Jetzt hat es den Kanton Solothurn voll getroffen: Nach anfänglich nur leicht rückläufiger Entwicklung sind die Solothurner Exporte im November dieses Jahres regelrecht eingebrochen. Nach Angaben der Eidgenössischen Zollverwaltung gingen die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat um 24,7 Prozent auf rund 356 Millionen Franken zurück.

Landesweit resultierte dagegen ein leichtes Plus von einem Prozent. Die hiesigen, auf ausländischen Märkten tätigen Unternehmen tun sich also im Vergleich zur Gesamtschweiz deutlich schwerer. Bereits im Vormonat Oktober sind die Warenausfuhren aus dem Kanton Solothurn mit 15,3 Prozent deutlich stärker gesunken als gesamtschweizerisch (minus 4,5 Prozent).

«Trend hat sich gekehrt»

Auch wenn die Ergebnisse einzelner Monate mit Ausschlägen behaftet sein können und deshalb nur bedingt aussagekräftig sind, ist für Christian Hunziker, stellvertretender Direktor der Solothurner Handelskammer, klar: «Der Trend hat sich gekehrt.» Denn in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres habe sich die Solothurner Exportindustrie noch robuster gezeigt als die der gesamten Schweiz.

Die Präzisionsindustrie habe ihre Ankerfunktion im Kanton Solothurn zumindest vorübergehend verloren. So sind denn die Ausfuhren der Warengruppen Präzisionsinstrumente und Uhren sowie Maschinen, Apparate, Elektronik überdurchschnittlich gesunken. Beide sind die mit Abstand wichtigsten Exportbranchen im Kanton. Im Branchenmix liegt ein weiterer Grund für den Rückstand zur Schweiz. Das deutlich bessere landesweite Ergebnis ist vorab der Pharma- und Chemieindustrie, der wichtigsten Exportbranche, zu verdanken, welche im Solothurnischen eine nur untergeordnete Rolle spielt.

Immerhin. Kumuliert über die ersten elf Monate des laufenden Jahres relativiert sich das schlechte November-Ergebnis der Solothurner Wirtschaft etwas. Die wertmässigen Exporte von Gütern und Dienstleistungen sanken um 5,9 Prozent auf 4,6 Milliarden Franken, während landesweit ein Minus von 3 Prozent resultierte. «Alle wichtigen Solothurner Exportzweige mussten Federn lassen», kommentiert Hunziker. Dabei kämpfe der Maschinenbau mit den grössten Schwierigkeiten. Die Branche konnte wertmässig 11 Prozent weniger in den Auslandsmärkten absetzen.

Nordamerika top, Europa ein Flop

Sehr unterschiedlich haben sich im Zeitraum Januar bis November die Absatzmärkte entwickelt. Die Ausfuhren nach Nordamerika stiegen um 15 Prozent, jene nach Europa dagegen sanken um 9 Prozent. «Hier machte sich die Aufhebung des Euro-Mindestkurses deutlich bemerkbar», sagt dazu Hunziker. Auch die Nachfrage aus Asien nach Solothurner Gütern ging mit minus 8,5 Prozent überdurchschnittlich zurück.

Folgen für den Arbeitsmarkt?

Wie stark die negative Exportentwicklung noch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen wird, ist offen. Die Zahlen für Dezember sind erst im Januar erhältlich. Im vergangenen November ist die Arbeitslosenquote im Kanton Solothurn von 2,3 Prozent im Vorjahresmonat auf 2,9 Prozent geklettert. Es ist davon auszugehen, dass die Quote Ende Jahr mindestens bei 3 Prozent oder leicht darüber liegen wird. Das wäre dann der höchste Stand seit Februar 2013.