Am Dienstag sorgte eine Firma, die Flüchtlinge betreut, für Schlagzeilen. Die ORS service AG ist unter anderem für ein Flüchtlingslager in Österreich zuständig. Dort müssen zurzeit 1'500 Personen im Freien schlafen, weil es nicht genug Platz gibt. Amnesty International hat auf das «strukturelle Versagen» reagiert und die herrschenden Zustände kritisiert.

Auch im Jahr 2012 kamen die in einem Lager der ORS herrschenden Missstände zur Sprache. Dazu kommt: Die Schweizer Betreuungsfirma ist ein gewinnorientiertes Unternehmen, dass durch Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden Geld verdient. Die Kompetenz von ORS wurde deshalb schon mehrfach in Frage gestellt.

ORS ist auch im Kanton Solothurn tätig

Auch im Kanton Solothurn werden Asylbewerber von der Firma betreut. Sie ist für die Durchgangszentren zuständig, in denen die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft für drei Monate bleiben. Wie reagiert die kantonale Verwaltung auf die Vorwürfe gegen ORS und das momentane Chaos im Lager in Traiskirchen?

«Die Problematik in Österreich ist mit der Situation im Kanton Solothurn absolut nicht vergleichbar», sagt Claudia Hänzi vom Amt für soziale Sicherheit auf Anfrage. «In Österreich ist die Flüchtlingssituation eine ganz andere. Bei einer so grossen Konzentration von Menschen an einem Ort, kommt die beste Betreuungsorganisation an ihre Grenzen.» Hänzi meint, momentan sei in diesem Lager nichts zu machen und somit sei es unfair, die Lage an der Firma festzuhalten. 

«Eine Betreuungsfirma braucht unter anderem genügend Ressourcen vom Auftraggeber, um gute Arbeit machen zu können.» Diese sollen im Kanton Solothurn in hoher Anzahl und in der ganzen Region verteilt vorhanden sein.

Ist es somit nicht vorstellbar, dass hier gleiche Zustände herrschen könnten, wie im Nachbarland? «Im Kanton Solothurn haben wir gute Unterkünfte und eine gute Zusammenarbeit mit den Einwohnergemeinden. Wir können die Asylsuchenden rasch umverteilen und die kantonalen Aufnahmezentren entlasten. So werden unhaltbare Überbelegungen vermieden», äussert sich Hänzi ganz klar.

Für die aktuelle Lage in Traiskirchen ist laut der Amtsleitern für soziale Sicherheit auch nicht die Firma ORS verantwortlich zu machen. «Wir sind zufrieden mit den bisher erbrachten Leistungen der ORS und haben in den Zentren jeweils auch bei unangemeldeten Besuchen die von uns geforderten Rahmenbedingungen angetroffen.»