Wer verwahrt wird, der verbringt den Rest seines Lebens als Häftling in einer Strafanstalt – auch wenn die eigentliche Strafe verbüsst ist. Der Anstaltsalltag läuft weiter, als ob die Strafe nach wie vor abzusitzen sei. Dies ist die Regel in der Schweiz.

Der Kanton Solothurn beginnt nun in der Justizvollzugsanstalt im Deitinger Schachen ein Pilotprojekt für Verwahrte. «Haben die Verwahrten die eigentliche Strafe verbüsst, muss man sie nicht mehr strafen», erklärt Direktor Charles Jakober den Gedanken hinter dem Projekt, das den Alltag der Verwahrten etwas «menschenwürdiger» gestalten soll.

Rauer Alltag

«Wie leben Verwahrte in einer Justizvollzugsanstalt mit hoher Sicherheit etwas besser? Welche Privilegien erhalten sie?»: Diese Fragen soll das Projekt klären. «Der Arbeitsalltag im Vollzug ist geprägt von der Dynamik junger Straftäter. Das kann rau sein», sagt Jakober. Verwahrte dagegen sind nach Absitzen der Strafe in der Regel eher älter.

Für das Pilotprojekt wird auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt ein eigenes Gebäude genutzt, in dem sechs Personen in einer Wohngruppe leben können. Verwahrte sollen dadurch verstärkt «unter sich sein, wenn sie dies wollen.» Der Alltag soll zudem etwas weniger geregelt sein.

Wer allerdings einen lockereren Betrieb erwartet, der täuscht sich. Jakober spricht mit einem weniger geregelten Alltag Details an wie, ob es etwas mehr Selbstbestimmung gibt bei der Frage, ob jemand an einem Sportprogramm teilnehmen will. Nach wie vor besteht jedoch die Arbeitspflicht. Es könne aber sein, dass die Arbeitspflicht für ältere Männer reduziert werde, so Jakober. Es gehe darum, «das harte Los der Verwahrung etwas milder zu gestalten».

Noch ein zweites Projekt

Es ist nicht das einzige Pilotprojekt, das in der Justizvollzugsanstalt Solothurn läuft. Derzeit startet noch ein zweites mit zwölf Plätzen. Es ist für Insassen – auch aus anderen Gefängnissen – gedacht, die zwar im Strafvollzug sind, die aber aus gesundheitlichen oder psychischen Gründen nicht dazu in der Lage sind. Menschen, die für den geregelten Alltag der Anstalten noch zu herausfordernd sind. In Deitingen sollen sie so weit gebracht werden, dass sie in den gewöhnlichen Gefängnisalltag integriert werden können. Wer nicht arbeiten könne, bleibe heute meist im Untersuchungsgefängnis, so Jakober.

Die beiden Projekte sind für Charles Jakober auch ein Zeichen dafür, dass eine Justizvollzugsanstalt heute flexibel bleiben und sich den Bedürfnissen der Kantone, die Auftraggeber sind, anpassen können muss.