Kanton Solothurn
«Wir müssen auch in ländlichen Gebieten ein Zeichen setzen»: «Ehe für alle»-Befürworter gehen mit Kreide auf die Strasse

Mit einer Kreideaktion macht das «Ehe für alle» Mittelland-Komitee unter anderem im Kanton Solothurn auf die kommende Abstimmung aufmerksam. Laut Organisatoren sei so eine Aktion wichtig, um die Bevölkerung überhaupt darüber zu informieren, dass bald abgestimmt werde. Gerade auch ländlichere Gegenden sollen so abgeholt werden.

Joel Dähler
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«Ehe für alle» Mittelland-Komitee tourte mit einer Kreideaktion durch Solothurner und Aargauer Gemeinden.

«Ehe für alle» Mittelland-Komitee tourte mit einer Kreideaktion durch Solothurner und Aargauer Gemeinden.

Instagram: ehefueralle_mittelland

Am Montagmorgen treffen Pendler im Kanton Solothurn auf bunte Kreidezeichnungen an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen. Egal ob Regenbogen- oder Einhorn-Zeichnung, die Message ist stets die gleiche: «Ja ich will» am 26. September.

2 Kantone – 50 Stopps – 28 Kreidesets

Entstanden ist diese Kreideaktion bereits am Sonntag. Dahinter steckt das «Ehe für alle» Mittelland-Komitee (Solothurn / Aargau). Mitinitiant der lokalen Aktion Daniel Schiessl erklärt, dass über eine Telegram-Gruppe verschiedene Routen festgelegt worden seien. Man habe so rund 5 volle Autos organisiert und sei den ganzen Tag im Kanton Solothurn und Aargau unterwegs gewesen.

In den beiden Kantonen habe man insgesamt 50 Stopps eingelegt und rund 28 Kreidesets verbraucht. Es sei zwar nicht die einzige Kreideaktion zur «Ehe für alle» in der Schweiz gewesen, aber die grösste bisher.

«Diese Woche werden voraussichtlich die Abstimmungscouverts verschickt. Da ist es wichtig, auch in ländlichen Gebieten ein Zeichen zu setzen und den Leuten einen Reminder mit auf den Weg zu geben.»

Dabei habe man natürlich darauf geachtet, dass die Kreidebilder an viel besuchten Orten entstanden. Festgehalten wurde die Aktion unter anderem auch auf Instagram. Im Kanton Solothurn erhielten Gemeinden wie Oensingen, Balsthal, Kestenholz, Hägendorf, Egerkingen, Gunzgen, Fulenbach, Olten, Welschenrohr, Matzendorf und Wolfwil einen Besuch.

Das Komitee «Ehe für alle» Mittelland (Solothurn / Aargau) machte auf öffentlichen Plätzen auf die anstehende Abstimmung aufmerksam.
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Das Komitee «Ehe für alle» Mittelland (Solothurn / Aargau) machte auf öffentlichen Plätzen auf die anstehende Abstimmung aufmerksam.

Instagram: ehefueralle_mittelland

Mit kleinem Aufwand auf eigene Faust

Die Kreideaktion habe das lokale Mittelland-Komitee auf eigene Faust organisiert. «Alle die dabei waren, haben das sehr gerne freiwillig gemacht.» Man wollte mit kleinem finanziellen Aufwand Aufmerksamkeit erreichen. Dazu habe man sich auch rechtlich abgesichert. Kreidezeichnungen auf öffentlichem Grund werden als Strassenkunst gesehen und seien somit erlaubt, erklärt Schiessl.

Dabei könnte man meinen, dass der vereinzelte Regen am Sonntagnachmittag der Aktion einen Strich durch die Rechnung machte. Laut Schiessl, war dem aber nicht so. Man habe extra vorher getestet, wie viel Regen die Kreidefarbe auf dem Asphalt aushalte und dem leichten Nieselregen konnten die Bilder gut standhalten. Zudem wurde die Kreide teilweise extra kräftig aufgedrückt, damit sie allfälligem Regen trotze.

Nur vereinzelt negative Stimmen

Eines der Gegner-Plakate.

Eines der Gegner-Plakate.

«Ehe für alle» Mittelland Telegram-Gruppe – Leserfoto

Während der Kreideaktion habe man laut Schiessl grössenteils Zuspruch von Passanten erhalten. «Nur vereinzelt kamen Personen auf die Gruppen zu, die bei der <Ehe für alle> anderer Meinung sind und so etwas ist auch okay.» Auch eine grossflächige Kampagne der Gegner blieb im Kanton Solothurn bisher eher im kleinen Rahmen. Vereinzelt wurde hier und da ein Plakat der «Ehe für alle»-Gegner gesichtet.

Weitere Aktionen geplant

Schiessl lässt verlauten, dass nebst dem nationalen, auch das lokale Mittelland-Komitee noch weitere Aktionen plant. Bald werden Pressekonferenzen zur anstehenden Abstimmung stattfinden und man wolle auch künftig mit Ständen aktiv sein, so Schiessl.

«Präsenz zeigen ist weiterhin sehr wichtig, denn Leute die nicht queer oder ein Ally sind, wissen zum Teil noch gar nicht, dass es bald zu dieser Abstimmung kommt.»

Er glaube aber dennoch an ein «Ja» am 26. September. Die Frage sei für ihn nur, mit wie viel Prozent. Aktuelle Umfragen sagen fast 70% Ja-Stimmenanteil vorher.

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