Wenn es um «ihr» Schwarzbubenland geht, dann halten die Vertreter im Kantonsrat auf Biegen und Brechen zusammen – quer durch alle Fraktionen hindurch. Das war auch am Dienstag nicht anders. Mit der Unterstützung der SP und der Grünen setzten sie sich vehement dafür ein, dass der Kanton die beliebte Wirtschaftsmittelschule (WMS) auch weiterhin subventioniert. Vergeblich allerdings.

Mit 56 zu 32 Stimmen (bei 5 Enthaltungen) lehnte das Parlament einen entsprechenden Auftrag von SP-Kantonsrat Simon Esslinger aus Seewen ab. Und zwar «nicht aus Begeisterung, sondern aus Notwendigkeit»: Mit diesen Worten legte Bildungsdirektor Remo Ankli, selbst ein Schwarzbube, dem Kantonsrat ein Nein ans Herz. 

Mit Beginn des neuen Schuljahres werden nämlich mehrere weiterführende Schulangebote auf der Sekundarstufe II keine Subventionen mehr vom Kanton erhalten. Das hat der Kantonsrat im Rahmen des Sparmassnahmen-Pakets so beschlossen. Betroffen sind davon auch – aber längst nicht nur – Angebote in den Kantonen Baselland und Baselstadt, die sich bei den Schwarzbuben grosser Beliebtheit erfreuen. Allen voran die Wirtschaftsmittelschule (WMS), die auf schulischer Ebene einen KV-Abschluss ermöglicht.

Regionalpolitisch bedenklich

Die Sparmassnahme löste im Rat eine eigentliche staatspolitische Grundsatzdiskussion über den Umgang mit den Randregionen aus. Zum Wortführer der Schwarzbuben machte sich Grünen-Sprecher Daniel Urech aus Dornach. In einem Kanton der Regionen wie Solothurn sei die Offenheit gegenüber anderen Kantonen eine «staatspolitische Notwendigkeit». Ein «zentralistisches Bildungsideal im Sinne Nordkoreas» entspreche, so Urech, nicht den tatsächlichen Gegebenheiten.

Das Schwarzbubenland sei nun mal auf die Region Basel ausgerichtet. Die Zäune zwischen den einzelnen Solothurner Regionen seien real – und liessen sich nicht niederreissen, indem man Zäune gegenüber den Nachbarkantonen aufrichtet. Und: Von der Sparmassnahme des Kantons sei in erster Linie das Schwarzbubenland betroffen, meinte der Grüne aus Dornach – das Niederamt und der Bucheggberg müssten weit weniger darunter leiden. «Es sind vor allem die Schwarzbuben, denen diese Kröte in den Mund gedrückt wird.»

Urech bezweifelte zudem, dass sich mit der Streichung der Subventionen für die WMS ein Spareffekt erzielen lässt. Die betreffenden Schülerinnen und Schüler würden jetzt nämlich einfach auf die teurere Fachmittelschule oder das Gymnasium ausweichen – und nicht, wie vom Kanton beabsichtigt, eine KV-Lehre absolvieren. Auch für Simon Esslinger aus Seewen, den Sprecher der SP, ist es «illusorisch» zu meinen, dass die betreffenden Schüler auf eine Berufslehre umschwenken werden.

Stärkung der Berufslehre

Die Vertreter der bürgerlichen Fraktionen lehnten den Auftrag neben dem erhofften Spareffekt vor allem auch mit der geforderten «Gleichbehandlung der Regionen» ab. «Der Kantonsrat hat dieser Sparmassnahme integral zugestimmt, jetzt kann man nicht für eine Region eine Ausnahme machen», sagte etwa René Steiner (EVP, Olten) als Vertreter der Mittefraktion (CVP, EVP, GLP, BDP).

«Auch im Bildungsbereich braucht es Sparmassnahmen», betonte Bildungsdirektor Remo Ankli. Mit der Streichung der Subventionen an die WMS wolle Solothurn zudem das duale Berufsbildungssystem stärken. Auch im Kanton Baselland laufen zurzeit, so Ankli, ähnliche Diskussionen. Im Übrigen unterstrich Ankli, dass Solothurn in verschiedenen Bereichen eine ganze Reihe von grenzüberschreitenden Projekten unterstützt. «Solothurn kommt den Regionen entgegen.»