates hätte der Kanton den Turnunterricht 2001 wieder einführen müssen. Es wurde aber nur ein Wahlangebot eingeführt, das die Erwartungen nicht erfüllte. Erst 2007 beschloss der Regierungsrat, die heute gültige Variante einzuführen.

«Fragwürdiger Abbau»

Für Interpellant Mathias Stricker ist klar: Im CIS in Solothurn hätte es genug Kapazität. Im Februar 2013 hat der Kantonsrat gar beschlossen, im Grenchner Velodrome Sportplätze zu mieten, um genügend Platz zu haben. «Der Abbau ist deshalb umso fragwürdiger», so Stricker.

Immerhin: Weil der Kanton nur pro beanspruchte Lektion Miete bezahlt, wird kein Geld unnötig ausgegeben. Den Vorwurf, am hohen Gewicht der Solothurner Schüler verantwortlich zu sein, lässt sich die Regierung nicht gefallen. «Von grösserem Einfluss als der Berufsschulsport dürften die Ernährung und das Bewegungsverhalten in der Freizeit sein», schreibt er.

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