Kanton Solothurn
Lehrpersonen finden wird zum Kraftakt – wo Schulleiter die Hauptgründe für den Mangel sehen

Das Rekrutieren von Lehrpersonen an Solothurner Volksschulen ist für die Schulleitungen auch diesen Sommer eine Herausforderung.

Denise Donatsch
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Noch sind Schulferien, aber Mitte August müssten offene Stellen im Idealfall besetzt sein.

Noch sind Schulferien, aber Mitte August müssten offene Stellen im Idealfall besetzt sein.

Thomas Ulrich

Die Zeiten, als sich auf freie Stellen an der Solothurner Volksschule noch Dutzende Pädagoginnen und Pädagogen bewarben, liegen definitiv in der Vergangenheit. Will eine Schulleitung alle Stellen besetzen, reicht es längst nicht mehr aus, die Stellenausschreibungen mittels gängiger Medien zu publizieren – Sonderanstrengungen und unkonventionelle Wege sind gefragt, bis hin zur Personalsuche via Social Media. Aber selbst dann gelingt es einer Schule kaum mehr, genügend adäquat ausgebildetes Personal zu finden.

Gesamtschulleiterin Edith Bucheli aus Balsthal bezeichnet die aktuelle Situation rund um die Rekrutierung von Personal als höchst belastend.

«Ich habe auf den letzten Drücker zwar alle Positionen an der Schule besetzen können, kann es mir aber nicht leisten, dass eine einzige Lehrperson ausfällt.»

Dies, weil die dort angestellten Pädagoginnen und Pädagogen bereits jetzt mehr Lektionen übernehmen als ursprünglich geplant; anders könnte der Unterricht aber nicht aufrechterhalten werden. Nicht selten führe jedoch genau diese Mehrarbeit zu Erschöpfungszuständen des Personals und erneuten Ausfällen – ein Teufelskreis. «Aufgrund von zwei späten Kündigungen verbrachte ich den gesamten Juni damit, Personal zu rekrutieren.» Als dann auch noch eine Lehrperson kurzfristig abgesprungen sei, habe gar die Mutter eines «lehrerlosen» Schulkindes via Social Media eine Suchaktion gestartet.

Auch beim Volksschulamt (VSA) suchte Bucheli Rat. Dort empfahl man ihr, Maturandinnen oder Maturanden anzustellen sowie bestehende Klassen aufzulösen und die Kinder anderen Lehrpersonen zuzuteilen. Für Bucheli impraktikable Vorschläge. «Einer blutjungen Person ohne Berufserfahrung die Leitung einer Klasse zuzumuten, erachte ich als keine gute Idee.» Auch die Neuverteilung der Kinder sei keine sinnvolle Lösung, da überfüllte Klassen für Lehrpersonen einen der grössten Stressfaktoren darstellten.

Image des Berufs ist angeknackst

Ähnlich wie Balsthal geht es auch anderen Solothurner Gemeinden. «Es ist enorm schwierig geworden, Stellen zu besetzen, und so, wie es aussieht, wird sich die Situation in Zukunft noch verschärfen», berichtet Christian Meister, Gesamtschulleiter des Schulkreises Bellach, Lommiswil und Selzach (BeLoSe).

Gerade bei heilpädagogischen Fachkräften sowie bei der Logopädie sei es schier unmöglich geworden, ausgebildetes Personal zu finden; darum müsse auch im Schulkreis BeLoSe auf nicht adäquat ausgebildete Mitarbeitende zurückgegriffen werden, was alles andere als optimal sei. Hinzu käme noch die Pensionierungswelle, welche seit ein paar Jahren an Schulen grassiere. Das Hauptproblem sieht Meister aber beim angeknacksten Image des Berufs.

«Der Lehrerberuf hat nicht mehr den Stellenwert in der Gesellschaft, den er verdient.»

Auch sei der Lohn nicht mehr angemessen in Anbetracht dessen, was eine Lehrperson leisten müsse. Die enorme Heterogenität in den Klassen, die grosse Verantwortung gegenüber den Kindern, die Elternarbeit und vieles mehr mache den Lehrerberuf alles andere als einfach – dies schrecke viele ab.

Die Unterstützung des Kantons ist gefragt

«Mit viel Engagement und einer grossen Prise Glück konnte ich alle Stellen besetzen», erläutert auch Daniel Deiss, Schulleiter aus Starrkirch-Wil. «Die letzte jedoch erst vergangene Woche mit einer Studentin der Pädagogischen Hochschule, die bereits unterrichten darf.»

Im Vorfeld habe sich sein Lehrerteam auf Notfallszenarien vorbereitet, falls alle Stricke reissen würden. Um dies zu verhindern, wurden auch Onlineplattformen wie Facebook oder Whatsapp genutzt; parallel dazu habe das gesamte Team gezielt Lehrpersonen aus dem Bekanntenkreis kontaktiert. Mathias Stricker, Präsident des Lehrerverbands Solothurn (LSO), versteht die Problematik nur zu gut und ist alles andere als überrascht über die prekäre Personalsituation. «Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) weist bereits seit zehn Jahren auf den Mangel an Fachkräften hin.»

Jetzt sei dieser auch im Kanton Solothurn angekommen. Allein mit Studienabgängern der pädagogischen Fachhochschulen könne das Loch an Lehrpersonen jedenfalls nicht gestopft werden, da brauche es auch vom Kanton umfangreichere Anstrengungen. «Grundsätzlich muss die Attraktivität des Lehrerberufes auch durch sehr gute Anstellungs- und verbesserte Rahmenbedingungen wie kleinere Klassen gesteigert werden.»

Aktivitäten zur Personalrekrutierung seitens des Kantons sind geplant in Form einer Kampagne, welche insbesondere an potenzielle Quer- sowie Wiedereinsteiger gerichtet ist. Wie viele Stellen in diesem Sommer nicht besetzt werden können, ist laut dem Volksschulamt nicht klar.

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