Kanton Solothurn
Wo, wann und wie? Neue Regeln für Covid-19 Tests sorgen in den ersten Tagen für Unsicherheiten

Seit der vergangenen Woche gelten für Kinder ab 6 Jahren die gleichen Testkriterien wie für Erwachsene. Das sorgte bei einigen Eltern für Unsicherheit – noch am Sonntag konnten Kinder unter 12 Jahren in den Solothurner Spitälern nicht getestet werden.

Rebekka Balzarini
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Seit der vergangenen Woche gelten für Kinder ab 6 Jahren die gleichen Testkriterien wie für Erwachsene.

Seit der vergangenen Woche gelten für Kinder ab 6 Jahren die gleichen Testkriterien wie für Erwachsene.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Wenn ein Kind an einer Schule positiv auf Covid-19 getestet wird, dann kann das den Schulalltag auf den Kopf stellen. Vor allem dann, wenn der Verdacht besteht, dass es in einem Schulhaus oder in einer Klasse gleich mehrere Kinder gibt, die sich mit Covid-19 angesteckt haben.

Passiert ist das in der vergangenen Woche in Biberist. Das Schulhaus Bleichematt wurde für einige Tage geschlossen, die Kinder kehren voraussichtlich nach Ostern in die Klassenzimmer zurück. Die Schulleitung hatte sich gemeinsam mit dem Volksschulamt und dem kantonsärztlichen Dienst zu dem Schritt entschlossen, weil mehrere Klassen in Quarantäne geschickt wurden. Das gaben die Verantwortlichen am vergangenen Freitag bekannt. Der kurzzeitige Wechsel in den Fernunterricht sollte dazu beitragen, dass sich die Situation im Schulhaus Bleichematt beruhigt.

Im Schulhaus Bleichematt in Biberist gab es mehrere Covid-19 Fälle (Archivbild).

Im Schulhaus Bleichematt in Biberist gab es mehrere Covid-19 Fälle (Archivbild).

Rahel Meier

Fragen in Zusammenhang mit dem neuen Testregime

Muss eine Klasse oder eine ganze Schule in den Fernunterricht wechseln, dann ist das auch für die Eltern immer wieder eine Herausforderung. Auch in Biberist habe es bei einigen Eltern Unklarheiten gegeben, erzählt Manuela Misteli, die Vizegemeindepräsidentin. Sie hat selber zwei Kinder im Primarschulalter und wurde von verschiedenen Eltern kontaktiert.

Fragen gab es in Biberist etwa in Zusammenhang mit dem neuen Testregime für Kinder. Vergangene Woche gab das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bekannt, dass für Kinder über 6 Jahren die gleichen Testempfehlungen gelten wie für Erwachsene. Auch Kinder im Primarschulalter sollen sich also mit einem PCR-Test testen lassen, wenn sie Symptome einer Covid-Erkrankung zeigen oder mit einer Person in Kontakt gekommen sind, die positiv auf Covid-19 getestet wurde. Diese Regel galt zuvor für Kinder ab 12 Jahren.

Deshalb hat das BAG die Testkriterien für Kinder angepasst

Grund für diese angepassten Testkriterien ist laut einem Schreiben des BAG, dass mit dem Aufkommen von neuen, leichter übertragbaren Varianten wie der Variante B 1.1.7 grössere Ausbrüche in den Schulen verzeichnet wurden. In den vergangenen Wochen wurden laut dem Bundesamt vermehrt Kinder auf Covid-19 getestet, und die Zahl der positiven Fälle in der Altersgruppe von 6 bis 12 Jahren sei gestiegen. Damit Ansteckungsketten in den Schulen verhindert werden können, sollen die Kinder nach den gleichen Testkriterien wie die Erwachsenen getestet werden.

In welchen Fällen sich Kinder und ihre Angehörige mit einem PCR-Test auf Covid-19 testen lassen müssen, hat der Kantonsärztliche Dienst auf einem Merkblatt festgehalten. Dieses ist auf der kantonalen Website aufgeschaltet, über welche der Kanton regelmässig über die Pandemie informiert. Wenn es in einer Klasse einen positiven Fall gab und während des Unterrichts keine Maske getragen wurde, dann gelten die anderen Kinder und Lehrpersonen laut dem Merkblatt als ungenügend geschützt. Sie müssen sich in Quarantäne begeben und auf Covid-19 testen lassen.

Testen lassen müssen sich aber nicht nur die Kinder der betroffenen Klassen, sondern auch ihre Eltern und Geschwister. Sie gelten als Kontakte zweiten Grades, der Testtermin ist auf den 5. Tag nach Beginn der Quarantäne des Kindes der betroffenen Schulklasse angelegt. Eltern und Geschwister müssen sich aber nicht in Quarantäne begeben. Über eine allfällige Testpflicht und den Termin werden die Familien mit einem Schreiben des Kantonsärztlichen Dienstes informiert.

Wo, wann und wie sollen sich die Geschwister testen lassen?

Für Unsicherheit sorgte laut der Vize-Gemeindepräsidentin Manuela Misteli die Frage, wo die Geschwister der Kinder – in deren Klasse ein Kind positiv getestet worden ist – getestet werden können. In ihrem Fall fiel der verfügte Testtermin auf einen Sonntag. Die Kinderarztpraxen haben an diesem Tag geschlossen, in den Solothurner Spitälern konnten sich zum angeordneten Zeitpunkt nur Kinder ab 12 Jahren testen lassen. Mistelis entschieden sich dagegen, den Kindernotfall in Anspruch zu nehmen, und suchten die Praxis am Montag auf. Also einen Tag später als der verfügte Termin.

Mittlerweile hat die Solothurner Spitäler AG (soH) ihr Angebot bereits angepasst: Auf Anfrage heisst es beim Spital, dass nun auch Kinder ab 6 Jahren getestet werden, wenn der Test vom kantonsärztlichen Dienst angeordnet wurde. Im Idealfall sollten sich Kinder aber am angeordneten Testtag in der angestammten Kinder- oder Hausarztpraxis testen lassen.

Laut Kantonsarzt Lukas Fenner ist es wichtig, dass der Test möglichst am verfügten Tag gemacht wird. Das erleichtere es dem Contact-Tracing, Kontaktpersonen ausfindig zu machen und Ansteckungsketten zu unterbrechen. In vielen Kinderarztpraxen stehen für den Test laut ihm auch Speicheltests zur Verfügung, die als angenehmer gelten als die Nasen-Rachen-Abstriche. Die soH ist aktuell ebenfalls dabei, die Einführung von Speicheltests zu prüfen.

Die Einführung von Speicheltests würden sich viele Eltern laut Manuela Misteli auch für die Ausbruchsuntersuchungen an den Schulen wünschen. Sie vermutet, dass so mehr Eltern ihre Einwilligung für einen Test geben würden.

In der kantonalen Teststrategie werden Speicheltests aktuell im Rahmen eines Pilotprojekts bei präventiven Testungen, auch bekannt als Massentest, eingesetzt. Um allfällige asymptomatische Infektionen aufzuspüren, können so viele Menschen gleichzeitig getestet werden. Mehrere Personen spucken in das gleiche Gefäss, und werden im Falle eines positiven Testresultats noch einmal einzeln getestet.

Diese präventiven Testungen unterscheiden sich in der kantonalen Teststrategie von den Symptom- oder fallorientierten Testungen, die bei vermuteten Ausbrüchen stattfinden. Dazu gehören die Tests, die nach Bekanntwerden eines positiven Falls in den Schulen durchgeführt werden. Diese werden vorerst weiter per Nasen-Rachen-Abstrich durchgeführt, um einzelne Fälle schnell zu erkennen.

Der Einsatz von Speicheltests an den Schulen wird laut dem kantonsärztlichen Dienst im Rahmen von präventiven Tests geprüft.